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15. Oberes Altegässer Tor, Wehrmauer am Unteren Zwerchweg und die Fortsetzung durch den oberen Ochsenborn

 

Autor und Fotos: Hartmut Geißler

Längerer Wehrmauerrest am Unteren Zwerchweg; Blick nach Süden; Foto: Gs


In Fortsetzung dieses restaurierten Wehrmauerrestes (rechts) zur Altegasse hin, da wo hinter dem Baum ein gelbes Gebäude zu sehen ist - vom Fotografen weg - , muss die obere Altengässer Pforte gestanden haben, zu der es bisher keine archäologischen Befunde gibt. Da die Altegasse, eine vielbenutzte Straße nach (Gau-)Algesheim, an dieser Stelle die Wehrmauer kreuzte, muss dort ursprünglich ein Tor bzw. eine Pforte gestanden haben.

Eine schriftliche Erwähnung im Ober-Ingelheimer Haderbuch 1518-1529, zum 24.11.1523, wo es als das "mittelste Tor" neben einer Bäckerei zur Lokalisierung eines Grundstücks erwähnt wurde, bekräftigt diese Annahme. Denn dass es eine Bäckerei weit unten an der Selz gegeben haben soll (wie später einmal), ist zu dieser Zeit recht unwahrscheinlich. Auch andere Erwähnungen eines bewohnten Tores im frühen 15. Jh. lassen sich besser mit diesem oberen Tor in Verbindung bringen als mit einem unteren Altengässer Tor. Dieses könnte als Nachfolgebau zur Zoll- und Zehnerhebung entstanden sein, nachdem das obere (vielleicht in den Kriegen des 17. Jhs.) verschwunden war. Hier besteht noch Forschungsbedarf.

Lange Zeit wurde die dicke Mauer des Fotos von Wirtschaftsgebäuden benutzt, die auf seiner linken Seite angebaut waren, wo sich heute eine kleine Grünanlage mit einem Brunnen befindet. Nach dem Abriss dieser Gebäude wurde die Mauer in das Gebäude rechts integriert. Die Einmündung des Unteren Zwerchweges in die Altegasse wurde dadurch erheblich verbreitert.

Wie dem Parzellen-Katasterplan von 1848 zu entnehmen ist, dürfte sich diese Mauer hinter der Bäckerei Finkenauer (das gelbe Gebäude) mit einem Graben weiter geradeaus nach Süden fortgesetzt haben, in Richtung des Klosters Engelthal, durch den oberen Ochsenborn, da wo heute ein namenloser Pfad verläuft. Diese Vermutung wird unterstützt durch die Erwähnung eines Gemeinde-Grabens im Ochsenborn, der u.a. als Tuchbleiche gedient haben soll, die man sich unten im Überschwemmungsgebiet der Selz nur schwer vorstellen kann.

So sah das auch Konrad Weidemann 1974 in seinem Beitrag "Die Königspfalz in Ingelheim" in "Ingelheim am Rhein 774-1974", S. 53. Er verwendete den Ortsplan von Rauch, aber ohne alle Häuser, nur mit der Ortsbefestigung einschließlich des Burgkirchenareals und zog eine sehr gerade, gestrichelte, also hypothetische Linie durch den oberen Ochsenborn bis hinüber zum Ohrenbrücker Tor mit Anschluss an Rauchs dort gestrichelte Linie.

Gestrichelt der angenommene Wehrmauerverlauf im oberen Ochsenborn in einem Stadtplan von ca. 1985


In ähnlicher Weise wurde der vermutliche Verlauf auf einem Stadtplan des Verlages ATLASCO, Dreieich, von ca. 1985, gestrichelt eingezeichnet (Dank an Reiner Letzner).

Diese Annahme, gestützt durch den Katasterplan und die Nutzung des Grabens als Bleiche, ist wahrscheinlicher als ein bisweilen vermutetes Gebück mit Anschluss an eine hinuntergezogene Wehrmauer nördlich parallel zur unteren Altegasse. Denn ein Verlauf oben würde den bebauten Ortskern schützen, während ein Verlauf unten an der Selz - in welcher Form auch immer - große landwirtschaftlich genutzte Flächen in die Ortsbefestigung einbezogen und ihre Verteidigung ohne großen Nutzen viel aufwändiger gestaltet hätte.

Diese Annahme geriet allerdings in den letzten Jahrzehnten außer Betracht und müsste noch durch Grabungen verifiziert werden. Hier besteht Forschungsbedarf.

Zu den Wehrmauern Ober-Ingelheim allgemein



Gs, erstmals: 11.03.06; Stand: 02.05.21