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Paläolithikum |
Es ist sicher, dass während des Mittel-Paläolithikums und auch
im Jung-Paläolithi- kum (ca. 60 000 - 10 000) sowohl die
weitläufigen, sanft geneigten Hanglagen des unteren Selztales,
als auch die Höhen des Mainzer und Westerberges von Menschen als
Jägern und Sammlern durchstreift wurden. Das eigentliche Tal der
Selz war wohl weitgehend versumpft und damit ergiebiger Grund für
die Jagd auf Wasservögel. Als Fischgewässer mag die Selz auch
damals schon gedient haben.
Die reichen altsteinzeitlichen Funde von Wallertheim bei Alzey und
vom Linsenberg bei Mainz, sowie von Pfeddersheim bei Worms legen
solchen Sachverhalt nahe. Die dortigen Befunde weisen auf feste
Jagdstationen hin, die zumindest während der späteiszeitlichen
Sommer regelmäßig besetzt gewesen sein dürften.
Prähistorisch orientierte Flurbegehungen im Bereich der
Ingelheimer Gemarkung hatten als Lesefunde in Gestalt von
bearbeiteten Flintabschlägen in jüngster Zeit einige im Hinblick
vor allem auf das Paläolithikum sehr aufschlussreiche, im
Hinblick auf das Mesolithikum verdächtige Stücke erbracht.
Bisher fehlen aber so klare und repräsentative Funde aus diesen
frühen Epochen im Ingelheimer Raum, als dass auf ein Standlager
eiszeitlicher Jägerklans geschlossen werden könnte, wiewohl
solche von den geologischen, klimatischen und landschaftlichen
Gegebenheiten her durchaus denkbar sind (Kurt Böhner).
Ein herausragender Fund in der Reihe der auf der Höhe vor allem
östlich der Selz geborgenen Artefakte (Klingen, Schaber, Kratzer,
Stichel, Spitzen etc.) ist ein klassischer Moustérien-Faustkeil
aus Taunusquarzit. Trotzdem ist es fraglich, ob der Nachweis einer
Freiland-Jagdstation der Eiszeit im Ingelheimer Raum je gelingt;
denn die tiefgründigen, von Löss überlagerten
Kalksandsteinschichten des nördlichen Rheinhessen setzen der
Erosion durch Wind und Wasser nur geringen Widerstand entgegen.
Außerdem wurde in dieser Gegend seit der Jungsteinzeit intensiver
Ackerbau betrieben. Ein paläolithisches Fundensemble als
Hinterlassenschaft einer frühmenschlichen Freiland- und
Jagdstation steckt also entweder tief im Löss, ist durch die
erwähnte Erosion verdriftet oder durch den Ackerbau ausgelöscht. |
Mesolithikum
etwa 9000 bis 6000 v. Chr. |
Diese Kulturepoche ist bislang im
näheren Umkreis von Ingelheim durch keinerlei Fundmaterial
belegt. |
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Etwa 5500 bis 2000 v. Chr. |
Vom Neolithikum an aber läßt sich auch
für den Ingelheimer Raum die Kontinuität menschlicher
Siedlungstätigkeit nachweisen. Vielfältige, vor allem
Keramik-Funde, aber auch Hüttenlehm weisen auf lebhafte
Siedlungstätigkeit während der Jungsteinzeit hin. Die
Ingelheimer Bodenfunde neolithischer Provenienz gehören
verschiedenen Kulturen an, die sich z. T. in eine zeitliche
Abfolge bringen lassen. Tongefäße vom linearband- und
stichkeramischen Typ südwestdeutscher Ausprägung sind allermeist
Grabbeigaben. Sie markieren den Anfang bäuerlicher und
viehhalterischer Sesshaftigkeit im Ingelheimer Raum. Als
Folgekulturen sind die Rössener und die Michelsberger Kultur
belegt, die Glockenbecherleute und die Schnurkeramiker.
Auf das Ende des 3. Jahrtausends und damit auf das Ende der
Jungsteinzeit weisen Gefäße aus Gräbern vom „Hohen
Rechen" als Grabbeigaben hin und ein großes randdekoriertes
Vorratsgefäß, das 1981 fast unversehrt aus Groß-Winternheimer
Weinbergserde geborgen wurde. Schmuckperlen, eine gestielte
Feuersteinpfeilspitze sowie geschliffene Steinbeilkörper vom
Schuhleistenkeil der Stichbandkeramik, auch eine fast unversehrte
Facettenaxt der Schnurkeramik illustrieren das Ingelheimer
Neolithikum. Die erwähnte Streitaxt der Schnurkeramik markiert
den zeitlichen Endpunkt der Jungsteinzeit. Das Fundgut reicht
nicht aus, um die Frage der neolithischen Siedlungsweise in der
Ingelheimer Gemarkung - ob in kleinen Dörfern oder in
Einzelhöfen - beantworten zu können. Sicher war auch an der Selz
des häufig zu beobachtende sog. Wanderbauerntum vorherrschend. |
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Etwa 2000 bis 1300 v. Chr. |
Adlerberg- /
Hügelgräberbronzezeit:
Eine abgegrenzte Stein-Kupferzeit läßt sich nur an ganz wenigen
Orten Mitteleuropas nachweisen - auch nicht in Ingelheim. Aus der
Flur „Oberer Keller" stammen Armspiralen und Radkopfnadeln
als Grabbeigaben. Weiterhin ist diese Kulturstufe durch
kerbschnittornamentierte Gefäße aus Frei-Weinheim dokumentiert.
Intensiver Landbau und Erosion haben die die Skelettgräber
ursprünglich deckenden und charakteristischen Hügel im
Ingelheimer Raum längst zu völliger Spurlosigkeit verschliffen.
Bedeutendstes Dokument der Hügelgräberbronzezeit ist ein
christianisierter Menhir, den Dr. Emmerling in Heft 17 der
Beiträge zur Ingelheimer Geschichte beschrieben hat. Der 1,45 m
hohe, 1,20 m breite und 0,60 m dicke Kalksteinmonolith mit einer
nachträglich eingehauenen rechteckigen Vertiefung war
ursprünglich wohl wesentlich höher. Dieses älteste Steindenkmal
Ingelheims weist zurück auf kultische Handlungen und Bräuche in
der Zeit des späten Neolithikums und diente im Mittelalter (in
Prozessionszusammenhängen?) wahrscheinlich als Bildstock. Lange
stand der Stein vor dem Uffhubtor. Unter der dort aufgebrachten
Asphaltierung ist er als Stückung oder zur Fundamentierung eines
Transformators missbräuchlich verwendet worden, da man nicht
begreifen wollte, dass es sich tatsächlich um einen Menhir
handelt, vergleichbar dem, der an der „Pariser Chaussee"
bei Wörrstadt aufrecht steht, der „Lange Stein".
