Zeittafel zur Ingelheimer Geschichte
von Karl Heinz Henn

Erstmals veröffentlicht in „Ingelheim – das Reich und Europa“ (= Beiträge zur Ingelheimer Geschichte, Heft 35) hrsg. vom Historischen Verein, Ingelheim 1985.
Im Jahre 2005 unter Mitarbeit von Ernst Kähler überarbeitet und von Hartmut Geißler ständig aktualisiert.

Paläolithikum Es ist sicher, dass während des Mittel-Paläolithikums und auch im Jung-Paläolithi- kum (ca. 60 000 - 10 000) sowohl die weitläufigen, sanft geneigten Hanglagen des unteren Selztales, als auch die Höhen des Mainzer und Westerberges von Menschen als Jägern und Sammlern durchstreift wurden. Das eigentliche Tal der Selz war wohl weitgehend versumpft und damit ergiebiger Grund für die Jagd auf Wasservögel. Als Fischgewässer mag die Selz auch damals schon gedient haben.
Die reichen altsteinzeitlichen Funde von Wallertheim bei Alzey und vom Linsenberg bei Mainz, sowie von Pfeddersheim bei Worms legen solchen Sachverhalt nahe. Die dortigen Befunde weisen auf feste Jagdstationen hin, die zumindest während der späteiszeitlichen Sommer regelmäßig besetzt gewesen sein dürften.
Prähistorisch orientierte Flurbegehungen im Bereich der Ingelheimer Gemarkung hatten als Lesefunde in Gestalt von bearbeiteten Flintabschlägen in jüngster Zeit einige im Hinblick vor allem auf das Paläolithikum sehr aufschlussreiche, im Hinblick auf das Mesolithikum verdächtige Stücke erbracht. Bisher fehlen aber so klare und repräsentative Funde aus diesen frühen Epochen im Ingelheimer Raum, als dass auf ein Standlager eiszeitlicher Jägerklans geschlossen werden könnte, wiewohl solche von den geologischen, klimatischen und landschaftlichen Gegebenheiten her durchaus denkbar sind (Kurt Böhner).
Ein herausragender Fund in der Reihe der auf der Höhe vor allem östlich der Selz geborgenen Artefakte (Klingen, Schaber, Kratzer, Stichel, Spitzen etc.) ist ein klassischer Moustérien-Faustkeil aus Taunusquarzit. Trotzdem ist es fraglich, ob der Nachweis einer Freiland-Jagdstation der Eiszeit im Ingelheimer Raum je gelingt; denn die tiefgründigen, von Löss überlagerten Kalksandsteinschichten des nördlichen Rheinhessen setzen der Erosion durch Wind und Wasser nur geringen Widerstand entgegen. Außerdem wurde in dieser Gegend seit der Jungsteinzeit intensiver Ackerbau betrieben. Ein paläolithisches Fundensemble als Hinterlassenschaft einer frühmenschlichen Freiland- und Jagdstation steckt also entweder tief im Löss, ist durch die erwähnte Erosion verdriftet oder durch den Ackerbau ausgelöscht.
Mesolithikum
etwa 9000 bis 6000 v. Chr.
Diese Kulturepoche ist bislang im näheren Umkreis von Ingelheim durch keinerlei Fundmaterial belegt.
Etwa 5500 bis 2000 v. Chr. Vom Neolithikum an aber läßt sich auch für den Ingelheimer Raum die Kontinuität menschlicher Siedlungstätigkeit nachweisen. Vielfältige, vor allem Keramik-Funde, aber auch Hüttenlehm weisen auf lebhafte Siedlungstätigkeit während der Jungsteinzeit hin. Die Ingelheimer Bodenfunde neolithischer Provenienz gehören verschiedenen Kulturen an, die sich z. T. in eine zeitliche Abfolge bringen lassen. Tongefäße vom linearband- und stichkeramischen Typ südwestdeutscher Ausprägung sind allermeist Grabbeigaben. Sie markieren den Anfang bäuerlicher und viehhalterischer Sesshaftigkeit im Ingelheimer Raum. Als Folgekulturen sind die Rössener und die Michelsberger Kultur belegt, die Glockenbecherleute und die Schnurkeramiker.
Auf das Ende des 3. Jahrtausends und damit auf das Ende der Jungsteinzeit weisen Gefäße aus Gräbern vom „Hohen Rechen" als Grabbeigaben hin und ein großes randdekoriertes Vorratsgefäß, das 1981 fast unversehrt aus Groß-Winternheimer Weinbergserde geborgen wurde. Schmuckperlen, eine gestielte Feuersteinpfeilspitze sowie geschliffene Steinbeilkörper vom Schuhleistenkeil der Stichbandkeramik, auch eine fast unversehrte Facettenaxt der Schnurkeramik illustrieren das Ingelheimer Neolithikum. Die erwähnte Streitaxt der Schnurkeramik markiert den zeitlichen Endpunkt der Jungsteinzeit. Das Fundgut reicht nicht aus, um die Frage der neolithischen Siedlungsweise in der Ingelheimer Gemarkung - ob in kleinen Dörfern oder in Einzelhöfen - beantworten zu können. Sicher war auch an der Selz des häufig zu beobachtende sog. Wanderbauerntum vorherrschend.
