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Der Ingelheimer Raum in der Vorgeschichte


Autoren: Ernst Kähler und Hartmut Geißler
Literatur

 

Als "Vorgeschichte" wird meist die Zeit der Menschheitsgeschichte bezeichnet, aus der noch keine schriftlichen Überlieferungen vorliegen. Für den Ingelheimer Raum betrifft das die Geschichte vor der Römerzeit, für die wir also nur auf Bodenfunde angewiesen sind.


Steinzeit

Die Ingelheimer Region wurde aufgrund ihres milden Klimas, ihrer Lage und Landschaftsstruktur mit charakteristischer Fauna und Flora der sogenannten Mammutsteppe schon früh von Jägern und Sammlern aufgesucht. Neandertaltypische Artefakte belegen deren Anwesenheit zwischen Mainzer Berg und Westerberg weit vor dem Ende der letzten Eiszeit, d.h. vor mindestens 50.000 Jahren.

 

 

 

 

Im Ingelheimer Museum: ein Mammut-Backenzahn, der aus dem Rhein bei Ingelheim geborgen wurde; dahinter ein Diorama mit einer steinzeitlichen Menschen-Gruppe

 

 

Erste Spuren menschlicher Anwesenheit, z.B. Steinkeile, gibt es schon ab etwa 50.000 v. Chr. aus der Alt- und Mittelsteinzeit (Abb. rechts).

 

Diese gelochte Spitzhacke aus Hirschgeweih wurde in der Jungsteinzeit vor ca. 6.000 Jahren benutzt (Bandkeramik).

 

Eine kontinuierliche Siedlungstätigkeit sesshafter Bauern ist von der Jungsteinzeit über die Bronzezeit bis zur Eisenzeit nachweisbar.

Im Museum zeugen Steingeräte, Tongefäße, Schmuck, Waffen und ein Mahlstein von den vorgeschichtlichen Epochen. Herauszuheben ist neben schön bearbeiteten Steinbeilen (unten links) ein großes Vorratsgefäß (unten rechts) aus der Zeit der sog. Michelsberger Kultur (3. Jahrtausend v. Chr.), das 1981 fast unversehrt aus einem Weinberg in Groß-Winternheim geborgen werden konnte.


Bei Ausgrabungen im Jahr 2020 wegen des Bauvorhabens Gertrudenhof an der Ottonenstraße stießen die Archäologen der Forschungsstelle Kaiserpfalz auf drei Gräber mit Hockerbestattungen aus der frühen Bronzezeit, deren Knochen nach einer DNA-Untersuchung in die Zeit von 2188 bis 1980 zu datieren sind - die ältesten bisher gefundenen "Ingelheimer", die offenbar zeigen, dass diese Stelle Nieder-Ingelheims, zwischen dem mittelalterlichen Königshof und der Pfalz auch schon vor 4000 Jahren ein begehrter Siedlungsplatz war.

Dank an die Forschungsstelle Kaiserpfalz, die uns die Übernahme dieses Fotos erlaubte!

Copyright Stadt Ingelheim. Foto: Holger Warnke

 

Bronzezeit, Eisenzeit

Auch für die folgenden Zeitabschnitte besitzt Ingelheim zahlreiche gestreute Bodenurkunden, mit Schwerpunkten in Ingelheim-Nord und vor allem an den sanften Terrassen des Mainzer Berges. Dessen Quellhorizont bot ebenso wie die Nähe zu Rhein und Selz günstige Voraussetzungen für menschliche Existenz und Niederlassungen.

Hügelgräberzeit (1.600 - 1.400 v. Chr.)

Urnenfelderzeit (1.200 - 600 v. Chr.): 2017/18 wurden auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei in der Wilhelm-von-Erlanger-Straße 20 Brandbestattungen, zumeist in Keramikgefäßen, gefunden (aus 1100 bis 1000); einige enthielten auch Beigaben, z. B. Muschelschmuck, Bronzespiralen (Kaiserpfalzjournal 2018/19).

Hallstattzeit (6./5. Jh. v. Chr.)

keltische Latènezeit (4. - 1. Jh. v. Chr.)

Aus der vorrömischen Zeit, in der hier Kelten wohnten, haben sich im Ingelheimer Raum bisher keine Siedlungsspuren finden lassen. Ihre schriftlose Kultur wurde durch die römische Eroberung überlagert.

Zu den Übersichtskarten der Ingelheimer Funde aus der ...

Altsteinzeit

Jungsteinzeit

Bronzezeit

Eisenzeit

 

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Gs, erstmals: 25.07.05; Stand: 02.02.21