2004 förderte die Schar eines Rodpfluges ebenfalls ein solches
Dokument früherer Religiosität unmittelbar beim Haxthäuser Hof
gegenüber von Wackernheim ans Tageslicht. |
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Etwa 1300 bis 800 v. Chr. |
Die Urnenfelderbronzezeit deckt sich mit
der frühen Hallstattperiode. Die Grabbräu- che
hatten sich grundlegend gewandelt. Man setzte den Leichenbrand nun
in großen Urnen bei und gab Speise und Trank in kleinen Gefäßen
mit, die entweder die eigentliche Graburne umstanden oder sich in
dieser selbst befanden. Reste solcher Bestattungen und
zugehöriges Inventar wie tönerne Spinnwirtel und Webgewichte
sind relativ häufig aus der Ingelheimer Erde zutage getreten, wie
1936 in der Gewann „Hinter Sternwirts Wiese" und bei
Tiefbauarbeiten im Werksgelände der Firma Maehler und Kaege. |
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8. bis 5. Jh. v. Chr. |
Die mittlere und Späthallstattzeit ist identisch mit
der älteren Eisenzeit. Der Übergang von der Urnenfelderzeit ist
trotz Rückkehr zur Körperbestattung fließend. Dieser
Sachverhalt weist auf tiefgreifende religiöse Veränderungen
durch Einflussnahme aus dem süddeutschen Raum hin (Metall- und
Salzhandel gegen Felle, Wolle und Bernstein). Die relativ
zahlreichen Fundstellen späthallstattzeitlicher Gräber und
Siedelungsspuren aus Ober- und Nieder-Ingelheim zeichnen den
Quellhorizont am Mainzer Berg nach. Zu den Siedelungsspuren
gehören die drei als „Napoleonshüte" bezeichneten
Mahlsteine aus Mayener Basaltlava, die aus einer Grube in der
Nieder-Ingelheimer „Stielböhl" zu Tage kamen. Die
Zusammenschau der einschlägigen Ingelheimer Funde mit den
Artefakten aus der Heidesheimer Gewann „Im Rehkamp" legen
die Vermutung nahe, dass die plötzlich aufgetauchten,
kriegerischen Urnenfelderleute der Viehzucht auf den Heidehöhen
den Vorzug vor dem Ackerbau auf den Lösshängen gaben. |
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4. bis 1. Jh. v. Chr. |
Die Latène- oder jüngere Eisenzeit ist
durch solide ausgestattete Brandgräber in allen Ingelheimer
Stadtteilen nachweisbar. Nicht nur die Erzeugnisse sauberer
Drehscheibenkeramik, die als Urnen für den Leichenbrand, als
Beigabengefäße und als häusliche Gebrauchsware Verwendung
fanden, sondern auch die Reste eines mächtigen Eisenschwertes aus
Grab 2 in der Heidesheimer Straße (Haus Graßmann) und das
Metallinventar aus den Gräbern vom „Weiler- und Rechberg"
sowie die Eisenschere aus einem solchen in Frei-Weinheim lassen
erstmals das kulturtragende Volkstum einer prähistorischen Epoche
greifbar werden. In den kleinen Latène-Gräberfeldern „Am
Sternborn" und am „Hohen Rechberg", die den Schluss
auf weilerartige Besiedelung zulassen, sind Angehörige derjenigen
Kelten bestattet, die um die Mitte des letzten vorchristlichen
Jahrhunderts zunehmend unter suebischen Druck gerieten. |
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Ende 1. Jh. v. Chr. bis Mitte 5. Jh. n. Chr. |
Römerzeit, auch frühe, mittlere und späte
Kaiserzeit genannt:
Fundumstände und -material weisen auf rege Siedelungstätigkeit
im Bereich von Ober- und Nieder-Ingelheim, aber auch
Frei-Weinheims hin. Nicht nur Flurnamen wie „Im
Ritterschloss" und „Am Pfalzmäuerchen", sondern auch
Sarkophagfunde bei der Weihehalle der freireligiösen Gemeinde
weisen auf aufgelockerte Siedelungstätigkeit in Gestalt von
villae rusticae, aber auch von villae urbanae hin, nicht nur im
Bereich der Römerstraßen, sondern auch im unteren Selztal. Grab-
und Votivsteine aus beiden Ingelheim, aber auch der
aufschlussreiche spätkaiserzeitliche, leider völlig verschollene
Münzfund, der 1901 beim Bau des Nieder-Ingelheimer Winzerkellers
angetroffen wurde, unterstreichen den skizzierten Befund.
Herausragend sind die stattlichen Gedenkfiguren eines
repräsentativen Grabmonuments von der Neumühle und der
Votivstein der 4. Aquitanerkohorte aus Ober-Ingelheim.
Die Tatsache des Weinbaus im Zusammenhang der erwähnten
Landgüter sichern die Funde nicht nur charakteristischer
Trinkgefäße, sondern auch solche van spezifischem Gerät, wie
von römischen Rebmessern. Der Zug von Römerstraßen im heutigen
Ingelheimer Stadtbereich ist archäologisch, urkundlich und
etymologisch gesichert.
Die Gesamtheit des Fundmaterials spiegelt eine voll entfaltete
provinzialrömische Kultur im Strahlungsbereich von Moguntiacum
als Standort eines Doppellegionslagers und als Provinzhauptstadt
von „Germania superior". |
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6./7. Jh. |
Fränkische Landnahme und frühmerowingerzeitliche Besiedelung:
Die Gründungen beider Ingelheim („Heim des Ingilo") und
Frei-Weinheims („Heim des Wiho", nach Franz Staab) sind
durch charakteristische, z.T. sehr ausgedehnte Reihengräberfelder
mit beachtlichem Inventar als weilerartige fränkische Minidörfer
(Siedlungskerne) gesichert. Die Standorte solcher
Frankensiedlungen geben Flurnamen wie „Rudhardgassin"
(heute Ringgasse) zu erkennen. Die Untersuchungen auf dem riesigen
Reihengräberfeld zwischen Stevenage- und Rotweinstraße machen es
sehr wahrscheinlich, dass die ersten Franken auf dem Gebiet der
heutigen Stadt Ingelheim bereits in der ersten Hälfte des 5. Jh.
als Foederaten der Römer siedelten. Dafür sprechen die
auffallend vielen Gräber mit Waffenbeigaben, so von der
Burgkirche, der Südwestecke des Ober-Ingelheimer Friedhofs und
vom ehemaligen Frei-Weinheimer Selztal-Bahnhof. Im übrigen fanden
sich außer reichem Schmuck vor allem Fibeln und Riemenbeschläge,
die üblichen graffitierten Kannen mit Kleeblatttülle und die
Knickwandbecher mit Stempelraddekor. Eine hochrangige Rarität ist
der sandsteinerne Portalsturz, der in den frühen fünfziger
Jahren als Kellertreppenwange in der Ringgasse bei Abbruch- und
Umbauarbeiten entdeckt wurde. Heute ist er im romanischen
Bogenfeld vom Schiff der Burgkirche in die ursprüngliche
Turmkapelle eingemauert. In auffälliger Kerbschnittmanier zeigt
der Sturz Kreuz und Räder als christliche und heidnische Symbole
zusammen. Mit Sicherheit ist das kostbare Stück ein Relikt eines
Kirchleins, wie es missionierende iro-schottische Wandermönche
vielleicht schon im 6., mit Sicherheit aber im 7. Jahrhundert
als Missionskapelle veranlasst und Vertreter der grundherrlichen
Ingilosippe als Eigenkirche errichtet haben dürften, und dies auf
dem ursprünglich heidnischen Reihengräberfeld. Heute ragt an
gleichem Standort als Nachfolgebau die stattliche Burgkirche mit
den Epitaphien des Ober-Ingelheimer Adels auf.
Mit den Gräberfeldern als Hinterlassenschaft der fränkischen
Landnahme unter Chlodwig I., deren Belegung weit hineinreicht in
die ungestörte, kontinuierliche Besiedelung der Merowingerzeit,
endet die Vor- und Frühgeschichte des Ingelheimer Raumes im
engeren Sinne. |
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742 |
Die Ersterwähnung von St. Remigius reicht
in die Zeit von 741/42 zurück, als diese Kirche von dem „maior
domus" Karlmann, dem älteren Bruder Pippins III., an das
bonifazische Missionsbistum Würzburg zusammen mit 25 anderen
königlichen Eigenkirchen und dem Nieder-Ingelheimer „Großen
Zehnt" vergeben wurde. Von dieser Vergabe her, die durch eine
Bestätigungsurkunde Ludwigs des Frommen überliefert ist, stammt
als Zweitpatrozinium der uralten Eigenkirche das des heiligen Kilian. |
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774 |
Durch den Aufenthalt Karls des Großen in
der merowingischen „curtis regia ad Ingilinheim" ist die
erste unbedingt gesicherte urkundliche Erwähnung Ingelheims
verursacht. Der König hatte damals von Ingelheim aus vier
Heeresabteilungen („scaras") gegen die in Nordhessen
(Fritzlar und Büraburg) eingebrochenen Sachsen in Marsch gesetzt.