Etwa 2000 bis 1300 v. Chr. Adlerberg- / Hügelgräberbronzezeit:
Eine abgegrenzte Stein-Kupferzeit läßt sich nur an ganz wenigen Orten Mitteleuropas nachweisen - auch nicht in Ingelheim. Aus der Flur „Oberer Keller" stammen Armspiralen und Radkopfnadeln als Grabbeigaben. Weiterhin ist diese Kulturstufe durch kerbschnittornamentierte Gefäße aus Frei-Weinheim dokumentiert. Intensiver Landbau und Erosion haben die die Skelettgräber ursprünglich deckenden und charakteristischen Hügel im Ingelheimer Raum längst zu völliger Spurlosigkeit verschliffen.
Bedeutendstes Dokument der Hügelgräberbronzezeit ist ein christianisierter Menhir, den Dr. Emmerling in Heft 17 der Beiträge zur Ingelheimer Geschichte beschrieben hat. Der 1,45 m hohe, 1,20 m breite und 0,60 m dicke Kalksteinmonolith mit einer nachträglich eingehauenen rechteckigen Vertiefung war ursprünglich wohl wesentlich höher. Dieses älteste Steindenkmal Ingelheims weist zurück auf kultische Handlungen und Bräuche in der Zeit des späten Neolithikums und diente im Mittelalter (in Prozessionszusammenhängen?) wahrscheinlich als Bildstock. Lange stand der Stein vor dem Uffhubtor. Unter der dort aufgebrachten Asphaltierung ist er als Stückung oder zur Fundamentierung eines Transformators missbräuchlich verwendet worden, da man nicht begreifen wollte, dass es sich tatsächlich um einen Menhir handelt, vergleichbar dem, der an der „Pariser Chaussee" bei Wörrstadt aufrecht steht, der „Lange Stein".
2004 förderte die Schar eines Rodpfluges ebenfalls ein solches Dokument früherer Religiosität unmittelbar beim Haxthäuser Hof gegenüber von Wackernheim ans Tageslicht.
Etwa 1300 bis 800 v. Chr. Die Urnenfelderbronzezeit deckt sich mit der frühen Hallstattperiode. Die Grabbräu- che hatten sich grundlegend gewandelt. Man setzte den Leichenbrand nun in großen Urnen bei und gab Speise und Trank in kleinen Gefäßen mit, die entweder die eigentliche Graburne umstanden oder sich in dieser selbst befanden. Reste solcher Bestattungen und zugehöriges Inventar wie tönerne Spinnwirtel und Webgewichte sind relativ häufig aus der Ingelheimer Erde zutage getreten, wie 1936 in der Gewann „Hinter Sternwirts Wiese" und bei Tiefbauarbeiten im Werksgelände der Firma Maehler und Kaege.
8. bis 5. Jh. v. Chr. Die mittlere und Späthallstattzeit ist identisch mit der älteren Eisenzeit. Der Übergang von der Urnenfelderzeit ist trotz Rückkehr zur Körperbestattung fließend. Dieser Sachverhalt weist auf tiefgreifende religiöse Veränderungen durch Einflussnahme aus dem süddeutschen Raum hin (Metall- und Salzhandel gegen Felle, Wolle und Bernstein). Die relativ zahlreichen Fundstellen späthallstattzeitlicher Gräber und Siedelungsspuren aus Ober- und Nieder-Ingelheim zeichnen den Quellhorizont am Mainzer Berg nach. Zu den Siedelungsspuren gehören die drei als „Napoleonshüte" bezeichneten Mahlsteine aus Mayener Basaltlava, die aus einer Grube in der Nieder-Ingelheimer „Stielböhl" zu Tage kamen. Die Zusammenschau der einschlägigen Ingelheimer Funde mit den Artefakten aus der Heidesheimer Gewann „Im Rehkamp" legen die Vermutung nahe, dass die plötzlich aufgetauchten, kriegerischen Urnenfelderleute der Viehzucht auf den Heidehöhen den Vorzug vor dem Ackerbau auf den Lösshängen gaben.
4. bis 1. Jh. v. Chr. Die Latène- oder jüngere Eisenzeit ist durch solide ausgestattete Brandgräber in allen Ingelheimer Stadtteilen nachweisbar. Nicht nur die Erzeugnisse sauberer Drehscheibenkeramik, die als Urnen für den Leichenbrand, als Beigabengefäße und als häusliche Gebrauchsware Verwendung fanden, sondern auch die Reste eines mächtigen Eisenschwertes aus Grab 2 in der Heidesheimer Straße (Haus Graßmann) und das Metallinventar aus den Gräbern vom „Weiler- und Rechberg" sowie die Eisenschere aus einem solchen in Frei-Weinheim lassen erstmals das kulturtragende Volkstum einer prähistorischen Epoche greifbar werden. In den kleinen Latène-Gräberfeldern „Am Sternborn" und am „Hohen Rechberg", die den Schluss auf weilerartige Besiedelung zulassen, sind Angehörige derjenigen Kelten bestattet, die um die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts zunehmend unter suebischen Druck gerieten.
