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Doppeladler und einfache Adler


Autor und Fotos: Hartmut Geißler


Über der Haustür Zuckerberg Nr. 26 ist ein Türsturz eingebaut, der oben die Abkürzungsbuchstaben von Erbauern bzw. Besitzern trägt und darunter einen Doppeladler und die Jahreszahl 1612.

Er wurde in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in dieses Haus eingemauert, nachdem er vorher in Verwendung eines anderen, abgerissenen Hauses auf dem Zuckerberg war. Man nimmt allgemein an, dass er von der kurpfälzischen Schaffnerei im Norden des Saales stammt.

Dieser doppelköpfige Reichsadler war seit dem ungarisch-deutschen König Sigmund (* 1368 † 1437) in offizieller Verwendung wie noch heute in vielen Staaten Ost- und Südosteuropas.

Warum allerdings dieser kurpfälzische Verwaltungssitz noch den Reichsadler als Schmuck benutzt haben soll und nicht das pfälzische Wappen, also das Wappen der Kurpfälzer Pfand-Herren, an die zu dem Zeitpunkt (1612) schon seit zweieinhalb Jahrhunderten der Ingelheimer Grund verpfändet worden war und die mittlerweile quasi dessen Territorialherren waren, bleibt erklärungsbedürftig.

Oder sollte damit an die Gründungszeit des Augustiner-Chorherrenstiftes erinnert werden? 

Türsturz in Zweitverwendung
Kurpfälzer Wappen über der seitlichen Eingangstür der Remigiuskirche (18. Jahrhundert)

 

 

 

 

Auch an einer anderen Stelle im Saal - auf zwei Kirchtürmen der Saalkirche gegenüber diesem Haus - erinnern Doppeladler, aber erheblich jüngere aus dem 19. Jahrhundert, an die alte Reichsunmittelbarkeit.

 

Alle Wappen der Ingelheimer Orte hingegen zeig(t)en nur den einköpfigen Adler.
Unten von links nach rechts:
Ober-Ingelheim, Nieder-Ingelheim, Großwinternheim und ganz rechts Stadt Ingelheim (2005)

 

Gs, erstmals: 04.11.06; Stand: 07.02.17