Holger Grewe gelang es in den 1990er Jahren durch die Beobachtung
von Pfostenstandsspuren in der Aula Regia den ursprünglichen
Königshof archäologisch zu lokalisieren. Von 774 an begann wohl
der Um- und Ausbau der curtis zu einer Großpfalz des Reiches. |
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787 / 88 |
Der König überwinterte mit dem Hof in der
Ingelheimer Pfalz – eine absolute Einmaligkeit! Im Frühsommer
788 fand eine bedeutende Reichsversammlung statt, in deren Rahmen
es zur Anklage des Bayernherzogs Tassilo III. durch eine
frankophile bayerische Adelsfronde kam, wegen Hochverrats und „harisliz"
(=Fahnenflucht). Der Reichstag verurteilte den Herzog unter
Vorsitz Karls zum Tode. Der König begnadigte den Agilolfinger,
seinen Vetter, zu lebenslänglicher Klosterhaft. |
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Gegen Ende des 8. Jhs. |
Vergabe des Ober-Ingelheimer Weinzehnts an
die Reichsabtei Hersfeld durch Karl den Großen.
Daran erinnern das St. Wigbert-Patrozinium der Burgkirche und der
benachbarte stattliche Zehnthof. Der heilig gesprochene
Bonifatius-Schüler Lullus hatte die oberhessische Abtei 736
gegründet und als Mainzer Erzbischof (755 - 786) unter den Schutz
der Frankenkrone gestellt. Aus einem Breviarium des
Klostergründers geht hervor, dass der König das Kloster über
den Weinzehnt hinaus mit umfangreichem Besitz in Ober-Ingelheim
ausstattete. Dieses hersfeldische Klostergut wurde durch das hohe
Mittelalter zur Keimzelle der „Uffhub", der heutigen
Aufhofstraße. |
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807 |
Karl beruft eine Reichsversammlung nach
Ingelheim. Sie soll von zahlreichen Bischöfen, Grafen und Äbten
besucht worden sein. Beratungsthemen waren die wikingische
Bedrohung der Küsten- und Flussregionen des Reiches. Man plante
den Aufbau eines maritimen Küstenschutzes. Mit einiger Sicherheit
mag das „Capitulare de villis" (die Wirtschaftsordnung der
Königsgüter) vorangebracht worden sein. Vielleicht standen auch
schon Fragen der Nachfolgereglegung auf der Tagesordnung.
Jedenfalls wird damals der Ingelheimer Herrschersitz erstmals und
eindeutig „palatium" genannt. |
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812 / 840 |
Ingelheim entwickelte sich zu einer der Lieblingspfalzen
Ludwigs des Frommen, des Nachfolgers und Sohnes Karls des
Großen. Mindestens 10 Aufenthalte des Kaisers mit dem Hof und
eine rege Bautätigkeit sind nachweisbar. |
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823 |
Am 27. Juli stiftete der Ludwig der Fromme von
Ingelheim aus das Kloster Corvey an der Weser. Der
Gründerabt Wala stammte aus dem Kloster Corbie in der Normandie
und war ein Halbbruder des Kaisers. |
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826 |
Im Sommer und Herbst fanden in Gegenwart Ludwigs bedeutende
Reichsversammlungen in Ingelheim statt. Die große Zahl
fremdländischer Gesandtschaften ist bemerkenswert und wird auch
in den Reichsannalen betont. Im Sommer empfing der Kaiser den
Dänenkönig Heriold zum Taufbesuch, der vom Frankenreich Hilfe
gegen die Göttriksöhne erhoffte. So wurde Ingelheim durch den
Mönch Ansgar von Corvey (Heriolds Königskaplan) zum
Ausgangspunkt der Skandinavienmission. Die Ereignisse dieses
Jahres zeigen Frei-Weinheim mit dem „Fahr" in der
ursprünglichen Selzmündung schon damals als leistungsfähigen
Hafenort der Pfalz, wo die Wikingerflotte mit der nordischen
Gefolgschaft des Dänenkönigs ankerte. |
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831 |
Im Mai bereitete Ludwig der Fromme im Rahmen einer
allgemeinen Reichsversammlung seinem ältesten Sohn Lothar
als designiertem Nachfolger in der Kaiserwürde einen ehrenvollen
Empfang in der Ingelheimer Pfalz. |
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840 |
Am 30. Juni - Tod Ludwigs des Frommen auf einer
kleinen Rheininsel vor Ingelheim. Unmittelbar nach dem Tode
des Vaters hält Lothar I. seine erste Reichsversammlung in der
Ingelheimer Pfalz ab. Die Tatsache, dass der Leichnam Ludwigs des
Frommen zur Bestattung nach Metz überführt wurde, ist ein
Hinweis darauf, dass die Saalkirche in karolingischer Zeit noch
nicht als repräsentative Pfalzkapelle bestand. Diesen Sachverhalt
belegt der archäologische Befund der Grabungen in den 60er Jahren
sowie der Grabungen nach 1993, wiewohl die letzteren im Jahre 2004
Hinweise auf eine herrscherliche Privatkapelle unmittelbar
nördlich der heutigen Saalkirche erbrachten. |
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840 / 936 |
Der Bedeutungsschwund der Ingelheimer Pfalz
unter den späteren Karolingern ist urkundlich und archäologisch
erwiesen. |
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etwa 900 |
Bau des heute noch erhaltenen Kirchturms von
Groß-Winternheim der katholischen Pfarrkirche St. Johannes
Evangelist. Er diente auch als Wehr- und Fluchtturm und könnte
somit ein Hinwies auf die Ungarneinfälle an der Wende zum 10.
Jahrhundert sein. |
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10. Jh. |
Der Ingelheimer Herrschersitz entwickelt
sich rasch zur glanzvollen Residenz und zur Oster- und
Pfingstpfalz mit zahlreichen (mindestens 11, höchstens 17)
österlichen Festkrönungen der sächsisch-liudolfingischen Kaiser
zwischen 950 und 1040. Prominente Gefangene wie Herzog Heinrich,
Kaiser Ottos des Großen Bruder, sowie bedeutende Reichstage und
Synoden unterstreichen den erneuten Bedeutungsanstieg der
Ingelheimer Pfalz. |
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937 |
Erste urkundliche Erwähnung Groß-Winternheims
als „villa seu marca Winternheim ex fisco nostro Ingelisheim,
Nahegawe" |
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948 |
Am 7. Juni begann die Universalsynode,
auf welcher die Westgrenze des Reiches durch die Beseitigung des
Schismas von Reims befriedet wurde, ebenso wie die Nordgrenze in
Fortführung des Ansgar‘schen Missionswerkes durch die Gründung
der Bistümer Schleswig, Ribe und Aarhus als Suffragane von
Hamburg-Bremen. Ein weiterer Erfolg dieser bedeutendsten
Ingelheimer Synode war die Beseitigung wenigstens der schlimmsten
Auswüchse des in germanischen Verhältnisses wurzelnden
Eigenkirchenrechts. |
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2. Hälfte des 10. Jh. |
Als Konsequenz der österlichen Festkrönungen und Synoden Bau der Saalkirche St. Peter
(?) als
repräsentative Pfalzkapelle |
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1000 |
Erste urkundliche Erwähnung Frei-Weinheims
als „Wihoheim" |
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10. / 11. Jh. |
Die zur Personalausstattung der Pfalz gehörenden
„manen des rîchs" (= Leute des Reiches), die „liberi
homines" (= freie Königsmannen) und die „fiscalines"
(= zur Pfalz gehörenden Leute), wie sie in der Agano-Urkunde von
835 erwähnt werden, spiegeln die ständische Gliederung der
mittelalterlichen Gesellschaft in den beiden Ingelheim, in den
Dörfern im unteren Selztal sowie in Frei-Weinheim. |
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11. Jh. |
Die hohe Bedeutung der Ingelheimer Pfalz, die
das hegemoniale Gewicht der Herrscher illustrierte, vor allem in
Gestalt der österlichen Festkrönungen, blieb auch z. Z. der Salier
erhalten. |
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1030 |
Synode, Reichsversammlung und Osterfestkrönung
Konrads II.