Ende 1. Jh. v. Chr. bis Mitte 5. Jh. n. Chr. Römerzeit, auch frühe, mittlere und späte Kaiserzeit genannt:
Fundumstände und -material weisen auf rege Siedelungstätigkeit im Bereich von Ober- und Nieder-Ingelheim, aber auch Frei-Weinheims hin. Nicht nur Flurnamen wie „Im Ritterschloss" und „Am Pfalzmäuerchen", sondern auch Sarkophagfunde bei der Weihehalle der freireligiösen Gemeinde weisen auf aufgelockerte Siedelungstätigkeit in Gestalt von villae rusticae, aber auch von villae urbanae hin, nicht nur im Bereich der Römerstraßen, sondern auch im unteren Selztal. Grab- und Votivsteine aus beiden Ingelheim, aber auch der aufschlussreiche spätkaiserzeitliche, leider völlig verschollene Münzfund, der 1901 beim Bau des Nieder-Ingelheimer Winzerkellers angetroffen wurde, unterstreichen den skizzierten Befund. Herausragend sind die stattlichen Gedenkfiguren eines repräsentativen Grabmonuments von der Neumühle und der Votivstein der 4. Aquitanerkohorte aus Ober-Ingelheim.
Die Tatsache des Weinbaus im Zusammenhang der erwähnten Landgüter sichern die Funde nicht nur charakteristischer Trinkgefäße, sondern auch solche van spezifischem Gerät, wie von römischen Rebmessern. Der Zug von Römerstraßen im heutigen Ingelheimer Stadtbereich ist archäologisch, urkundlich und etymologisch gesichert.
Die Gesamtheit des Fundmaterials spiegelt eine voll entfaltete provinzialrömische Kultur im Strahlungsbereich von Moguntiacum als Standort eines Doppellegionslagers und als Provinzhauptstadt von „Germania superior".
6./7. Jh. Fränkische Landnahme und frühmerowingerzeitliche Besiedelung:
Die Gründungen beider Ingelheim („Heim des Ingilo") und Frei-Weinheims („Heim des Wiho", nach Franz Staab) sind durch charakteristische, z.T. sehr ausgedehnte Reihengräberfelder mit beachtlichem Inventar als weilerartige fränkische Minidörfer (Siedlungskerne) gesichert. Die Standorte solcher Frankensiedlungen geben Flurnamen wie „Rudhardgassin" (heute Ringgasse) zu erkennen. Die Untersuchungen auf dem riesigen Reihengräberfeld zwischen Stevenage- und Rotweinstraße machen es sehr wahrscheinlich, dass die ersten Franken auf dem Gebiet der heutigen Stadt Ingelheim bereits in der ersten Hälfte des 5. Jh. als Foederaten der Römer siedelten. Dafür sprechen die auffallend vielen Gräber mit Waffenbeigaben, so von der Burgkirche, der Südwestecke des Ober-Ingelheimer Friedhofs und vom ehemaligen Frei-Weinheimer Selztal-Bahnhof. Im übrigen fanden sich außer reichem Schmuck vor allem Fibeln und Riemenbeschläge, die üblichen graffitierten Kannen mit Kleeblatttülle und die Knickwandbecher mit Stempelraddekor. Eine hochrangige Rarität ist der sandsteinerne Portalsturz, der in den frühen fünfziger Jahren als Kellertreppenwange in der Ringgasse bei Abbruch- und Umbauarbeiten entdeckt wurde. Heute ist er im romanischen Bogenfeld vom Schiff der Burgkirche in die ursprüngliche Turmkapelle eingemauert. In auffälliger Kerbschnittmanier zeigt der Sturz Kreuz und Räder als christliche und heidnische Symbole zusammen. Mit Sicherheit ist das kostbare Stück ein Relikt eines Kirchleins, wie es missionierende iro-schottische Wandermönche vielleicht schon im 6., mit Sicherheit aber im 7. Jahrhundert als Missionskapelle veranlasst und Vertreter der grundherrlichen Ingilosippe als Eigenkirche errichtet haben dürften, und dies auf dem ursprünglich heidnischen Reihengräberfeld. Heute ragt an gleichem Standort als Nachfolgebau die stattliche Burgkirche mit den Epitaphien des Ober-Ingelheimer Adels auf.
Mit den Gräberfeldern als Hinterlassenschaft der fränkischen Landnahme unter Chlodwig I., deren Belegung weit hineinreicht in die ungestörte, kontinuierliche Besiedelung der Merowingerzeit, endet die Vor- und Frühgeschichte des Ingelheimer Raumes im engeren Sinne.
742 Die Ersterwähnung von St. Remigius reicht in die Zeit von 741/42 zurück, als diese Kirche von dem „maior domus" Karlmann, dem älteren Bruder Pippins III., an das bonifazische Missionsbistum Würzburg zusammen mit 25 anderen königlichen Eigenkirchen und dem Nieder-Ingelheimer „Großen Zehnt" vergeben wurde. Von dieser Vergabe her, die durch eine Bestätigungsurkunde Ludwigs des Frommen überliefert ist, stammt als Zweitpatrozinium der uralten Eigenkirche das des heiligen Kilian.
774 Durch den Aufenthalt Karls des Großen in der merowingischen „curtis regia ad Ingilinheim" ist die erste unbedingt gesicherte urkundliche Erwähnung Ingelheims verursacht. Der König hatte damals von Ingelheim aus vier Heeresabteilungen („scaras") gegen die in Nordhessen (Fritzlar und Büraburg) eingebrochenen Sachsen in Marsch gesetzt. Holger Grewe gelang es in den 1990er Jahren durch die Beobachtung von Pfostenstandsspuren in der Aula Regia den ursprünglichen Königshof archäologisch zu lokalisieren. Von 774 an begann wohl der Um- und Ausbau der curtis zu einer Großpfalz des Reiches.
