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15. Rinderbach mit St. Jodokus-Spital


Fotos: Hartmut Geißler/Hist. Verein


Jahrhunderte lang verlief die Hauptstraße durch Ober-Ingelheim über die Stiegelgasse, den Markt und die Rinderbach (-Straße). Das Rinderbachtor öffnete der Weg nach Nieder-Ingelheim, genau auf den Turm der Remigiuskirche zielend. Dieser Weg wurde 1829-1832 von der hessischen Regierung zur einer Landesstraße ausgebaut, zur "Grundstraße" (= "Straße durch den Ingelheimer Grund"). Sie durchzog Ober-Ingelheim über den Neuweg, den Marktplatz und durch "die Rinderbach".

Außerhalb des Tores mündete sie auf einen kleinen Platz, der auch als Festplatz genutzt wurde und früher Schillerplatz hieß. Heute dient er weitgehend als Autoparkplatz.

Die Bezeichnung "die Rinderbach" (Bäche sind in Rheinhessen oft weiblich, wie z.B. früher auch "die Gonsbach"), ein Gewässername, den es in Deutschland mehrfach gibt, rührt möglicherweise von einem Bach her, an dem Rinder grasten und tranken, vielleicht jedoch auch von der Rundung der Ringgasse (im Mittelalter Ruthardsgasse), an der er in einem Entwässerungsgraben (oder im Frühmittelalter als Hindernisgraben vor einer Palisadenbefestigung?) um den Hersfelder Besitz herum floss (= "runder Bach"? Siehe MGH, D H III 275). Er ist heute angeblich nicht mehr vorhanden, auch nicht unterirdisch verrohrt. Jedenfalls konnte er bei verschiedenen Suchgrabungen im Zuge von Baumaßnahmen nicht gefunden werden. Der Boden an der Rinderbachstraße weist aber einen hohen Grundwasserstand auf.

Rinderbachtor und Wehrmauerreste am Flutgraben nach einer Zeichnung von Reinermann 1814, romantisch, aber in starkem Verfall. Deswegen wurde es 1818 abgerissen.

 

 

Anstelle des alten Tores in der Wehrmauer trat im 19. Jh. ein Wohnhaus, das über die Straße gebaut wurde. Auch dieses Wohnhaus wurde 1973 abgerissen.

Links: Rinderbach-Torhaus, schon sehr baufällig, auf einem Foto aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (Hist. Verein, BIG 38, S. 81)

Nur ein kleiner Mauerrest neben der früheren Apotheke stammt noch vom alten Tor.

 

 

In der Rinderbachstraße zweigt (in Richtung Nieder-Ingelheim) rechts nach der Einmündung der Ringgasse eine kleine Sackgasse ab, die früher Spitalgässchen hieß, aber heute der Rinderbachstraße angeschlossen ist.

 

 

 

 

In diesem kurzen Gässchen findet sich noch ein Rest der Kapelle des mittelalterlichen Justus- oder Jodokusspitals, wahrscheinlich seit dem 12./13. Jh., der in das Wohnhaus links integriert ist. Auch dieses Spital lag also, wie damals üblich, an der Durchgangsstraße neben einem Bach, um die Abfälle entsorgen zu können.

Die Kapelle selbst stammt wahrscheinlich aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert.

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Gs, erstmals: 13.03.06; Stand: 05.03.17