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Die Horneck von Weinheim und ihr Besitz in Ingelheim


Autor und Foto: Hartmut Geißler
aus: Geißler, Adelsfamilien, mit späteren Ergänzungen


Die Horneck von Weinheim waren ein altes, zur Ritterschaft am Rhein gehörendes freiherrliches Geschlecht, dessen Stammort das Städtchen Weinheim (an der Bergstraße) ist; Bernhart Horneck von Weinheim wurde 1505 zu einem Ingelheimer Schöffen gewählt.

Der Familie gehörte wohl über 300 Jahre das Anwesen Stiegelgasse 48, in dem im 19. Jahrhundert Präsident Dr. Martin Mohr und im 20. Jahrhundert der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker wohnten.

Erhalten ist von ihnen das Grabmal der ersten Ehefrau Bernhards, Dorothea von Nordeck zu der Rabenau, neben dem Koppenstein-Epitaph an der Westseite des Turmes.

Die von Nordeck zu der Rabenau gehörten zum Uradel des Lahngaues. Ihr ursprünglicher Stammsitz war die Burg Nordeck bei Allendorf/Gießen.

In einem architektonischen Rahmen von „Beschlagwerk-Renaissance“, wie es Rauch nennt, kniet ein betendes Paar vor einer Darstellung des aus seinem Grabe auferstehenden Christus. Dies ist evangelischer Auferstehungsglaube: Weil Christus auferstanden ist, hoffen wir im Glauben auf das Gleiche.

Von den beiden Inschrifttafeln darunter ist nur die rechte, die Ehefrau betreffend, benutzt. Die linke ist frei geblieben und war wohl für ihren Mann vorgesehen.

Inschrift Horneck-Epitaph

Die Inschrift lautet:

IM IAR 1578 DEN 9. AVGVSTI IST IN 
GOTT CHRISTLICH VERSCHIEDEN DIE EDELE
VUND DUGETSAME (sic!) FRAW DOROTHEA HOR
NECKIN VON WEINHEIM GEBORNE VON NORDEKE
ZV DER RABENAV DER GOTT GNEDIG
VND BARMHERZIG SEIN VND EIN FROLICHE AVF
ERSTEHVNG VERLEIHEN WÖLLE. AMEN.

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Auch hier sind die Adelswappen ca. 1793 in der Jakobinerzeit sorgfältig herausgemeißelt worden, die Namen dazu wurden aber stehen gelassen. Es waren dies die Wappen der Familien Horneck v. Weinh[eim], v. Nordeck zur Rabenaw, Horneck v. Horn[berg], Katzenbeis, Mülhofen, Luttern, Baltzhofen, Praumheim (nach Helwich).

Die Familie der Freiherren Horneck von Weinheim hatte lange Zeit vielfältigen Besitz in Ingelheim, auch zwischen Ringgasse und Schießgraben. Denn das dort liegende Tanz-, Fecht- und Schießhaus wurde 1707 von einem Baron Joseph von Horneck zu Bamberg der katholischen Gemeinde als Schulhaus geschenkt, nachdem diese ihr angestammtes Schulhaus neben der den Reformierten zugefallenen Kirche verloren hatten (StA Ing I/3813/51 "Promemoria").

Franz Weyell, aus einer Ingelheimer Müllerfamilie stammend, hat in seinem Artikel über die Mühlen Ingelheims von 1963 (BIG 14) eine Urkunde abgebildet, die den Verkauf der Griesmühle aus dem Besitz eines Freiherren von Horneck zu Bamberg an die Familie Weyell im Jahre 1803 belegt, also in der napoleonischen Epoche, in der der meiste hiesige Adelsbesitz verkauft wurde (BIG 33, 1982, S. 42-43).

Die Familie von Horneck muss freilich auch noch danach Grundbesitz in Ober-Ingelheim gehabt haben, denn 1824 überließ "Herr Carl  Baron von Horneck, Privatmann, von seinen Renten lebend, in Mainz wohnhaft" im Auftrag seiner Bamberger Familie der katholischen Gemeinde von Ober-Ingelheim ein Grundstück am Unteren Schenkgarten (heute: Weingut Dautermann) zum Bau eines Schulhauses (StA Ing. Rep. II/287).



Noch heute erinnert der Name einer geschätzten Ober-Ingelheimer Gaststätte der Familie Wedekind – seit 1935 „Burg Horneck“ genannt – an diese alte Freiherrenfamilie, ohne dass die Gaststätte irgendetwas mit jener Adelsfamilie verbindet.

 

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Gs, erstmals: 27.08.11; Stand: 26.04.21