787 / 88 Der König überwinterte mit dem Hof in der Ingelheimer Pfalz – eine absolute Einmaligkeit! Im Frühsommer 788 fand eine bedeutende Reichsversammlung statt, in deren Rahmen es zur Anklage des Bayernherzogs Tassilo III. durch eine frankophile bayerische Adelsfronde kam, wegen Hochverrats und „harisliz" (=Fahnenflucht). Der Reichstag verurteilte den Herzog unter Vorsitz Karls zum Tode. Der König begnadigte den Agilolfinger, seinen Vetter, zu lebenslänglicher Klosterhaft.
Gegen Ende des 8. Jhs. Vergabe des Ober-Ingelheimer Weinzehnts an die Reichsabtei Hersfeld durch Karl den Großen. Daran erinnern das St. Wigbert-Patrozinium der Burgkirche und der benachbarte stattliche Zehnthof. Der heilig gesprochene Bonifatius-Schüler Lullus hatte die oberhessische Abtei 736 gegründet und als Mainzer Erzbischof (755 - 786) unter den Schutz der Frankenkrone gestellt. Aus einem Breviarium des Klostergründers geht hervor, dass der König das Kloster über den Weinzehnt hinaus mit umfangreichem Besitz in Ober-Ingelheim ausstattete. Dieses hersfeldische Klostergut wurde durch das hohe Mittelalter zur Keimzelle der „Uffhub", der heutigen Aufhofstraße.
807 Karl beruft eine Reichsversammlung nach Ingelheim. Sie soll von zahlreichen Bischöfen, Grafen und Äbten besucht worden sein. Beratungsthemen waren die wikingische Bedrohung der Küsten- und Flussregionen des Reiches. Man plante den Aufbau eines maritimen Küstenschutzes. Mit einiger Sicherheit mag das „Capitulare de villis" (die Wirtschaftsordnung der Königsgüter) vorangebracht worden sein. Vielleicht standen auch schon Fragen der Nachfolgereglegung auf der Tagesordnung. Jedenfalls wird damals der Ingelheimer Herrschersitz erstmals und eindeutig „palatium" genannt.
812 / 840 Ingelheim entwickelte sich zu einer der Lieblingspfalzen Ludwigs des Frommen, des Nachfolgers und Sohnes Karls des Großen. Mindestens 10 Aufenthalte des Kaisers mit dem Hof und eine rege Bautätigkeit sind nachweisbar.
823 Am 27. Juli stiftete der Ludwig der Fromme von Ingelheim aus das Kloster Corvey an der Weser. Der Gründerabt Wala stammte aus dem Kloster Corbie in der Normandie und war ein Halbbruder des Kaisers.
826 Im Sommer und Herbst fanden in Gegenwart Ludwigs bedeutende Reichsversammlungen in Ingelheim statt. Die große Zahl fremdländischer Gesandtschaften ist bemerkenswert und wird auch in den Reichsannalen betont. Im Sommer empfing der Kaiser den Dänenkönig Heriold zum Taufbesuch, der vom Frankenreich Hilfe gegen die Göttriksöhne erhoffte. So wurde Ingelheim durch den Mönch Ansgar von Corvey (Heriolds Königskaplan) zum Ausgangspunkt der Skandinavienmission. Die Ereignisse dieses Jahres zeigen Frei-Weinheim mit dem „Fahr" in der ursprünglichen Selzmündung schon damals als leistungsfähigen Hafenort der Pfalz, wo die Wikingerflotte mit der nordischen Gefolgschaft des Dänenkönigs ankerte.
831 Im Mai bereitete Ludwig der Fromme im Rahmen einer allgemeinen Reichsversammlung seinem ältesten Sohn Lothar als designiertem Nachfolger in der Kaiserwürde einen ehrenvollen Empfang in der Ingelheimer Pfalz.
840 Am 30. Juni - Tod Ludwigs des Frommen auf einer kleinen Rheininsel vor Ingelheim. Unmittelbar nach dem Tode des Vaters hält Lothar I. seine erste Reichsversammlung in der Ingelheimer Pfalz ab. Die Tatsache, dass der Leichnam Ludwigs des Frommen zur Bestattung nach Metz überführt wurde, ist ein Hinweis darauf, dass die Saalkirche in karolingischer Zeit noch nicht als repräsentative Pfalzkapelle bestand. Diesen Sachverhalt belegt der archäologische Befund der Grabungen in den 60er Jahren sowie der Grabungen nach 1993, wiewohl die letzteren im Jahre 2004 Hinweise auf eine herrscherliche Privatkapelle unmittelbar nördlich der heutigen Saalkirche erbrachten.
840 / 936 Der Bedeutungsschwund der Ingelheimer Pfalz unter den späteren Karolingern ist urkundlich und archäologisch erwiesen.
etwa 900 Bau des heute noch erhaltenen Kirchturms von Groß-Winternheim der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Evangelist. Er diente auch als Wehr- und Fluchtturm und könnte somit ein Hinwies auf die Ungarneinfälle an der Wende zum 10. Jahrhundert sein.
