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1. Die Ortsbefestigung

 

Autor: Hartmut Geißler

 

Die spätmittelalterliche Befestigungsanlage umschloss den gesamten damals nur locker besiedelten alten Ort (unten gelb markiert) und bestand aus Ringmauer, Wehrgraben und undurchdringlichem Ulmendickicht („Effengraben“).

Halblinks überquert die gepflasterte, steinerne Fahrbrücke der Obentrautstraße eine tiefe, meist unscheinbare Rinne des bisweilen mächtig anschwellenden Flutgrabens, der zugleich als Wehrgraben diente.

Ein Bericht der Ortsverwaltung von 1882 beschreibt die Ortsbefestigung und ihr Schicksal im 19. Jahrhundert:

„Der ganze Ort war mit einer Befestigungsmauer ohne Wehrgang (der aufrecht stehende Wehrmauerrest im Weingut Nöth zeigt aber die Reste eines Wehrganges; Gs) umgeben, welche von Befestigungstürmen unterbrochen war, letztere sind in Wohnhäuser umgewandelt, von der Mauer sind namentlich auf der Nordseite beträchtliche Reste übrig. Der Ort hatte befestigte Tore ohne Türme mit Torwohnung, welche vor ungefähr 45 Jahren (also ca. 1837) abgebrochen wurden; auf der Nord und Ostseite schließt sich an die Mauer ein tiefer Flutgraben, ohne Wall mit Effen bepflanzt, derselbe ist durch wiederholte Wasserfluten stark ausgehöhlt.“- Die Beseitigung der Pforten erfolgte wahrscheinlich beim Bau der Straße durch den Ingelheimer Grund ca. 1830; Gs.

Die drei Tore (damals "Pforten") hießen „Niederpforte“ (in Richtung Selz/Ingelheim, beim Anwesen Nr. 36), „Talpforte“ (hangaufwärts in Richtung Mainz am Bebauungsende) und „Wasenpforte“ (in Richtung Schwabenheim, zwischen reformierter Kirche und Pacciushaus).

Die heutige Durchgangsstraße, die Schwabenheimer Straße, verläuft unterhalb des westlichen Graben- und Mauersystems.

 

Gs, erstmals 25.10.20; Stand: 02.11.20