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11. Adelshöfe in der unteren Stiegelgasse


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
Literatur dazu:
Krämer, Ober-Ingelheim,

Krienke, S. 426-428,
Weyell, Franz: Ingelheimer Mosaik, S. 60-61 (zu Haus Nr. 50)


Stiegelgasse 65

Das Anwesen, das sich bis zur Uffhubstraße hochzog, gehörte bis ca. 1580 den Busern/Beusern von Ingelheim. Hier nahm Kurfürst Ludwig VI. anlässlich der Huldigung am 16. Juli 1577, die in der Burgkirche stattfand, sein Quartier. Er kam durch das Ohrenbrücker Tor feierlich bis zu diesem Hof eingezogen, fuhr dann wieder durch das Ohrenbrücker Tor hinaus, auf dem Rheinweg westlich der Selz hinab bis zum unteren Altengässer Tor und die Altegasse hinauf bis zur Burgkirche.

Die heutige Hofanlage wurde ungefähr ab 1837 für den Weingutsbesitzer und Weinhändler Philipp August Gebhard, einen Vorfahr des Theaterregisseurs Dr. Hanns Niedecken-Gebhard, in spätbarocker Bautradition errichtet.

1911 wurde der englische Landschaftsgarten dahinter für den neuen Besitzer, den Wiesbadener Kaufmann Gustav Adolf Bode, angelegt („Bode-Park“). Er erstreckt sich bis hinauf zu den Häusern in der Uffhubkurve.

 

Stiegelgasse 50

In der jetzigen Baugestalt wahrscheinlich von 1733, vermuteter Stammsitz der Freiherren und späteren Reichsgrafen „von Ingelheim (mehrere Epitaphien in der Burgkirche).

Die Grafen verkauften es um 1800 an Peter Werner, den Sohn des von Horneckschen Gutsverwalters. Dieser war in der französischen Zeit Maire und danach Bürgermeister von Ober-Ingelheim. Von 1833 bis 1907 gehörte es Vater und Sohn Müller, und zwar Dr. Franz Joseph Müller und Dr. Anton Karl Moritz Müller, beide Friedensrichter am Amtsgericht. Von deren Erben kaufte es Julius Wasem. Bis heute gehört das Anwesen als Weingut und Hotel einem Zweig der Familie Wasem (Weyell in BIG 20, S. 60).


Stiegelgasse 48

Ersterwähnung 1382, im 15. Jh. an Wilhelm von Ockenheim (Epitaph in der Burgkirche) verpachtet. Von 1500 bis ins 19. Jh. im Besitz der Herren Horneck von Weinheim. Sie ließen 1590 den hohen Renaissancebau errichten, der versteckt und zurückgezogen in einem großen Park liegt. Von 1834 bis 1865 Wohnsitz von Dr. Martin Mohr. Dieser stellte der deutsch-katholischen Gemeinde ein Wirtschaftsgebäude (an der Edelgasse, abgerissen) als Gotteshaus zur Verfügung (bis 1910).

1933 wohnte hier der pazifistische Studienrat Karl Balser zur Miete, der von den Nationalsozialisten aus dem Dienst an der Bürgerschule entfernt wurde.

Heute ist das Anwesen ein Boehringer-Besitz und diente von 1962 bis 1966 dem späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker als Wohnsitz.

 

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Gs, erstmals: 03.03.06; Stand: 02.05.21