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Zwei aufständische Herzöge aus Bayern in Ingelheimer Haft: Heinrich I. und sein Sohn Heinrich II. "der Zänker"

 

Autor: Hartmut Geißler


Ingelheim wurde unter den Ottonen nicht nur zu Festen und Synoden benutzt, sondern zweimal auch als Internierungsort für bayrische Herzöge.

1. Im Jahr 941 wurde Heinrich, der jüngere Bruder Ottos I. und Herzog von Bayern, wegen einer Verschwörung gegen Otto festgenommen und nach Ingelheim gebracht, von wo er aber entkommen konnte und sich mit seinem Bruder wieder versöhnte.

Darüber wird in zwei zeitnahen Geschichtswerken berichtet.

a) in der Continuatio Reginonis des Hl. Adalbert:

Heinrich, der Bruder des Königs, verschwor sich mit einigen Sachsen gegen den König, deren wahrscheinliche Anführer der König enthaupten ließ. Seinen Bruder Heinrich aber übergab er der Bewachung in Ingelheim. Der König feierte Weihnachten in Frankfurt, wo sein Bruder, der mit Hilfe eines Diakons der Mainzer Kirche, Ruodbert, nachts heimlich aus der Bewachung entfliehen konnte, noch vor Tagesanbruch die Kirche des Königs aufsuchte, sich ihm zu Füßen warf, Gnade erlangte und die Verzeihung, um die er bat, erhielt. (MGH SS rer. Germ. 50, S. 162)

Unter welchen Umständen und in welchen Gebäuden dieser Heinrich hier festgehalten wurde, wird nicht berichtet, sondern es wird, wie zu dieser Zeit allmählich üblich, nur der Ortsname genannt. Das alte Palatium Karls und Ludwigs darf man sich jedenfalls nicht mehr dazu vorstellen, denn das bestand in der Modellform des Museums nicht mehr und wäre dafür auch ungeeignet gewesen.

Heinrich wurde jedenfalls bewacht und konnte nur mit Hilfe aus Mainz nachts der Bewachung entkommen, wahrscheinlich reitend, um noch vor Tageanbruch nach Frankfurt zu gelangen und dort seinen königlichen Bruder um Verzeihung zu bitten, die er auch erhielt.

b) Ausführlicher wird der Verlauf der Verschwörung gegen Otto, an der auch Friedrich, der Erzbischof von Mainz beteiligt war, in der Beschreibung der Verschwörung und ihres Endes in der Weltchronik („Antapodosis“) des Liudprand von Cremona dargestellt.

Heinrich wollte nach Aufdeckung der Verschwörung zuerst in die sehr sichere Burg Kevermunt bei Lüttich/Liège fliehen, wurde aber von seiner Schwester zur Umkehr und zu einem Versöhnungsversuch mit Otto veranlasst.

"Als Heinrich das gehört hatte und nicht mehr wusste, was er noch machen sollte, begab er sich eines Tages mit Personen, einigen Bischöfen, die ihn schützen sollten, zu (Otto und warf sich zu) den Füßen des ahnungslosen Königs und flehte untertänig um seine Gnade. Ihm antwortete der König: „Deine unwürdige Tat verdient (an sich) keine Gnade. Aber weil ich sehe, dass du dich vor mir erniedrigt hast, werde ich kein Unheil über dich bringen.“ Und so befahl der König, dass er sich zu seiner Pfalz begeben solle, die in Franken an einem Ort, der Ingelheim heißt, gebaut ist, und ihn gut zu bewachen, bis sich sein (Ottos) Zorn etwas gelegt habe und er nach Beratung mit klugen Leuten beschließen könne, was er mit ihm machen solle. (MGH SS 3, Buch 5, S. 326)


2. Dreizehn Jahre später (973) war es sein gleichnamiger Sohn Heinrich (II.), von Otto I. wie sein Vater mit dem Herzogtum Bayern belehnt, der wieder Ansprüche auf die deutsche Krone anmeldete, denn nach dem Tod seines Onkels Otto I. weigerte er sich, seinen Vetter Otto II., den Mann der Theophanu, als König anzuerkennen. Er wurde zum Haupt eines großen Aufstandes gegen Otto II., der seinen Anspruch auf das Königtum nur sehr schwer gegen eine starke Opposition durchsetzen konnte. Er konnte Heinrich jedoch im Jahr 974 gefangen nehmen und gleichfalls nach Ingelheim bringen lassen.

Die Altaicher Annalen berichten darüber:

Denn Herzog Heinrich begab sich sofort ... mit Gottes Hilfe unverzüglich zum Herrn Kaiser, zusammen mit allen, die in diese (Aufstands-)Planung eingeweiht waren, damit er (Otto) mit ihnen machen könne, was er wolle. Im Anschluss (an diese Unterwerfung) schickte dieser den Herzog nach Ingelheim und den Bischof Abraham nach Corvey, einige andere auch an verschiedene Orte. (MGH SS rer. Germ. 4, S. 12)

Er musste länger hierbleiben, denn erst 976 gelang ihm die Flucht aus Ingelheim.

Aber er gab seine ursprüngliche Ambitionen auf den Königsthron nicht auf, denn nachdem Otto II. 983 in Italien gestorben war, wurde Heinrich von Bischof Folkmar aus erneuter Haft (in Utrecht) entlassen. Es gelang Heinrich, sich im Januar 984 des erst vierjährigen Otto III., der über die Alpen zirückgeschickt worden war, zu bemächtigen, und in Sachsen ließ er sich sogar von seinen Anhängern zum König ausrufen, aber auch dieser Aufstand brach zusammen. Heinrich musste klein beigeben und das Kind Otto wieder der Obhut seiner Mutter Theophanu und seiner Großmutter Adelheit übergeben.


Die bayrischen Herzöge des 10. Jahrhunderts hatten kein Glück mit dem Griff nach der Krone.


Gs, erstmals: 14.04.21; Stand: 24.04.21