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Die Familie von Haxthausen

 

Autor: Hartmut Geißler
nach: Andreas Saalwächter, BIG 14, S. 45-47
und freundlichen Hinweisen von Susanne Bräckelmann, Nierstein, 2016

 

Im Zusammenhang mit seiner Darstellung der Bewohner des Saales und der Saalmühle in Nieder-Ingelheim hat Andreas Saalwächter 1963 auch die ihm damals zugänglichen Daten der Familien Kamptz von Godau, von Haxthausen und Ulner von Dieburg zusammengetragen, die erheblichen Besitz in Ingelheim hatten. Sie wurden ergänzt durch die präziseren Forschungsergebnisse von Dr. Susanne Bräckelmann, Nierstein, 2016.

1. Hermann Rab(an) von Haxthausen, geb. ca. 1625, 1669-1671 Amtmann zu Gau-Odernheim, Ganerbe und Bürgermeister zu Nieder-Saulheim, heiratet 1658 Agnes Maria von Kamptz, die ihm u.a. den Besitz der Kamptz von Godau (Mecklenburg-Schwerin) in Ingelheim einbrachte, und zwar den Häuserhof auf dem Mainzer Berg und den Weiherhof im Saal.

Hermann Rab v. H. starb 1682 in Nieder-Saulheim. Im dortigen Kirchenbuch wurde notiert: 25. Julii ist der adeliche bürgermeister H. von Haxthaussen alhier gestorben und 6 wochen im kirchengewölb gestanden, nach verflossenen 6 wochen nacher Großwinternheim geführet, und daselbsten d. 7. Septembris mit adelichen Ceremonien in der kirche begraben worden. 57 jahre alt. (Kirchenbuch Nieder-Saulheim, übermittelt durch Dr. Susanne Bräckelmann)

Das bedeutet, dass schon Hermann, der Vater des folgenden Johann, in der Kirche von Großwinternheim bestattet wurde, und zwar eigens überführt von Nieder-Saulheim dorthin; von seinem Grab sind nach dem Neubau 80 Jahre später keine Zeugnisse erhalten. Die Kirche war von diesem Familienzweig offenbar als Begräbniskirche ausersehen, obwohl es keine Anzeichen dafür gibt, dass jemals ein von Haxthausen in Großwinternheim gewohnt hat. 

2. Sein ältester Sohn Johann Raban von Haxthausen wurde im Januar 1659 in Rossdorf bei Darmstadt geboren (laut Kirchenbuch Roßdorf) und wurde ebenfalls Soldat. Saalwächter schrieb über ihn:
Als Artillerieoffizier kam er zu großen Ehren. Er wurde kaiserlicher Major, des heiligen Reiches General-Feldmarschall-Leutnant, kurpfälzischer Generalleutnant, Gouverneur der Festungen Amberg und Jülich, auch Domherr zu Magdeburg. Johann Raban war 1715-1733 Gouverneur der Festung Jülich (Bräckelmann, S. 48, Anm. 34).

In erster Ehe heiratete er [am 19. März 1687; Brä] Margarethe Concordia, Freiin von Siegenstein [Sirgen-/Sürgenstein; Brä] zu Achberg... Die zweite Frau war eine Bongard von Pfaffendorf, Witwe des Back von Venheim.

Bräckelmann: Seine Mutter Agnes Maria überschrieb ihm anlässlich seiner Eheschließung u.a. Güter in Nieder-Ingelheim und Großwinternheim, vorbehaltlich einer Neuregelung im Erbfall. Sein Besitz in Großwinternheim nach einem Erbteilungsvertrag der Geschwister von Haxthausen vom 07.08.1698, der in Großwinterheim (!) abgefasst und unterzeichnet wurde: „in einem hauß, scheüer, stallung und daran gelegenem garten und gegenüber stehendem kelterhauß item 12 Morg 1 Vtl. Weinberg, so im Bau, 106 Morgen 1 Vtl. Acker 11 Morgen Wißen und gartten…." Dass die Weinbergslage zu den besten in Großwinternheim gehörte, zeigte Saalwächter (BIG 9, S. 89f.) anhand einer Klasseneinteilung aus dem Jahr 1721, wonach ihr Weinberg in einem Atemzug mit dem berühmten Bockstein aufgezählt wurde.

Johann Raban von Haxthausen starb am 21. November 1735 (Irrtum Saalwächters; richtig ist 1733; Gs) zu Mainz und wurde in der katholischen Kirche zu Groß-Winternheim beigesetzt, in der auch schon sein Vater Hermann beigesetzt worden war, was Saalwächter noch nicht wusste. Sein Grabmal ist verloren. Dass er in seinen Ingelheimer Besitzungen jemals gewohnt hat, ist unwahrscheinlich; sie waren für ihn nur Renditeobjekte.

Als kurpfälzischer Lehensträger des ehemaligen Mönchhofes der Abtei Eberbach im Rheingau, an den heute noch die Gewann „Am gebrannten Hof“ (Flur VI) der Gemarkung Nieder-Ingelheim erinnert, kam Johann Raban von Haxthausen auch mit dem im Hause „Zum Ochsen“ (jetzt Standort der Pestalozzi-Schule) wohnenden kurpfälzischen Generalwachtmeister Anton Otto von Cloß (* ca. 1660, † 26. 10. 1737) in Beziehung. Am 3. Januar 1725 schloß Haxthausen mit dem damaligen Obristen von Cloß zu Nieder-Ingelheim einen Pachtvertrag wegen Überlassung des alten Gemäuers an dem sogenannten „Gebrannten Hof unten an Nieder-Ingelheim gelegen“, den er von dem Kurhause Pfalz zu Lehen trage, zu einem Weiher und Fischbehälter, den der Herr von Cloß auf seine Kosten einrichten und ausgraben lassen muß…

3. Die aus der ersten (nicht der zweiten, wie Saalwächter falsch annahm) Ehe des Johann Raban stammende Tochter Maria Josepha von Haxthausen heiratete den Freiherrn Franz Ulner zu Dieburg. Dadurch kam der Ingelheimer Besitz der Familie von Haxthausen, der Häuser Hof, das Weiherhaus sowie in Großwinternheim 80 Morgen Äcker, 21 Morgen Weingarten, 11 Morgen Clauer (=Feuchtgebiet für Holzwuchs wie Weiden) und Wiesen, an die Ulners zu Dieburg. (Saalwächter, BIG 14, S. 47)


Ergänzung:

Zum Haxthäuser Hof in Nierstein, der von einer Schwester Johann Rabans bewohnt wurde, von Anna Sophia (1671-1743, † in Nierstein), liegt jetzt eine Darstellung in der Reihe der Niersteiner Geschichtsblätter vor: Der Haxthäuser Hof - ein Adelshof mit Geschichte, von Dr. Susanne Bräckelmann, Nierstein 2016.

 

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Gs, erstmals: 05.03.16; Stand: 26.02.17