Hochverratsprozess gegen den Schwabenherzog Ernst, den Stiefsohn
des Kaisers. |
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1043 |
Im November Vermählungsfeierlichkeiten
anlässlich der Hochzeit Heinrichs III. mit Agnes von Poitou |
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1105 |
Am 31. Dezember wurde Heinrich IV. - der
Canossakaiser - in der Aula regia von seinem Sohn, dem nachmaligen
Heinrich V., in Anwesenheit der Fürsten des Mainzer Reichstages zur
Abdankung gezwungen.
Das Ereignis verdeutlicht nicht nur die unheimliche Macht des
Kirchenbanns, sondern auch die Tatsache, dass die alte Karolingerpfalz
bereits auf den Weg ins Abseits der Geschichte geraten war.
Das Bürgertum und die Städte hatten im 11. Jh. durch die
Wirtschaftsentwicklung unaufhaltsam an politischer Bedeutung
zugelegt; Ingelheim aber hatte sich als Standort der Pfalz nicht
von einem Dorf zu einer Stadt weiter zu entwickeln vermocht. So
glaubte man wohl, in der ländlichen Pfalz eher als im „Goldenen
Mainz" die Absetzung des beim Bürgertum populären Saliers
ohne allzu großes Aufsehen durchsetzen zu können. Die Pfalz
sollte als Alterssitz des amtsenthobenen Kaisers dienen, dem aber
die Flucht aus Ingelheim gelang. |
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Seit 12. Jh. |
Herausbildung der Ober-Ingelheimer und
Groß-Winternheimer Adelsgeschlechter,
organisiert im „Ingelheimer Adelsgelübd", aus den in
diesen früheren Reichsdörfern auf Königshufen angesiedelten
Familien der „liberi homines". |
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1163 |
In der Pfalz zu Ingelheim – wohl unmittelbar
nach Ostern – Zusammentreffen der Benediktiner-Äbtissin Hildegard
von Bingen mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa (Schutzbrief
für die Abtei Ruppertsberg). Möglicherweise datiert von da an
bereits die staufische Wiederherstellung und Erweiterung der Pfalz
sowie ihr Ausbau zur schwer befestigten Reichsburg im Rahmen der
staufischen Burgenpolitik. |
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1184 |
Im Zusammenhang des Mainzer Reichsfestes war auch
in Ingelheim ein großes Turnier in Aussicht genommen
worden, wurde aber abgesagt. Möglicherweise weilte Barbarossa
damals mit Teilen der kaiserlichen Familie in Ingelheim. |
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Anfang d.
13. Jh. |
Die Gründung des Zisterzienserinnenklosters
Engelthal am Ende der Edelgasse am Ohrenbrücker Tor ging auf
eine Stiftung des Ingelheimer Adels zurück und diente der
standesgemäßen Versorgung unverheirateter Töchter der
Stifterfamilien. Das im Selztal und in Sporkenheim reich
ausgestattete Kloster – meist von 25 Nonnen besetzt – wurde
von der Abtei Eberbach im Rheingau geistlich betreut und bestand
bis 1573. |
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13. Jh. |
Mehrere Vertreter der Bolander aus der
Donnersberggegend amtieren in spätstaufischer Zeit als Administratoren
des Reichsgutes in der Pfalz und als Vögte des Fiskus Ingelheim
in den Selztaldörfern. An die Bolander Grafen in staufischen
Diensten erinnert der „Bolander" genannte Turmstumpf in der
Pfalz. Eine andere ihrer Burgen - wahrscheinlich in Ober-Ingelheim
- soll 1254 durch den Rheinischen Städtebund und wahrscheinlich
unter Ingelheimer Mitwirkung zerstört worden sein. |
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1249 |
40-tägige Belagerung der Pfalz
durch den Gegenkönig der Staufer, Wilhelm von Holland; am 28.
März muss die Reichsburg Nieder-Ingelheim übergeben werden, ihre
Befestigungen werden zerstört. |
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1250 - 1275 |
Interregnum.
Das zur Pfalz gehörende Reichsgut erregte im Zeitalter des
Faustrechts Begehrlichkeiten, daher Baubeginn der Befestigungen
in Ober-Ingelheim und Groß-Winternheim, denn die
Reichsunmittelbarkeit und die damit verbundene Privilegien der
Bewohner waren bedroht. Die Türme und Ummauerrungen wurden bis
etwa zum Ende des 15. Jh. in baulicher und fortifikatorischer
Effektivität erhalten. |
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1292 und 1298 |
Die Urkunden, die Adolf van Nassau am
25./26. September 1292 und Albrecht I. von Österreich am
1. September 1298 in Ingelheim ausgestellt haben, belegen letzte
Herrscheraufenthalte in der Ingelheimer Pfalz. |
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1337 |
„Zu Füßen der Pfalz gegen den Rhein zu" soll - nach
Rüxners Turnierbuch - ein glanzvolles Turnier des ortsansässigen und
umwohnenden Adels (aus einem weiten Raum von Braunschweig bis
Baden!), organisiert durch die rheinische Ritterschaft, stattgefunden
haben. Daran soll die „Turnierstraße" erinnern. |
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1354 |
Umwandlung der Pfalz in das Augustiner-Chorherrenstift
Karlsmünster durch den Böhmenkaiser Karl IV (eigentlich
Wenzel), vom protestantischen Pfalzgrafen und Kurfürsten
Friedrich III. 1576 säkularisiert. In der Stiftungsurkunde ist
festgelegt, dass die Chorherren „der böhmischen Sprache
mächtig" zu sein haben – „pro subjectis Boemis";
sie sollen also in der Lage sein, böhmische Aachenpilger zu
betreuen. Die Karlswallfahrt nach Aachen, für die dieses
Stift eingerichtet wurde, ist erstmals 1238 urkundlich erwähnt
und fand von 1349 bis 1776 (Verbot durch Kaiser Josef II.) alle 7
Jahre statt. Ingelheim, wo einst der „Traumpalast der
Karolinger" stand, war eine der bedeutendsten Anbetungs- und
Raststationen am Pilgerweg zum Aachener Schreine Karls des
Großen. |
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1375 |
Am 12. Februar kam es zur endgültigen Verpfändung
der beiden Ingelheim und der anderen Dörfer des
Ingelheimer „Grundes" oder „Reiches" (nicht der
Pfalz selbst) durch Karl IV. an den Kurfürsten Ruprecht (den
Älteren) von der Pfalz. Diese Pfandschaft wurde nie wieder
eingelöst und mit dem Friedensschluss nach dem 30jährigen
Krieg 1648 wurde der Ingelheimer Grund auch de jure
kurpfälzisches Territorium. |
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1388 |
Vertragsschluss der beiden Ingelheim und
Groß-Winternheims mit Mainz und Frankfurt zur Sicherung der
Angehörigen im Krieg der Städte gegen die Fürsten der
Rheinregion. Nach diesem Rheinischen Städtekrieg kam es
vor dem Ingelheimer Ortsgericht zu einem „Kriegsverbrecherprozess"
gegen Mainzer Patrizier, u. a. gegen den Vater und den Onkel
Johannes Gutenbergs. Klagepunkt war die Brandschatzung des
Zisterzienserklosters Weidas bei Alzey, das einer kurpfälzischen
Schutzvogtei unterstanden hatte. |
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14. bis 16. Jh. |
Blütezeit des Ingelheimer Oberhofes als
kaiserliche Rechtshilfe- und Berufungsinstanz, die aus dem
ursprünglich letztinstanzlichen Königsgericht über das
Pfalzgrafengericht hervorgegangen war. In Personalunion besetzten
damals Adelige und Bauern aus den beiden Ingelheim und
Groß-Winternheim die Schöffenbänke der Ortsgerichte, des
Grundgerichts und des Oberhofes oder Rittergerichts. Dessen
Wirkungsbereich deckte sich mit der bereits in karolingischer Zeit
zur Pfalz gehörenden Verwaltungsregion. Er erteilte auf Anfrage
an etwa 80 Ortsgerichte (von Bacharach bis Friedberg in
Oberhessen) nach mündlicher Verhandlung in deutscher Sprache nach
„altem deutschen Recht" Rechtsweisungen, und dies bis in
den 30jährigen Krieg hinein. |
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Ende des 14. /Anfang des
15. Jh. |
Die vom kurpfälzischen Oberamt in Oppenheim
verfügte Freigabe des Saalgeländes zur allgemeinen
Besiedelung bedeutete das tatsächliche Ende der Pfalz.
