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22. Das frühere Amtsgericht

 

Autor und Fotos: Hartmut Geißler

Vorderbau des Amtsgerichts am Neuweg; Foto: Gs

Als nach 1900 der Neubau eines Amtsgerichtes in (Ober-)Ingelheim anstand, weil das Rathaus am Marktplatz für Verwaltung und Gericht zusammen viel zu klein geworden war, schlug das Ministerium in Darmstadt einen Standort in Bahnhofsnähe vor, da, wo in jüngster Zeit die Kreisverwaltung und die neue Mitte gebaut wurden. Dann hätte das neue Gericht aber in Nieder-Ingelheim gelegen, und eine vereinte Stadt Ingelheim am Rhein gab es erst seit 1939.

Oberamtsrichter Dr. Anton Müller und der Ober-Ingelheimer Bürgermeister Schätzel jedoch konnten sich mit ihrem Vorschlag eines kostenlosen Bauplatzes zwischen Neuweg und Grabengasse durchsetzen, wohl weil sie das Gericht, das eine Jahrhunderte alte Gerichtstradition in Ober-Ingelheim fortsetzte, im Ort behalten wollten.

Und so entstand zwischen dem engen Neuweg und der Grabengasse ein wuchtiger, dreigeschossiger, mehrachsiger Gebäudekomplex im neobarocken Stil mit einem betonten Mittelrisaliten. Er enthielt verschiedene Büros, einen Gerichtssaal, das Grundbuchamt, das Registergericht sowie Wohnungen für Richter und Lehrer und wurde bei seiner Einweihung 1909 besonders wegen der modernen Einrichtung gerühmt: Zentralheizung, Wasserleitung, elektrisches Licht und eine Telefonanlage!

Als 1980 das schon von Bingen aus verwaltete Amtsgericht ganz nach Bingen verlegt wurde, ging das Gebäude in Privatbesitz über.

Portal des ehemaligen Amtsgerichtes; Foto: Gs
Der Mittelbau und der hintere Querbau des Amtsgerichtes neben St. Michael; Foto: Gs

 

Gs, erstmals 15.03.06; Stand: 09.03.21