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5. Das Wallbrunn-Palais in der Oberhofstraße


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
nach Krienke mit Ergänzungen


"Oberhofstraße" heißt diese Straße erst seit der Eingemeindung nach Ingelheim im Jahre 1972, davor "Wasengass" oder "Untergasse" (?) und "Schwabenheimer Straße".

Namengebend ist die Erinnerung an das Ingelheimer Reichsgericht, dessen Schöffen wöchentlich auch in Großwinternheim amtierten, wahrscheinlich unter einer Linde links neben der katholischen St. Johannes Evangelist.

Der geöffnete Innenhof des Wallbrunn-Palais während eines Flohmarktes am 4.9.2011

Diese barocke Anlage wurde 1788 von einem Zweig der alten hessischen Freiherrenfamilie von Wallbrunn, der in Partenheim seit 1493 begütert war und dort residierte, als Sommerresidenz erbaut.

Das breite, zweigeschossige Haupthaus mit seinem steilen Mansardendach beherrscht einen weitläufigen, links und rechs von Wirtschaftsgebäuden gefassten Hof. Die symmetrisch gegliederte Fassade mit Freitreppe und kräftig profilierten Gewänden springt in der Mittelachse stark vor.

Die Hanglage der Rückfront lässt nur noch Eingeschossigkeit zu, führt aber in einen großzügigen Park bis an die Obergasse. 1975 erfolgte ein durchgreifender Umbau.

Als der Reichsfreiherr Franz Carl August Wolfgang, der als letzter seiner Familie in Partenheim residierte, 1785 starb, übernahm seine erst 35jährige Witwe, Christiane Eleonore von Wallbrunn, geb. von Hopfer als Württemberg, seine zahlreichen Verwaltungsaufgaben in Partenheim. Unter ihrer Leitung wurde 1788, also wenige Jahre vor der französischen Revolution, auch das "Schlösschen" in Groß-Winternheim erbaut. Sie selbst wohnte und starb am 7.12.1832 in Partenheim und wurde vor dem Westportal der dortigen Kirche bestattet.

Ein unvergessenes Verdienst erwarb sich Freifrau von Wallbrunn 1796 um Großwinternheim. Denn durch ihren persönlichen Bittgang in das französische Lager zu General Dessaire in Engelstadt verhinderte sie das Niederbrennen des Dorfes - ein schlimmes Schicksal, das Schwabenheim nicht erspart blieb. Es heißt, dass sie fließend Französisch sprach. (Festschrift der Gemeinde Partenheim anlässlich der 1250-Jahr-Feier vom 31. August 2007 - 2.September 2007).

Auf einen ihrer Vorfahren, Anna Catharina von Wallbrunn, 1652 als eine verheiratete von Sponheim verstorben, weist ein doppelt verwendetes Epitaph in der Ober-Ingelheimer Burgkirche hin.

Neben der vermauerten Toreinfahrt des linken Scheunentraktes findet sich ein sog. Allianzwappen in Form einer Triumphpforte (links das Wappen der Knebel von Katzenelnbogen, rechts das der Landschad von Steinach) mit dem Jahr 1539.

Er soll aus dem ehemaligen Hofgut der Herren von Haxthausen stammen und gehört eigentlich nicht zu dem Wallbrunn-Palais.

Ehewappen von 1539 im Wallbrunn-Palais, links das Wappen der Knebel von Katzenelnbogen, rechts das der Landschad von Steinach; wahrscheinlich gemeint ist die Hochzeit von Dam Knebel von Katzenelnbogen, Amtmann zu Oppenheim, mit Elisabeth Landschadin von Steinach 1533 (nach Humbracht)

 

 

Der Name einer Querstraße, der ehemaligen "Klappergasse", später "Schulstraße", erinnert an die Freifrau von Wallbrunn..


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das sich südlich daran anschließende ca. 450 Jahre alte Gebäude der Familie Hußmann (Oberhofstraße 6), früher wahrscheinlich das Verwaltergebäude der Wallbrunns, wurde 2007 umfangreich saniert, umgebaut und modernisiert.

 

 


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Gs, erstmals: 25.02.06; Stand: 02.11.20