Überkommener Baubestand diente bis an die Gegenwart heran als
Steinbruch. Die stauferzeitlichen Wehrmauern mit ihren Türmen
aber blieben wegen ihrer effektiven Schutzfunktion noch lange Zeit
erhalten. |
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1404 bis 1462 |
Errichtung der Ober-Ingelheimer Burgkirche
als Nachfolgebau der noch weitgehend romanischen St.
Wigbertkirche. Sie diente als Grablege des ortsansässigen Adels
und ist Gemeindegotteshaus bis heute (evangelisch). Die Umwehrung
mit Gräben, Mauern und Türmen wurde nach wie vor instand
gehalten. |
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1462 |
Erfolglose Belagerung des Saalgebietes
im Zusammenhang der Mainzer Stiftsfehde |
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1476 |
Die Erneuerung des Krans am Frei-Weinheimer
Hafen durch Kurfürst Philipp von der Pfalz dokumentiert die
fortdauernde Bedeutung des alten Fähr- und Hafenortes an der
Selzmündung im jahrhundertelangen Machtkampf der Kurstaaten am
Mittelrhein. |
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1493 |
Weinheims Bedeutung als privilegierter Hafen-,
Kran- und Fährort wird durch das Präfix „frei"
hervorgehoben. Seit dem hier genannten Jahr lautet der amtliche
Name des Dorfes an der Selzmündung Frei-Weinheim. |
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1488 |
Am 20. Januar wurde in Nieder-Ingelheim neben der
Remigiuskirche der Humanist, Hebraist und Kosmograph Sebastian
Münster als Sohn des Spitalmeisters Andreas Münster geboren.
Am 26. Mai 1552 verstarb er als Rektor der Universität in Basel.
- Spitäler als Einrichtungen der Kranken-, Alten- und
Waisenversorgung waren die Sozialeinrichtungen des Mittelalters.
Die Ursprünge des St. Justus-Spitals in Ober-Ingelheim und des
Heilig-Geist-Spitals in Nieder-Ingelheim liegen freilich im
Dunkeln. |
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1504 |
Im Landshuter Erbfolgekrieg bewährte sich
der Saal als kurpfälzische Festung und konnte nicht eingenommen
werden. |
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16. Jh. |
Reformatorische Bemühungen
greifen in den beiden Ingelheim nur sehr zögerlich; denn
sie wurden von den Kurfürsten Ottheinrich und Friedrich III.
Kurpfalz an die Selz getragen, von derselben landesherrlichen
Macht also, der die alten „Privilegien der Reichspfandschaft"
aus den Zeiten der Reichsunmittelbarkeit ein Ärgernis waren.
Deshalb misstraute man in Ingelheim zunächst den Lehren Luthers,
Zwinglis und Calvins gemäß der Überzeugung: „Von Heidelberg
kann nichts Gutes kommen." |
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1596 |
Niederschrift der sicher älteren Frei-Weinheimer
Dorfordnung mit den Statuten der Rheinfahrgenossenschaft |
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1618 / 48 |
Der 30-jährige Krieg, der von Kurpfalz
seinen Ausgang nahm, bringt durch zahlreiche Truppendurchzüge,
Plünderungen und schwere Kontributionen eine wachsende Verarmung
und Verelendung mit sich. Weniger durch direkte Kriegseinwirkung
als durch die Pest und Hungersnöte kam es zu einer massiver
Dezimierung der Ingelheimer Bevölkerung. |
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1648 |
Der Friedensschluss von Münster und Osnabrück
hatte die Umwandlung der alten Reichspfandschaft in ein kurpfälzisches
Territorium zur Folge. Unmittelbare Auswirkung davon war das Ende
des Oberhofs. Die landesherrlichen Appellationsgerichte an den
Residenzen lösten mittelalterliche Institutionen wie das
selbständige Rittergericht zu Ingelheim ab. |
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2. Hälfte des
17. Jh. |
Die Ingelheimer wahren wiederholt und
erfolgreich ihre Privilegien aus der Zeit der
Reichsunmittelbarkeit gegen kurpfälzische Durchsetzungsversuche
des landesherrlichen Absolutismus, so z.B. 1577, als der Kurfürst
Ludwig VI. auf dem Hof des letzten Buser von Ingelheim zum
Huldigungsbesuch eingekehrt war (s. originale
Privilegien-Bestätigungsurkunde des Kurfürsten Karl Theodor von
der Pfalz vom 18.02.1747, im Besitz der Stadt).
Die schweren Auseinandersetzungen der Ober-Ingelheimer
Weinbegüterten mit den Zehntherren in langwierigen Prozessen bis
vor das Reichskammergericht erreichten an der Wende zum 18.