10. Jh. Der Ingelheimer Herrschersitz entwickelt sich rasch zur glanzvollen Residenz und zur Oster- und Pfingstpfalz mit zahlreichen (mindestens 11, höchstens 17) österlichen Festkrönungen der sächsisch-liudolfingischen Kaiser zwischen 950 und 1040. Prominente Gefangene wie Herzog Heinrich, Kaiser Ottos des Großen Bruder, sowie bedeutende Reichstage und Synoden unterstreichen den erneuten Bedeutungsanstieg der Ingelheimer Pfalz.
937 Erste urkundliche Erwähnung Groß-Winternheims als „villa seu marca Winternheim ex fisco nostro Ingelisheim, Nahegawe"
948 Am 7. Juni begann die Universalsynode, auf welcher die Westgrenze des Reiches durch die Beseitigung des Schismas von Reims befriedet wurde, ebenso wie die Nordgrenze in Fortführung des Ansgar‘schen Missionswerkes durch die Gründung der Bistümer Schleswig, Ribe und Aarhus als Suffragane von Hamburg-Bremen. Ein weiterer Erfolg dieser bedeutendsten Ingelheimer Synode war die Beseitigung wenigstens der schlimmsten Auswüchse des in germanischen Verhältnisses wurzelnden Eigenkirchenrechts.
2. Hälfte des 10. Jh. Als Konsequenz der österlichen Festkrönungen und Synoden Bau der Saalkirche St. Peter (?) als repräsentative Pfalzkapelle
1000 Erste urkundliche Erwähnung Frei-Weinheims als „Wihoheim"
10. / 11. Jh. Die zur Personalausstattung der Pfalz gehörenden „manen des rîchs" (= Leute des Reiches), die „liberi homines" (= freie Königsmannen) und die „fiscalines" (= zur Pfalz gehörenden Leute), wie sie in der Agano-Urkunde von 835 erwähnt werden, spiegeln die ständische Gliederung der mittelalterlichen Gesellschaft in den beiden Ingelheim, in den Dörfern im unteren Selztal sowie in Frei-Weinheim.
11. Jh. Die hohe Bedeutung der Ingelheimer Pfalz, die das hegemoniale Gewicht der Herrscher illustrierte, vor allem in Gestalt der österlichen Festkrönungen, blieb auch z. Z. der Salier erhalten.
1030 Synode, Reichsversammlung und Osterfestkrönung Konrads II.
Hochverratsprozess gegen den Schwabenherzog Ernst, den Stiefsohn des Kaisers.
1043 Im November Vermählungsfeierlichkeiten anlässlich der Hochzeit Heinrichs III. mit Agnes von Poitou
1105 Am 31. Dezember wurde Heinrich IV. - der Canossakaiser - in der Aula regia von seinem Sohn, dem nachmaligen Heinrich V., in Anwesenheit der Fürsten des Mainzer Reichstages zur Abdankung gezwungen.
Das Ereignis verdeutlicht nicht nur die unheimliche Macht des Kirchenbanns, sondern auch die Tatsache, dass die alte Karolingerpfalz bereits auf den Weg ins Abseits der Geschichte geraten war. Das Bürgertum und die Städte hatten im 11. Jh. durch die Wirtschaftsentwicklung unaufhaltsam an politischer Bedeutung zugelegt; Ingelheim aber hatte sich als Standort der Pfalz nicht von einem Dorf zu einer Stadt weiter zu entwickeln vermocht. So glaubte man wohl, in der ländlichen Pfalz eher als im „Goldenen Mainz" die Absetzung des beim Bürgertum populären Saliers ohne allzu großes Aufsehen durchsetzen zu können. Die Pfalz sollte als Alterssitz des amtsenthobenen Kaisers dienen, dem aber die Flucht aus Ingelheim gelang.
Seit 12. Jh. Herausbildung der Ober-Ingelheimer und Groß-Winternheimer Adelsgeschlechter, organisiert im „Ingelheimer Adelsgelübd", aus den in diesen früheren Reichsdörfern auf Königshufen angesiedelten Familien der „liberi homines".
1163 In der Pfalz zu Ingelheim – wohl unmittelbar nach Ostern – Zusammentreffen der Benediktiner-Äbtissin Hildegard von Bingen mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa (Schutzbrief für die Abtei Ruppertsberg). Möglicherweise datiert von da an bereits die staufische Wiederherstellung und Erweiterung der Pfalz sowie ihr Ausbau zur schwer befestigten Reichsburg im Rahmen der staufischen Burgenpolitik.
1184 Im Zusammenhang des Mainzer Reichsfestes war auch in Ingelheim ein großes Turnier in Aussicht genommen worden, wurde aber abgesagt. Möglicherweise weilte Barbarossa damals mit Teilen der kaiserlichen Familie in Ingelheim.
Anfang d. 13. Jh. Die Gründung des Zisterzienserinnenklosters Engelthal am Ende der Edelgasse am Ohrenbrücker Tor ging auf eine Stiftung des Ingelheimer Adels zurück und diente der standesgemäßen Versorgung unverheirateter Töchter der Stifterfamilien. Das im Selztal und in Sporkenheim reich ausgestattete Kloster – meist von 25 Nonnen besetzt – wurde von der Abtei Eberbach im Rheingau geistlich betreut und bestand bis 1573.
