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3. Alte Schifferhäuser in der Schubertstraße


Autor und Fotos: Hartmut Geißler

 

Der deutliche Mangel an älteren oder aufwendigeren Bauten in Frei-Weinheim steht im Zusammenhang mit der gefahrvollen Lage in unmittelbarer Flussnähe. Berichte über materielle Verluste und existenzielle Rückschläge nach katastrophalen Hochwassern und Eisgang kehren immer wieder. Das wohl größte Unglück ereignete sich im Februar 1784 nach plötzlich einsetzendem Tauwetter: Die Hälfte des Viehbestandes ertrank und 35 von 40 Häusern wurden zerstört.

Eine Folge davon war die Umstellung von Lehm- auf Steinbauweise. Ein besserer Hochwasserschutz ließ sich erst im 19. Jh. realisieren. Aber auch noch 1955 und 1970 wurde der Ort durch starkes Hochwasser bedroht.

1825 lebten in Frei-Weinheim 363 Menschen in nur 49 Anwesen, d.h. 7,4 Personen pro Häuschen. Letzte Zeugen dieses harten und einfachen Daseins blieben die kleinen Wohnhäuser in der Schubertstraße Nr. 5, Nr. 7 und Nr. 8. Mit ihren hochgezogenen Satteldächern und dem schlicht verputzten Fachwerk oberhalb eines massiven, niederen Erdgeschosses weisen sie noch gut die einst für den Ort typischen Gebäudeformen auf.

Schubertstraße 5 und 7
Schubertstraße 8
Ein anderes, schön restauriertes Haus, auch von ca. 1800, im weiteren Verlauf der Schubertstraße

 

Auf einer Extratafel hat die Initiative Frei-Weinheim (s.u.) Daten zu diesem nun restaurierten Haus zusammengestellt:

1850: Bau des Hauses durch Jacob Duch Aus regionalen Baustoffen entsteht ein kleines Haus mit einem zentralen Wohnraum, einer Flurküche, einem kleinen Schlafraum dahinter und Zugang vom Wohnraum aus.

1900: Umbau und Erweiterung durch den Käufer Philipp Zerban Das Haus bekommt nach Westen einen scheunenartigen Anbau. Das Dach wird angehoben und neu gedeckt, die Außenfassade verputzt und farblich neu gefasst. Das Haus erhält im oberen Stockwerk eine Schlafstube mit Gaube.

1950: Modernisierung und Erweiterung der Küche durch Otto Zerban Die historische Haustür wird entfernt. Fassade und Sandsteingewände werden mit Zementputz überzogen. Die Verbindungstür vom Wohnraum zur Schlafkammer wird verschlossen und die Wand der Schlafkammer zum Flur versetzt. Dadurch entsteht aus der ehemaligen Schlafkammer die heute noch vorhandene Küche.

1990: Elisabeth Zerban verlässt als letzte Bewohnerin das Fischerhaus Die Stadt Ingelheim am Rhein wird neue Eigentümerin.

2011-2016: Restaurierung - Stadt Ingelheim und Initiative Frei-Weinheim

2010 soll das Fischerhaus abgerissen werden. Frei-Weinheimer Bürger und die Initiative Frei-Weinheim (IFW) setzen sich für den Erhalt ein. Unter der Leitung des Restaurators Hans-Peter Kersting und mit dem ehrenamtlichen Engagement der IFW und örtlichen Handwerkern werden die Giebelwand und der Dachstuhl gesichert, die ursprüngliche Erscheinung von Decken, Wänden und Böden sichtbar gemacht. Farblich werden die Räume nach dokumentierten Befunden neu gestaltetet. In einem weiteren Schritt erfolgt der Bau des Nebengebäudes mit einer modernen Heizung für das Haus und einer Toilette. Die gesamten elektrischen Leitungen werden modernisiert. Hof und Durchgang werden gepflastert. Das Fischerhaus wird in allen Räumen möglichst stilgerecht durch die IFW eingerichtet.

1. September 2016: Offizielle Einweihung des Fischerhauses

Siehe: www.initiative-frei-weinheim.de

 

Gs, erstmals 14.03.06; Stand: 28.10.20