Jahrhundert ihren Höhepunkt. |
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1689 |
Ingelheim kam bis auf Truppendurchzüge, die
üblichen Requirierungen und Kontributionen, sowie der Zerstörung
des Krans in Frei-Weinheim im Pfälzisch-Orléans‘schen
Krieg glimpflich davon. |
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1719/21 |
Bau der katholischen St. Michaelskirche in
Ober-Ingelheim. 1963/64
wurde sie erweitert und erhielt einen Glockenturm. |
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1740 |
Vollendung der barocken St. Remigiuskirche in
Nieder-Ingelheim als
Nachfolgebau der gotischen St. Kilianskirche. Der Turm ist ein
gutes Beispiel rheinischer Romanik; er geht auf 1155 und eine
Initiative Kaiser Friedrich Barbarossas zurück. |
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1750 |
Bau der katholischen St. Michaelskirche in
Frei-Weinheim. Bereits 1762
war eine Erweiterung erforderlich. Der Glockenturm stammt aus der
Zeit um 1928. |
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1762 |
Neubau der katholischen Kirche in
Groß-Winternheim als Ersatz für einen noch romanischen,
geosteten Vorgängerbau. Die Kirche hat Johannes Evangelist zum
Patron. |
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1784 |
Eisgang und Hochwasser
zerstören Frei-Weinheim fast völlig, die Bevölkerung muss nach
Nieder- und Ober-Ingelheim fliehen, fast die Hälfte des
Großviehbestandes ist ertrunken. |
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1792 |
Französische Revolutionstruppen halten die beiden
Ingelheim besetzt. Die
Saalkirche wurde beschlagnahmt, enteignet, als Pferdestall,
Heuschober, Strohmagazin, Lazarett und Gefängnis missbraucht, das
Inventar wurde zerschlagen und verheizt. Die Burgkirche wurde zu
einem „Tempel der Göttin der Vernunft" umgewidmet. Vor
allem Frei-Weinheim hatte schwer unter Einquartierungen und
Requirierungen zu leiden. |
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1795 |
Ober-Ingelheim
war während der Belagerung der Festung Mainz kurzfristig französisches
Armeehauptquartier. |
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1802 / 14 |
Ingelheim
mit dem Selztal war wie das gesamte linke Rheinufer Bestandteil
des napoleonischen Reiches, nun im „Département du Mont
Tonnerre" (Donnersberg) und Ober-Ingelheim wurde
Kantonshauptort. |
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1806 |
Fertigstellung der Route Charlemagne,
die als Teil des napoleonischen Straßensystems von Basel bis zum
Niederrhein auch schnurgerade durch Nieder-Ingelheim verlief
(heute: Mainzer bzw. Binger Straße). Zweisprachiges Denkmal
gegenüber dem Hotel Multatuli. |
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1814 / 15 |
Die Napoleonische Ära und die Befreiungskriege
hinterließen den Ingelheimer Raum als wirtschaftliches
Entwicklungsland. In Rechtsprechung (côde civil) und Verwaltung
hatte die Franzosenzeit freilich unbestreitbare Vorteile gebracht. |
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1816 |
Die beiden Ingelheim samt Frei-Weinheim,
Sporkenheim und Groß-Winternheim kamen infolge eines
Staatsvertrages zwischen Preußen, Österreich und
Hessen-Darmstadt (30.06.) als Bestandteil der Provinz
Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen (Darmstadt). |
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1824 |
Errichtung des Ober-Ingelheimer Rathauses
im klassizistischen Stil als Nachfolgebau von mittelalterlichen
Rathäusern, die an der Abzweigung vom Burgkirchenweg in die
Ringgasse (am „Römer") standen. Im Ober-Ingelheimer
Rathaus tagte bis 1909 auch das Friedensgericht. |
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1825 |
Baubeginn eines geschlossenen Hochwasserdammsystems
vor Nieder-Ingelheim und um Frei-Weinheim sowie des Sommerdamms
vor Sporkenheim. Diese Maßnahme war wie der Bau der „Grundstraße"
(durch den Ingelheimer „Grund" von Nieder- nach
Ober-Ingelheim und weiter durch das Selztal) auch als dringend
erforderliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gedacht. |
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1848 / 49 |
Präsident Dr. Martin Mohr,
Vizepräsident des Kreisgerichtes in Mainz, hessischer
Landtagsabgeordneter und Abgeordneter in der Frankfurter
Paulskirche, wurde 1849 des Hoch- und Landesverrats angeklagt,
aber freigesprochen. Er wurde Landtagspräsident in Darmstadt,
genoss großes Ansehen vor allem in Ober-Ingelheim, worin sich die
ausgeprägte demokratische Gesinnung im damals
politisch-revolutionär gärenden Ingelheim zeigte. Auch der TuS
1848 Ober-Ingelheim sowie die Freireligiöse Gemeinde verdanken
seiner Initiative ihre Entstehung.
Aus beiden Ingelheim erfuhren die Revolutionäre in der Pfalz
lebhaften Zuzug. Einige Ingelheimer waren am Gefecht im
Schlosspark von Kirchheimbolanden beteiligt. Auf
den preußischen Kronprinzen, den späteren Kaiser Wilhelm I., der
durch Ingelheim zu den preußischen Truppen in die Pfalz reiste,
wurde in Nieder-Ingelheim ein erfolgloses Gewehrschussattentat
verübt (12.06.49). |
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1859 |
Indienststellung der Bahnlinie Mainz-Bingen
(der „Ludwigsbahn"). Schon bald zeichneten sich erste
Konturen der Bahnhofstraße ab. Im gleichen Jahr kam es nach
reichlich zehnjähriger Planungsphase zum Bau des
Nieder-Ingelheimer Rathauses im neoromanischen Stil. Damit
einher ging eine vorteilhafte Erweiterung des Marktplatzes (heute
François-Lachenal-Platz). Die heutigen Ingelheimer Stadtteile
Frei-Weinheim, Groß-Winternheim und Sporkenheim verfügten zu
keiner Zeit über Rathäuser. |
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um 1860 |
Die Ansiedelung einflußreicher
großbürgerlicher Familien (von Erlanger, de Roock, van
Kriecken, von Harder, von Mengden) brachte Nieder-Ingelheim vor
allem in wirtschaftlicher Hinsicht einen Aufschwung gegenüber
Ober-Ingelheim, der durch die bald darauf beginnende
Industrialisierung weiter verstärkt wurde. |
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1870 / 71 |
Der deutsch-französische Krieg und die
Gründung des Bismarckreiches hinterließen kaum unmittelbare
Spuren im Alltag der Ingelheimer, allerdings mittelbare; denn der
deutsche Sieg mit den Reparationszahlungen Frankreichs initiierte
die „Gründerjahre". Die patriotische Begeisterung im
Gefolge der Reichsgründung fand ihren sichtbaren Ausdruck im Bau
des Bismarckturmes auf der Waldeck (fertiggestellt 1912). |
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um 1860 |
Beginn der Industrialisierung im Ingelheimer Raum:
schon 1857 Errichtung
einer Erzwäsche am Frei-Weinheimer Hafen
1863 „Cementfabrik Nieder-Ingelheim" von Karl Krebs
1863 „Düngemittelfabrik Kahn und Hermann"
1865 „Zellstofffabrik Hoyer und Pistor"
1866 „Brauerei und Malzfabrik Löwensberg"
1888 „Schwärze- und Farbenfabrik Neumühle" von Ott und
Hennig
1899 „Chemische Fabrik Frei-Weinheim" („Bleiweiß")
von Bopp und Odernheimer
1903 „Chemische Fabrik Rhenania" (Dachpappenproduktion) von
Walter Funke
1907 „Fabrik für Spezial-Starkstrom-Installationsartikel und
Beleuchtungskörper" von
Maehler und Kaege.
Viele dieser
Gründungen hatten allerdings keine lange Lebensdauer. |
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1885 |
Am 31. Juli Gründung von „Albert Boehringer
– Chemische Fabrik Nieder-Ingelheim" (heute: C. H.
Boehringer Sohn). Das Werk hat sich von seinen bescheidenen
Anfängen als „kloan Fawrik" zum bedeutendsten
industriellen Unternehmen der Gründerzeit Ingelheims entwickelt
und besitzt heute als führendes pharmazeutisches Werk
Weltgeltung. Es ist immer noch in Familienbesitz. |
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1877 |
Bau der Frei-Weinheimer Schule. 1908, 1950
und 1955 waren Erweiterungen erforderlich, die das rasche Wachstum
des rheinufernahen Stadtteils anzeigen. 1977 wurde der Neubau der Brüder-Grimm-Schule
in Dienst gestellt und das alte Schulgebäude an der Rheinstraße
zum Bürgerhaus umgestaltet, das im Jahre 2004/5 durch einen
Neubau ersetzt wurde. |
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1880 |
Bau der Pestalozzi-Schule in Nieder-Ingelheim.
Dem ersten Bauabschnitt folgten Erweiterungs- und
Ergänzungsbauten in den Jahren 1903, 1912/13 und in den 70er
Jahren. Die Großturnhalle dient auch dem Sportbetrieb des
Turnvereins 1847 Nieder-Ingelheim. |
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1883 |
Bau der Präsident-Mohr-Schule in
Ober-Ingelheim. Hier wurden 1893 und 1958 Erweiterungen
erforderlich. |
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1887 / 88 |
Am Südrand Groß-Winternheims entstand die neue
evangelische Kirche im neoromanischen Stil, die im Volksmund Selztaldom
genannt wird. Der Neubau löste die baufällig gewordene Kirche
von 1747 ab, die man 1969 nach einer Grundrenovierung in ein
Feuerwehrgerätehaus umgewidmet hat. |
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1900 / 01 |
Gründung und Bau der Nieder-Ingelheimer
Winzergenossenschaft, deren Gebäude 1904 in Dienst genommen
wurde.