13. Jh. Mehrere Vertreter der Bolander aus der Donnersberggegend amtieren in spätstaufischer Zeit als Administratoren des Reichsgutes in der Pfalz und als Vögte des Fiskus Ingelheim in den Selztaldörfern. An die Bolander Grafen in staufischen Diensten erinnert der „Bolander" genannte Turmstumpf in der Pfalz. Eine andere ihrer Burgen - wahrscheinlich in Ober-Ingelheim - soll 1254 durch den Rheinischen Städtebund und wahrscheinlich unter Ingelheimer Mitwirkung zerstört worden sein.
1249 40-tägige Belagerung der Pfalz durch den Gegenkönig der Staufer, Wilhelm von Holland; am 28. März muss die Reichsburg Nieder-Ingelheim übergeben werden, ihre Befestigungen werden zerstört.
1250 - 1275 Interregnum. Das zur Pfalz gehörende Reichsgut erregte im Zeitalter des Faustrechts Begehrlichkeiten, daher Baubeginn der Befestigungen in Ober-Ingelheim und Groß-Winternheim, denn die Reichsunmittelbarkeit und die damit verbundene Privilegien der Bewohner waren bedroht. Die Türme und Ummauerrungen wurden bis etwa zum Ende des 15. Jh. in baulicher und fortifikatorischer Effektivität erhalten.
1292 und 1298 Die Urkunden, die Adolf van Nassau am 25./26. September 1292 und Albrecht I. von Österreich am 1. September 1298 in Ingelheim ausgestellt haben, belegen letzte Herrscheraufenthalte in der Ingelheimer Pfalz.
1337 „Zu Füßen der Pfalz gegen den Rhein zu" soll - nach Rüxners Turnierbuch - ein glanzvolles Turnier des ortsansässigen und umwohnenden Adels (aus einem weiten Raum von Braunschweig bis Baden!), organisiert durch die rheinische Ritterschaft, stattgefunden haben. Daran soll die „Turnierstraße" erinnern.
1354 Umwandlung der Pfalz in das Augustiner-Chorherrenstift Karlsmünster durch den Böhmenkaiser Karl IV (eigentlich Wenzel), vom protestantischen Pfalzgrafen und Kurfürsten Friedrich III. 1576 säkularisiert. In der Stiftungsurkunde ist festgelegt, dass die Chorherren „der böhmischen Sprache mächtig" zu sein haben – „pro subjectis Boemis"; sie sollen also in der Lage sein, böhmische Aachenpilger zu betreuen. Die Karlswallfahrt nach Aachen, für die dieses Stift eingerichtet wurde, ist erstmals 1238 urkundlich erwähnt und fand von 1349 bis 1776 (Verbot durch Kaiser Josef II.) alle 7 Jahre statt. Ingelheim, wo einst der „Traumpalast der Karolinger" stand, war eine der bedeutendsten Anbetungs- und Raststationen am Pilgerweg zum Aachener Schreine Karls des Großen.
1375 Am 12. Februar kam es zur endgültigen Verpfändung der beiden Ingelheim und der anderen Dörfer des Ingelheimer „Grundes" oder „Reiches" (nicht der Pfalz selbst) durch Karl IV. an den Kurfürsten Ruprecht (den Älteren) von der Pfalz. Diese Pfandschaft wurde nie wieder eingelöst und mit dem Friedensschluss nach dem 30jährigen Krieg 1648 wurde der Ingelheimer Grund auch de jure kurpfälzisches Territorium.
1388 Vertragsschluss der beiden Ingelheim und Groß-Winternheims mit Mainz und Frankfurt zur Sicherung der Angehörigen im Krieg der Städte gegen die Fürsten der Rheinregion. Nach diesem Rheinischen Städtekrieg kam es vor dem Ingelheimer Ortsgericht zu einem „Kriegsverbrecherprozess" gegen Mainzer Patrizier, u. a. gegen den Vater und den Onkel Johannes Gutenbergs. Klagepunkt war die Brandschatzung des Zisterzienserklosters Weidas bei Alzey, das einer kurpfälzischen Schutzvogtei unterstanden hatte.
14. bis 16. Jh. Blütezeit des Ingelheimer Oberhofes als kaiserliche Rechtshilfe- und Berufungsinstanz, die aus dem ursprünglich letztinstanzlichen Königsgericht über das Pfalzgrafengericht hervorgegangen war. In Personalunion besetzten damals Adelige und Bauern aus den beiden Ingelheim und Groß-Winternheim die Schöffenbänke der Ortsgerichte, des Grundgerichts und des Oberhofes oder Rittergerichts. Dessen Wirkungsbereich deckte sich mit der bereits in karolingischer Zeit zur Pfalz gehörenden Verwaltungsregion. Er erteilte auf Anfrage an etwa 80 Ortsgerichte (von Bacharach bis Friedberg in Oberhessen) nach mündlicher Verhandlung in deutscher Sprache nach „altem deutschen Recht" Rechtsweisungen, und dies bis in den 30jährigen Krieg hinein.
