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11. Kloster Engelthal und Ohrenbrücker Tor


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
und Hist. Verein


Am unteren Ende der Edelgasse lag das alte Nonnenkloster Engelthal, heute ein Weingut mit Vinothek und Tagungsräumen (Edelgasse 15). Es war ein Zisterzienserinnen-Kloster, gestiftet Anfang des 13. Jhs. zur Versorgung unverheirateter Adelsfrauen. Es bezog dafür die Einkünfte aus vielen verschiedenen Höfen, u. a. auch von Sporkenheim (Krämer ausführlich S. 37-42). Die erste bisher nachweisbare Schenkung an das Kloster machte im Jahr 1290 der Sohn des Ritters Konrad von Lörzweiler, bestehend aus Anteilen an Äckern und einem Weinberg in Lörzweiler "pro salute anime", d.h. "für sein Seelenheil" (Baur, Urkunden II, S. 435/6).

Nach der radikalen Pfälzer Reformation wurde 1573 auch dieses Kloster aufgehoben, d.h. verstaatlicht, denn seine Einkünfte, die weiter gezahlt werden mussten, fielen nun an Kurpfalz; die Pfälzer Regierung vergab sie als Lehen weiter an den kurpfälzischen Oberamtmann Dietrich Freitag, † 9.12.1598, dessen Grabmal in der Burgkirche noch erhalten ist.

Von den Klostergebäuden ist nur noch der westliche Flügel mit einem Fachwerkoberstock erhalten, in dem Zellen der Nonnen untergebracht waren. Zwischen dem Konventsgebäude und dem Ohrenbrücker Tor existierte die „Herrenmühle“, vom Kloster verpachtet, die bis 1904 als "Klostermühle" (s.u.) in Betrieb war und 1908 wegen des Straßenneubaus abgebrochen wurde. Die "Ohrenbrücke" hieß schon im Haderbuch Ober-Ingelheim, 1481, fol. 194v, so: "Ahrenbrucken" oder "Orenbrucken").

Wahrscheinlich der Zellentrakt der Nonnen

 

Zu einer kurzen Zusammenstellung von Personen und Besitzungen des Klosters von Andreas Saalwächter (in pdf zu laden)

 

Zur Mühle:

Aus: Busch, Hans: Ingelheimer Mühlen von 1880 bis 1980. Historischer Verein, Ingelheim 1982 (= BIG 33); auch in abgescannter Form gegen eine Schutzgebühr erhältlich


"DIE FRÜHERE KLOSTERMÜHLE ODER ENGELTHALER MÜHLE

Zu den ältesten Mühlen im Ingelheimer Grund gehörte die am Ende der Edelgasse und an der Selz gelegene „Klostermühle“ , die zu dem Kloster Engelthal gehörte und deshalb auch so genannt wurde. Gerade diese Mühle, von der heute als Mühle nichts mehr zu erkennen ist, erscheint unter verschiedenen Namen: Neben Klostermühle auch Engelthals-Mühle, Herrenmühle und zuletzt Wolffsche-Mühle und Ohrenbrücker-Mühle genannt.

Aus Prof. Rauch: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bingen“, Seite 531: „Die Klostermühle dem Kloster (Engelthal) benachbart und diesem gehörig. Sie wird 1403 mit dem Müller von Quwirnsheim erwähnt. 1665 war der Erbbeständer ein Mann namens Freitag, 1671 wurde es Johann Heger von Heidesheim. 1738 kam Johann Georg Wolff in Besitz der Güter, die 1850 noch im Besitz derselben Familie waren. 1908 wurde ein Teil des Klostergebäudes mit der benachbarten Mühle abgebrochen.“ (Anmerkung [Busch]: nicht 1738 sondern 1745 wurde der Kaufvertrag geschrieben) ...

 Phil. Krämer berichtet...: 1573 wurde Kloster Engelthal durch die Landeshoheit der Kurpfalz aufgehoben. Das Gut bestand zuletzt noch aus 94 Morgen Äcker, 51/2 Morgen Wiesen und der sogenannten „Herrenmühle“, die zwischen dem Conventsgebäude und den Tortürmen (Ohrenbrücker Tor) lag. Die Nonnen hatten die Mühle stets verpachtet. 1870 war die Mühle noch in Besitz der Wolffschen Nachkommen. Im 18. Jahrhundert arbeitete die Mühle mit 4 Mahlgängen und einem Ölgang. 1904 war die Mühle noch in Betrieb, wurde aber dann abgebrochen. Der letzte Müller war Robert von Gilsa, der noch eine Senfmühle einrichtete.“ (Soweit Phil. Krämer)

Nach Auskunft von Herrn Freund soll es zuletzt auch eine Lohmühle gewesen sein.

Ab 1938 wird Julius Weitzel Besitzer des Anwesens. Er betreibt Landwirtschaft, Obst- und Weinbau und hatte 1978 noch einige Milchkühe im Stall - als einziger Landwirt in Ober-Ingelheim, bis Ende 1978 die Milchwirtschaft auch eingestellt wurde. Es war keine Milchsammelstelle mehr vorhanden. Julius Weitzels Sohn, Wolfgang, wird heute noch von seinen Kameraden mit dem Namen "Mühler" (nicht Müller) gerufen. Seit 1978 ist Wolfgang Weitzel Inhaber des Betriebes. So ist also im letzten Jahrhundert aus dem ehemaligen Kloster Engelthal und der dazugehörigen Klostermühle ein landwirtschaftlicher Betrieb geworden mit Obst- und Weinbau. Das Wohnhaus ist renoviert und steht heute als schönes Fachwerkhaus am Ende der Edelgasse. Der fränkische Innenhof ist ebenfalls in seiner alten Form belassen worden, und die Stallungen haben ein Kreuzgewölbe."

Soweit die Zitate aus Busch.

Mittlerweile ist der Hof in den Besitz der Nachbarfamilie Wasem übergegangen (Gs).

Unten: der Zustand des Tores und der früheren Mühle daneben im Jahre 1903, bevor durch Straßenbauarbeiten die Mühle abgerissen wurde, weil die Autostraße nicht durch das Tor, sondern neben ihm vorbei geführt werden sollte (Foto: Hist. Verein).

 

Nach dem Abschluss der Restaurierungsarbeiten im Jahre 2011 bietet sich das Ohrenbrücker Tor mit einer neu gestalteten Grünanlage so dar (siehe unten); man kann im Vergleich leicht erkennen, dass die mehrfachen Restaurierungsarbeiten der letzten 100 Jahre einige Bausubstanz ergänzt haben, die 1903 schon nicht mehr vorhanden war. Zur Erinnerung an die Klostermühle wurde ein Mühlrad vor dem Tor deponiert. Aus dem verfallenen Verkehrshindernis von 1903 ist ein hübsches Stück Idylle geworden, das auch den Endpunkt eines Spazierganges durch den neu geschaffenen Park am Ochsenborn bildet.

 

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Gs, erstmals: 10.03.06; Stand: 31.03.15