1901 Gründung des Obst- und Gartenbauvereins Ingelheim, der sich
bald in der Nieder-Ingelheimer Markthalle (1909, erweitert 1912)
eine überdachte Vermarktungsfläche schafft. Aus diesem Anfang
ging durch Fusionen der 60er Jahre einer der größten deutschen
Obst- und Gemüsemärkte hervor, die „Vereinigten
Großmärkte für Obst- und Gemüse Rheinhessen eG" (VOG)
mit Sitz in Ingelheim. |
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1904 |
Die Selztalbahn („Zuckerlottchen") der
Süddeutschen Eisenbahngesellschaft, die die Selztalgemeinden von
Partenheim ab mit der Eisenbahn in Ingelheim und dem Hafen
Frei-Weinwein verband, verschaffte auch der Ingelheimer Industrie
durch die Schienenverbindung zwischen dem neu errichteten Hafen
und dem Bahnhof Ingelheim erhebliche Standortvorteile. Deshalb
wurde diese Teilstrecke als Werksbahn Boehringer auch nach der
Stillegung der Selztalbahn 1954 weiter in Betrieb gehalten und
erst 1985 außer Dienst gestellt. |
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1909 |
Errichtung des mittlerweile mehrfach erweiterten Ingelheimer
Krankenhauses auf der Basis der van Kriecken‘schen Stiftung
(Kinderheim) und als Nachfolgeeinrichtung des Ludwigstiftes der
Familie von Harder aus dem Jahr 1857, das von Anfang an
Krankenhaus war. |
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1909 |
Beginn der Rauch‘schen Grabungen in der
Saalkirche und auf dem Gelände der ehemaligen Kaiserpfalz |
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1910 |
Vollendung der Gustav-Adolf-Kirche in
Frei-Weinheim |
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1918 bis 1923 |
An die Gefallenen des 1. Weltkrieges der
beiden Ingelheimer Ortsgemeinden erinnern Kriegerdenkmäler. Nach
dem Krieg waren französische Besatzungseinheiten in
Ingelheim stationiert. Im Zusammenhang mit dem passiven Widerstand
gegen die Ruhrbesetzung kam es auch in Ingelheim zu zahlreichen
Ausweisungen. |
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1929 |
In der Ära der Bürgermeister Muntermann
(Nieder-Ingelheim) und Bauer (Ober-Ingelheim) kam es zu
ernsthaften, aber vergeblichen Zusammenschlussbestrebungen
in den beiden Ingelheim. |
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1933 |
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Absetzung
der Ingelheimer Bürgermeister (darunter Dr. Georg Rückert,
Ober-Ingelheim) und „Gleichschaltung" der Gemeindevertretungen.
Durchdringung des gesamten öffentlichen Lebens durch die
Nationalsozialisten. |
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1935, 1938, 1942 |
Diffamierung, Ausgrenzung, Drangsalierung und Verfolgung der
Ingelheimer Juden. Zerstörung der Synagoge in Ober-Ingelheim
in der sog. „Reichskristallnacht" . 1925 lebten in beiden Ingelheim zusammen 130
Juden, zum 31.12.1939 noch 76 und zum Jahresende 1939
noch 30.
Am 20. September 1942 wurden die letzten 17 Juden
in KZs deportiert, wo die meisten von ihnen umgebracht wurden.
Ein Jude kehrte nach 1945 nach Ingelheim zurück. |
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1939 |
Zum 1. April wurde der Zusammenschluss der
beiden Ingelheim mit Frei-Weinheim und Sporkenheim und ihre
Erhebung zur Stadt „Ingelheim am Rhein" durch eine
Verfügung des Reichsstatthalters und Gauleiters Jakob Sprenger
angeordnet. Nach dem Kriege wurde unter Bürgermeister
Dr. Rückert 1947 dieser Tatbestand in demokratischer Weise durch
einen einstimmig gefassten Beschluss des ersten frei gewählten
Stadtrates bestätigt. |
|
1939 / 45 |
Am Ende des 2. Weltkrieges hatte Ingelheim
rund 600 Gefallene zu beklagen, war aber ohne größere
Schäden durch Bomben und Artilleriebeschuss noch glimpflich
davongekommen. Es konnte und musste deswegen zahlreiche
Ausgebombte und Flüchtlinge aufnehmen. |
|
1945 |
Der Volkssturmkommandant Hermann Berndes
ruft die Ingelheimer, besonders die Hitlerjugend, am 17.03. beim
Anrücken der Amerikaner zum Niederlegen der Waffen auf. Für
diese mutige Tat zur Rettung seiner Heimatstadt vor weiteren
Zerstörungen wird er allerdings
von fanatischen Nazis am 18.03. vor dem Nieder-Ingelheimer Rathaus
erhängt. Am 20.03. wird die Stadt kampflos den Amerikanern
übergeben. |
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1945 / 46 |
Am 10. Juni 1945 übernehmen französische
Besatzungstruppen Ingelheim und üben eine strenge Kontrolle
des gesamten öffentlichen Lebens aus.
Allmählicher Wiederbeginn eines demokratischen und kulturellen
Lebens. |
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1946 |
Am 15. September Wahl des ersten demokratischen
Stadtrates von Gesamt-Ingelheim. Von diesem wurde Dr. Georg
Rückert (SPD) zum Bürgermeister gewählt. |
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1946 / 47 |
Einige Professoren der neuen Mainzer Universität,
die in der zerbombten Stadt keine Wohnung fanden, zogen nach
Ingelheim. Von ihnen gingen kräftige Impulse für ein reges
kulturelles Leben im Nachkriegs-Ingelheim aus. Die bisherige „Höhere
Bürgerschule", eine Realschule, wurde zum Gymnasium
ausgebaut (ab 1951 durch Stadtratsbeschluss „Sebastian-Münster-Gymnasium"),
1947 entstand eine Volkshochschule, viele musikalischen und
Theateraufführungen fanden statt. |
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1946 / 49 |
Erstaunlich in der elementaren Not der
Nachkriegszeit: im Stadtteil Sporkenheim entstand fast
ausschließlich in Eigenleistung der Bewohner die katholische
Kirche "St. Marien". |
|
1950 / 60 |
Großer Nachholbedarf im Kanalisations- und
Straßenbau war zu bewältigen. Die Eingliederung zahlreicher Ostvertriebener
regte Gewerbe und Wohnungsbau an. Neubau-Gebiete
entstehen (Ingelheim-West und die Erweiterung Frei-Weinheims). |
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1957 |
Bau des "Fridtjof-Nansen-Hauses" für die
Volkshochschule, die sich zur Keimzelle des Ingelheimer
Weiterbildungszentrums (WBZ) entwickelte. Von 2002 bis 2004 wurden
ihre Gebäude grundsaniert, erweitert und z. T. neu errichtet. |
|
1960 / 64 |
Erweiterung der Saalkirche
auf die alten ottonischen Abmessungen durch Wiedererrichtung des
Langhauses. Vorherige Grabungen in Kirche und Kaiserpfalz brachten
die Erkenntnis, dass das Gotteshaus aus der 2. Hälfte des 10. Jhs. stammt. |
|
1960 |
Umzug des Sebastian-Münster-Gymnasiums aus
dem alten Bau der „Höheren Bürgerschule" in
Ober-Ingelheim von 1890 in einen Volksschulneubau „in der
Dörrwies". 1972 Beginn des Baues der Staatlichen Kaiserpfalz-Realschule
in unmittelbarer Nachbarschaft (Schulzentrum). Beide Schulen
mussten mehrfach erweitert werden.
