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Der Geismarsche Hof nach Krienke

 

Autor: Dieter Krienke
in: Denkmaltopographie Band 18.1, S. 408

"An der Burgkirche 11 „Geismarscher Hof".

Seit karolingischer Zeit Fronhof bzw. Zehnthof des Klosters Hersfeld, dessen Areal östlich an die Pfarrkirche grenzte, von der Mitte des 11 Jh. an den ganzen Bogen der Ringgasse bis zur späteren Ortsbefestigung ausfüllte und bis 1835 das jetzige Nachbaranwesen Nr. 13 einschloss. Seit 1606 dem Landgrafen von Hessen-Kassel gehörig, der den Hof zunächst samt dem Weinzehnten an seinen Kämmerer Georg Levin von der Marten verlehnte. 1623 bis Anfang des 18. Jh. Besitz der aus den spanischen Niederlanden zugewanderten Adelsfamilie Lopes de Villanova, ab 1722 der Freiherren von Geismar. 1805-1810 Eigentum des Gutsbesitzers und Bezirksrates Philipp Derscheid. Die zugehörige Zehntscheune stand auf dem heutigen Grundstück Ringgasse 22.

Großdimensionierter, dreiseitig freistehender spätgotischer Putzbau unter verschiefertem Satteldach mit Staffelgiebel. Der straßenseitige Bauteil im Kern älter über kleinem tonnengewölbtem Keller mit ungewöhnlich starken Außenmauern zwei ebenso eingewölbte Erdgeschossräume, in denen sich gekuppelte Fenster mit gekehlter Sandsteinrahmung öffnen. Die Nordwestecke durch mächtigen Strebepfeiler verstärkt; nach dem Hof verschiefertes Zwerchhaus in Fachwerk (ornamental geschnitzte Schalbretter). Der größere, östliche Teil an einer Stichbogenpforte zum Garten (Gewände mit Stabprofil) bez. 1619; einfache Sandsteingliederung des 18. bzw. 19. Jh., Weinkeller mit Flachtonne. Ein Schildgiebel markiert die Trennlinie, zum ehemals zugehörigen Anwesen Nr. 13. Umbau um 1900: Hinzufügung von Zwerchhaus mit Staffelgiebel, gartenseitigem Fachwerkerker und hofseitiger Gaubenzeile zwischen Zwerchhäusern.

Von der Ausstattung bemerkenswert: Treppenhaus um 1910, Türen und Wandschränke des 19. Jh., in der Erdgeschoss-Stube drei Supraporten mit Jagdszenen, Ölbilder um 1700, teilweise Rahmenstuck und Deckenkehlen der Barockzeit erhalten; im nördlichen Zwerchhaus Glasfenster bez. JOH. AUG. SCHULER / GLASMALEREI MAINZ, um 1900 (Wappen von Bingen, Mainz und Ober-Ingelheim). - Die Pforte zum gepflasterten Hof ehemals 1612 datiert."


Gs, erstmals: 24.12.20; Stand: 24.12.20