Ende des 14. /Anfang des 15. Jh. Die vom kurpfälzischen Oberamt in Oppenheim verfügte Freigabe des Saalgeländes zur allgemeinen Besiedelung bedeutete das tatsächliche Ende der Pfalz. Überkommener Baubestand diente bis an die Gegenwart heran als Steinbruch. Die stauferzeitlichen Wehrmauern mit ihren Türmen aber blieben wegen ihrer effektiven Schutzfunktion noch lange Zeit erhalten.
1404 bis 1462 Errichtung der Ober-Ingelheimer Burgkirche als Nachfolgebau der noch weitgehend romanischen St. Wigbertkirche. Sie diente als Grablege des ortsansässigen Adels und ist Gemeindegotteshaus bis heute (evangelisch). Die Umwehrung mit Gräben, Mauern und Türmen wurde nach wie vor instand gehalten.
1462 Erfolglose Belagerung des Saalgebietes im Zusammenhang der Mainzer Stiftsfehde
1476 Die Erneuerung des Krans am Frei-Weinheimer Hafen durch Kurfürst Philipp von der Pfalz dokumentiert die fortdauernde Bedeutung des alten Fähr- und Hafenortes an der Selzmündung im jahrhundertelangen Machtkampf der Kurstaaten am Mittelrhein.
1493 Weinheims Bedeutung als privilegierter Hafen-, Kran- und Fährort wird durch das Präfix „frei" hervorgehoben. Seit dem hier genannten Jahr lautet der amtliche Name des Dorfes an der Selzmündung Frei-Weinheim.
1488 Am 20. Januar wurde in Nieder-Ingelheim neben der Remigiuskirche der Humanist, Hebraist und Kosmograph Sebastian Münster als Sohn des Spitalmeisters Andreas Münster geboren. Am 26. Mai 1552 verstarb er als Rektor der Universität in Basel. - Spitäler als Einrichtungen der Kranken-, Alten- und Waisenversorgung waren die Sozialeinrichtungen des Mittelalters. Die Ursprünge des St. Justus-Spitals in Ober-Ingelheim und des Heilig-Geist-Spitals in Nieder-Ingelheim liegen freilich im Dunkeln.
1504 Im Landshuter Erbfolgekrieg bewährte sich der Saal als kurpfälzische Festung und konnte nicht eingenommen werden.
16. Jh. Reformatorische Bemühungen greifen in den beiden Ingelheim nur sehr zögerlich; denn sie wurden von den Kurfürsten Ottheinrich und Friedrich III. Kurpfalz an die Selz getragen, von derselben landesherrlichen Macht also, der die alten „Privilegien der Reichspfandschaft" aus den Zeiten der Reichsunmittelbarkeit ein Ärgernis waren. Deshalb misstraute man in Ingelheim zunächst den Lehren Luthers, Zwinglis und Calvins gemäß der Überzeugung: „Von Heidelberg kann nichts Gutes kommen."
1596 Niederschrift der sicher älteren Frei-Weinheimer Dorfordnung mit den Statuten der Rheinfahrgenossenschaft
1618 / 48 Der 30-jährige Krieg, der von Kurpfalz seinen Ausgang nahm, bringt durch zahlreiche Truppendurchzüge, Plünderungen und schwere Kontributionen eine wachsende Verarmung und Verelendung mit sich. Weniger durch direkte Kriegseinwirkung als durch die Pest und Hungersnöte kam es zu einer massiver Dezimierung der Ingelheimer Bevölkerung.
1648 Der Friedensschluss von Münster und Osnabrück hatte die Umwandlung der alten Reichspfandschaft in ein kurpfälzisches Territorium zur Folge. Unmittelbare Auswirkung davon war das Ende des Oberhofs. Die landesherrlichen Appellationsgerichte an den Residenzen lösten mittelalterliche Institutionen wie das selbständige Rittergericht zu Ingelheim ab.
2. Hälfte des 17. Jh. Die Ingelheimer wahren wiederholt und erfolgreich ihre Privilegien aus der Zeit der Reichsunmittelbarkeit gegen kurpfälzische Durchsetzungsversuche des landesherrlichen Absolutismus, so z.B. 1577, als der Kurfürst Ludwig VI. auf dem Hof des letzten Buser von Ingelheim zum Huldigungsbesuch eingekehrt war (s. originale Privilegien-Bestätigungsurkunde des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz vom 18.02.1747, im Besitz der Stadt).
Die schweren Auseinandersetzungen der Ober-Ingelheimer Weinbegüterten mit den Zehntherren in langwierigen Prozessen bis vor das Reichskammergericht erreichten an der Wende zum 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt.
1689 Ingelheim kam bis auf Truppendurchzüge, die üblichen Requirierungen und Kontributionen, sowie der Zerstörung des Krans in Frei-Weinheim im Pfälzisch-Orléans‘schen Krieg glimpflich davon.
1719/21 Bau der katholischen St. Michaelskirche in Ober-Ingelheim. 1963/64 wurde sie erweitert und erhielt einen Glockenturm.
1740 Vollendung der barocken St. Remigiuskirche in Nieder-Ingelheim als Nachfolgebau der gotischen St. Kilianskirche. Der Turm ist ein gutes Beispiel rheinischer Romanik; er geht auf 1155 und eine Initiative Kaiser Friedrich Barbarossas zurück.
