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Das fränkische Gräberfeld III in Ingelheim


Autor: Hartmut Geißler
nach: Astrid Wenzel, Ausstellungskatalog S. 184/185
und nach aktuellen Mitteilungen der Forschungsstelle Kaiserpfalz,
darunter dem Kaiserpfalz-Journal 2020


1978/79 wurden rund 160 Gräber im Bereich von Rotwein-/Stevenagestraße archäologisch untersucht. Astrid Wenzel schätzte die Gesamtzahl der Gräber aus der Zeit vom späteren 5. bis in die ersten Jahre des 8. Jahrhundert in diesem Hofstellenbereich noch auf 800 bis 1000 Gräber. Nach den erneuten Grabungen um 2020 erhöhte man diese Schätzzahl sogar auf mögliche 2500 Gräber im Zeitraum von etwa 500 bis in die 1. Hälfte des 8. Jahrhunderts (Kaiserpfalz-Journal 2020, S. 7).

Es ist das wahrscheinlich größte in Rheinland-Pfalz, das sich nach den bisherigen Funden etwa von der Friedensallee bis zur San Pietro-Straße und von der Rotweinstraße bis zur Wilhelm-Leuschner-Straße erstreckt.

Dieses Gräberfeld III ist - neben den Grabungen um die Remigius-Kirche - das einzige in Ingelheim, bei dem planmäßige Grabungen durchgeführt werden konnten und auch 2021/22 noch können; die Funde aus anderen Gräberfeldern beruhen auf zufälligen Einzelfunden weniger Gräber (Gräberfeld I in Frei-Weinheim, Gräber bei der Burgkirche).

Fränkische Gräber jener Epoche waren ausnahmslos Körpergräber in West-Ost-Richtung und Rückenlage (Kopf im Westen), z.T. mit Steinen ausgekleidet und mit Steinplatten überdeckt. Holzspuren sind aufgrund der geologischen Situation Ingelheims kaum mehr zu finden. Die Verstorbenen wurden in ihrer üblichen Kleidung bestattet, mit signifikanten Attributen wie Waffen bei Männern und Schmuck bei Frauen.

Leider aber sind die meisten Grabbeigaben aus Gräbern des 6./7. Jahrhunderts schon durch (frühmittelalterliche) "Grabräuber" entwendet worden, so dass viele Gräber nur unvollständig erhalten sind. Diese offenbar weit verbreiteten systematischen Grabplündereien erfolgten möglicherweise im Zusammenhang mit der Christianisierung.

Insgesamt lassen aber die erhaltenen Grabbeigaben darauf schließen, dass diese fränkischen Bauern des sechsten, siebten Jahrhunderts – zumindest ihre Oberschicht – doch nicht ganz so „primitiv“ waren, wie man denken mag; einiges deutet sogar auf einen beträchtlichen Wohlstand hin.

So wurden bei den derzeit (2021) noch laufenden Grabungen gefunden: zwei Goldmünzen mit Kreuzen, ein verzierter Knochenkamm, ein Sturzbecher aus Glas, Waffenreste (Speerspitze, Schildbuckel, Messer, Schere und Schmalsax), bunte Schmuckperlen und Keramikware (Kaiserpfalzjournal 2020 und AZ 01.07.21).

Die Abbildungen aus dem Katalog zeigen das nördliche und das südliche Gräberfeld:

 

Gs, erstmals: 27.12.07; Stand: 01.07.21