1960 bekam auch die Berufsbildende Schule an der
Wilhelm-Leuschner-Straße ihr eigenes, mittlerweile auch mehrfach
erweitertes Haus. |
|
1964 |
Die Einweihung der evangelischen "Versöhnungskirche" markierte den Entstehungsbeginn des neuen
Stadtteiles Ingelheim West. Sein südlicher Schwerpunkt
bildet die Hundert-Morgen-Siedlung. Ihr folgte der Bau eines katholischen
Gemeindezentrums „St. Paulus". |
|
1966 |
Einweihung des Hallen- und Freibades
auf dem Gelände der einstigen Kahn’schen Düngemittelfabrik. In
seiner unmittelbarer Nähe entstand nach und nach das Sportzentrum
im „Blumengarten". Baubeginn der "Kurt-Schumacher-Schule", aus der die Ingelheimer Integrierte Gesamtschule hervorging, und die Ausgliederung der Grundschulstufe in den Neubau der
"Theodor-Heuss-Schule" lassen das rasche Wachstum des jungen Stadtteils Ingelheim West erkennen. |
|
1967 / 68 |
Bau des riesigen, stadtbildbeherrschenden Zentrallagers
von C. H. Boehringer Sohn, sehr zum Unwillen der Einwohner der
sich entwickelnden Hundert-Morgen-Siedlung. |
|
1970 |
Ein sog. Jahrhunderthochwasser bedrohte im
März des Jahres Frei-Weinheim. Der Sommerdamm vor Sporkenheim
brach. Der Hauptdeich konnte nur mit Mühe und dem Einsatz von
Hubschraubern gehalten werden. Der Beginn einer grundlegender Modernisierung
des Hafens, der Verbreiterung und Erhöhung der Mole wurden
dadurch aber nur kurzzeitig verzögert.
Bau der Bundesautobahn A 60 durch die Ingelheimer Gemarkung:
Ingelheim bekommt zwei Autobahnanschlüsse |
|
1972 |
Am 23. April: Eingemeindung Groß-Winternheims;
der Ort bekommt einen eigenen Ortsbeirat und Ortsvorsteher. |
|
1981 |
Weihe der katholischen "St. Pauluskirche" in
Ingelheim West am 29. November
durch Kardinal Volk. Der Stadtteil „West" ist mittlerweile
der zweitstärkste hinsichtlich der Anzahl seiner Bewohner
geworden. |
|
1982 |
In-Dienst-Stellung des neuen Rathauses (29.
Oktober); „Kunst am Bau" ist die den Ingelheimer
Partnerschaften gewidmete Bronzeskulptur auf dem neuen Marktplatz
(im Volksmund „Bohnemihlche"). |
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1983 |
Verleihung der Europafahne durch das
Europaparlament in Straßburg
in Anerkennung der Partnerschaften mit anderen Gemeinden;
Partnerschaften bestehen mit Autun (1963), Stevenage (1963), Berlin- (Friedrichshain-) Kreuzberg
(1971), Limbach-Oberfrohna (1990), San Pietro
in Cariano (1984) und Neiße (Nyssa) (2002).
Aufnahme des Schulbetriebes der Sonderschule für
Lernbehinderte im Neubau der "Albert-Schweitzer-Schule" in
Frei-Weinheim |
|
1984 |
Im Oktober wird das neue große Feuerwehrgerätehaus
am Nieder-Ingelheimer Friedhof in Dienst gestellt. Die
freiwilligen Feuerwehren von Nieder- und Ober-Ingelheim konnten
darin zusammengefasst werden (OB Anno Vey). |
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1984 / 85 |
Verbreiterung und Erhöhung der Hochwasserdämme
als Folge der Erfahrungen von 1970 |
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1984 |
Die Ingelheimer Rennruderer Michael Dürsch und Albert Hedderich kehren als Olympiasieger aus den USA zurück. |
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1990 |
Nach langer schwieriger Bauzeit wird die Konrad-Adenauer-Straße
fertig, die vom Zentrum unter der Eisenbahn hindurch in großem
Bogen um das Boehringer-Gelände zur Rheinstraße führt. An ihr
liegt ein neues Gewerbegebiet. |
|
1991 / 92 |
Nach jahrelangen Planungen und vielen Einsprüchen wird ein großes Gebiet im Osten von Nieder-Ingelheim allmählich bebaut, das Baugebiet Im Herstel"/Am Grauen Stein", das bis 2005 auf ca. 3000 Einwohner angewachsen ist. |
|
1993 |
Beginn der jüngsten archäologischen Grabungen
im Pfalzgebiet unter der Leitung von Holger Grewe MA.
Außer vielen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen sie
zu einer vertieften touristischen Erschließung und einer
historisch-informativen Umgestaltung des Pfalzareals, die 2008
noch nicht abgeschlossen ist. |
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1995 |
Der Neubau der Kreisverwaltung des
Landkreises Mainz-Bingen wird in Ingelheim seiner Bestimmung
übergeben; Ingelheim ist damit Kreisstadt. |
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2000 bzw. 2002 |
Das Weltunternehmen C. H. Boehringer Sohn baut in Ingelheim ein neues gläsernes Konzern-Verwaltungsgebäude und ein hoch aufragendes Wirkstoffproduktionsgebäude. Zusammen mit der weitläufigen Hochleistungskläranlage dominieren diese Gebäude unübersehbar das Stadtbild, zeigen aber auch das Vertrauen des Unternehmens in den Produktionsstandort Ingelheim. |
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2004 |
Nach langwierigen Um- und Erweiterungsbauten an
der ehemaligen Nieder-Ingelheimer Feuerwache kann das Museum
bei der Kaiserpfalz in einer ersten Ausbaustufe eröffnet
werden. Es dient zugleich als Besucherzentrum für den Saal mit
der Kaiserpfalz.
Im Juni wird das umgebaute und erweiterte Weiterbildungszentrum
wieder eröffnet. |
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2005 |
Ingelheim hat ca. 26 000 Einwohner.
Bei C. H. Boehringer Sohn sind weltweit 36 000 Mitarbeiter
beschäftigt.
Im April wird das neugebaute Frei-Weinheimer Bürgerhaus an der
Rheinstraße seiner Bestimmung übergeben.
Neueröffnung des Freibades im Blumengarten, nachdem das marode
Hallenbad abgerissen worden war. Im Dezember Eröffnung des neuen
Regionalbades „Rheinwelle" (Hallenbad), das auf
Gau-Algesheimer Boden in gemeinsamer Trägerschaft von Bingen und
Ingelheim errichtet wurde.
Intensive Diskussionen um den weiteren Ausbau des neuen Stadtzentrums um die untere Bahnhofstraße; Beginn des Baus einer großen Tiefgarage an der Friedrich-Ebert-Straße.
Nach der neuen L 428 im Selztal wird als zweite Entlastungsstraße für dieses Gebiet die Griesmühlenverbindung fertig gestellt und über die Hans-Fluck-Straße durch einen Kreisel an Bahnhofstraße und Gartenfeldstraße angebunden.
Eine Nord-Ost-Umfahrung Ingelheims, die die Eisenbahn überquert und einen großen Teil des Verkehrs aus der Binger Straße herausnehmen soll, ist in Planung. |
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2007 |
Ebenfalls in
Planung, aber heftig umstritten ist die
Überbauung des gesamten Geländes zwischen
Bahnhof, Kreisverwaltung und
Rückert-Straße, das
"Ergänzungszentrum", das einen
wesentlichen Beitrag zur Gestaltung von
Ingelheims neuem Stadtzentrum liefern
soll.
Ein
Bürgerbegehren, das die Erhaltung des
dadurch vom Abriss bedrohten "Hauses
der Jugend" anstrebte, scheiterte nur
knapp. Die große Mehrheit des Stadtrates
hält an dem Plan der Bebauung durch einen
Großinvestor fest; erneute Ausschreibung. |
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2008 |
Gymnasium und
Realschule erhalten eine Mensa, die dem Ganztagsschulbetrieb dienen soll.
Beschluss von Kreis- und Stadtverwaltung, am
Gänsberg neben dem neuen Haus der Jugend
eine neue "Realschule plus" zu bauen;
Beginn der Baumaßnahmen. |