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7. Kurpfälzer Forstamt, Gaststätte "Zur Pfalz", lutherischer Betsaal und Schaurer'sche Scheune


Autor und Fotos: Hartmut Geißler


Das Gasthaus „Zur Pfalz“ empfing früher Besucher, die mit der Fähre von der anderen Rheinseite aus dem Kurmainzer Rheingau kamen, in der Kurpfalz (zu der Ingelheim von ca. 1400 bis 1800 gehörte).

1753 schuf sich die kleine lutherische Gemeinde auf diesem Areal ein bescheidenes Bethaus - siehe Gedenktafel im Hof.

Später war das Anwesen kurpfälzisches Forstamt.

Wichtig für Frei-Weinheim war der Holzhandel, der überregional mit Flößen aus dem Schwarzwald und der Rhön betrieben wurde. Sie machten in Weinheim einen Zwischenstopp, bei dem Holzstämme, Balken, Bretter und Holzabfälle gekauft werden konnten. Vor allem diesem Holzhandel und dem Güterverkehr zur Versorgung des Umlandes verdankte die Familie Schaurer hier eine weit über 100 Jahre erfolgreiche Wirtschaftsgrundlage.

1837 wurde hier eine Gaststätte mit Tanzsaal im Obergeschoß und gegenüberliegendem Gartenlokal unter Platanen eröffnet. In dem mächtigen, lang gestreckten Scheunenbau an der Rückfront des Grundstücks (Rheinstraße 238) fanden nicht selten mehr als 20 Pferdegespanne und die dazu gehörigen Wagenladungen problemlos Platz; seit 2000 unter Verwendung der originalen Bruchsteine zu Wohnungen mit schmuckem Giebel zur Straße hin umgebaut.

An einem Stützbalken aus dem ehemaligen Schankraum zeigen Kerben und Jahreszahlen die gemessenen Hochwasserstände.

Die ehemalige Gaststätte "Zur Pfalz" (Ecke Dammstraße / Rheinstraße) mit Hochwasserpegel (rot umkringelt)

 

 

 

 

 

 

 

 

An der vorderen linken Ecke des Gebäudes befindet sich eine Holzsäule mit verschiedenen Hochwasserständen. Das schlimmste hier registrierte Hochwasser ereignete sich 1781. Die Ursache solcher Hochwasserfluten, die Frei-Weinheim immer wieder heimsuchten (im Unterschied zu den höher gelegenen Orten des Rheingaus gegenüber!) bestand meistens in einem Eisstau nach starkem Frost. Dabei wirkte das aufgestaute Eis wie eine Staumauer, an der sich das folgende Schmelzwasser immer höher aufstaute.

Beschriftung des Schlusssteines: N SCH 1837 (d.h. als Gasthaus erbaut 1837 von Nikolas Schaurer)

 

 

 

 

 

Das Gasthaus „Zur Pfalz“ empfing früher Besucher, die mit der Fähre von der anderen Rheinseite aus dem Kurmainzer Rheingau kamen, in der Kurpfalz (zu der Ingelheim von ca. 1400 bis 1800 gehörte).

Die zu Wohnungen umgebaute ehemalige Scheune der Holzhandelsfamilie Schaurer


Neben dem Eckgebäude oben schließt sich die ehemalige Scheune des Holzhändlers Schaurer an, die in den letzten Jahre zu Wohnungen umgebaut wurde.

Neben der Verschiffung von Wein war nämlich die Anlandung von Bauholz, das mit Flößen den Rhein herabkam, ein wichtiger Gewerbezweig des Weinheimer Hafens.

Zwischen beiden Gebäuden wurde ein schön klingendes Glockenspiel angebracht, links, unter dem roten Schutzdach, das beide Gebäude verbindet.

Der Giebel der ehemaligen Scheune wurde mit einer Uhr, mit Sprüchen, den Wappen von Ingelheims ausländischen Partnerstädten und Jugendstilelementen verziert.

 

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Gs, erstmals: 13.03.06; Stand: 28.10.20