1750 Bau der katholischen St. Michaelskirche in Frei-Weinheim. Bereits 1762 war eine Erweiterung erforderlich. Der Glockenturm stammt aus der Zeit um 1928.
1762 Neubau der katholischen Kirche in Groß-Winternheim als Ersatz für einen noch romanischen, geosteten Vorgängerbau. Die Kirche hat Johannes Evangelist zum Patron.
1784 Eisgang und Hochwasser zerstören Frei-Weinheim fast völlig, die Bevölkerung muss nach Nieder- und Ober-Ingelheim fliehen, fast die Hälfte des Großviehbestandes ist ertrunken.
1792 Französische Revolutionstruppen halten die beiden Ingelheim besetzt. Die Saalkirche wurde beschlagnahmt, enteignet, als Pferdestall, Heuschober, Strohmagazin, Lazarett und Gefängnis missbraucht, das Inventar wurde zerschlagen und verheizt. Die Burgkirche wurde zu einem „Tempel der Göttin der Vernunft" umgewidmet. Vor allem Frei-Weinheim hatte schwer unter Einquartierungen und Requirierungen zu leiden.
1795 Ober-Ingelheim war während der Belagerung der Festung Mainz kurzfristig französisches Armeehauptquartier.
1802 / 14 Ingelheim mit dem Selztal war wie das gesamte linke Rheinufer Bestandteil des napoleonischen Reiches, nun im „Département du Mont Tonnerre" (Donnersberg) und Ober-Ingelheim wurde Kantonshauptort.
1806 Fertigstellung der Route Charlemagne, die als Teil des napoleonischen Straßensystems von Basel bis zum Niederrhein auch schnurgerade durch Nieder-Ingelheim verlief (heute: Mainzer bzw. Binger Straße). Zweisprachiges Denkmal gegenüber dem Hotel Multatuli.
1814 / 15 Die Napoleonische Ära und die Befreiungskriege hinterließen den Ingelheimer Raum als wirtschaftliches Entwicklungsland. In Rechtsprechung (côde civil) und Verwaltung hatte die Franzosenzeit freilich unbestreitbare Vorteile gebracht.
1816 Die beiden Ingelheim samt Frei-Weinheim, Sporkenheim und Groß-Winternheim kamen infolge eines Staatsvertrages zwischen Preußen, Österreich und Hessen-Darmstadt (30.06.) als Bestandteil der Provinz Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen (Darmstadt).
1824 Errichtung des Ober-Ingelheimer Rathauses im klassizistischen Stil als Nachfolgebau von mittelalterlichen Rathäusern, die an der Abzweigung vom Burgkirchenweg in die Ringgasse (am „Römer") standen. Im Ober-Ingelheimer Rathaus tagte bis 1909 auch das Friedensgericht.
1825 Baubeginn eines geschlossenen Hochwasserdammsystems vor Nieder-Ingelheim und um Frei-Weinheim sowie des Sommerdamms vor Sporkenheim. Diese Maßnahme war wie der Bau der „Grundstraße" (durch den Ingelheimer „Grund" von Nieder- nach Ober-Ingelheim und weiter durch das Selztal) auch als dringend erforderliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gedacht.
1848 / 49 Präsident Dr. Martin Mohr, Vizepräsident des Kreisgerichtes in Mainz, hessischer Landtagsabgeordneter und Abgeordneter in der Frankfurter Paulskirche, wurde 1849 des Hoch- und Landesverrats angeklagt, aber freigesprochen. Er wurde Landtagspräsident in Darmstadt, genoss großes Ansehen vor allem in Ober-Ingelheim, worin sich die ausgeprägte demokratische Gesinnung im damals politisch-revolutionär gärenden Ingelheim zeigte. Auch der TuS 1848 Ober-Ingelheim sowie die Freireligiöse Gemeinde verdanken seiner Initiative ihre Entstehung.
Aus beiden Ingelheim erfuhren die Revolutionäre in der Pfalz lebhaften Zuzug. Einige Ingelheimer waren am Gefecht im Schlosspark von Kirchheimbolanden beteiligt. Auf den preußischen Kronprinzen, den späteren Kaiser Wilhelm I., der durch Ingelheim zu den preußischen Truppen in die Pfalz reiste, wurde in Nieder-Ingelheim ein erfolgloses Gewehrschussattentat verübt (12.06.49).
1859 Indienststellung der Bahnlinie Mainz-Bingen (der „Ludwigsbahn"). Schon bald zeichneten sich erste Konturen der Bahnhofstraße ab. Im gleichen Jahr kam es nach reichlich zehnjähriger Planungsphase zum Bau des Nieder-Ingelheimer Rathauses im neoromanischen Stil. Damit einher ging eine vorteilhafte Erweiterung des Marktplatzes (heute François-Lachenal-Platz). Die heutigen Ingelheimer Stadtteile Frei-Weinheim, Groß-Winternheim und Sporkenheim verfügten zu keiner Zeit über Rathäuser.
um 1860 Die Ansiedelung einflußreicher großbürgerlicher Familien (von Erlanger, de Roock, van Kriecken, von Harder, von Mengden) brachte Nieder-Ingelheim vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht einen Aufschwung gegenüber Ober-Ingelheim, der durch die bald darauf beginnende Industrialisierung weiter verstärkt wurde.
1870 / 71 Der deutsch-französische Krieg und die Gründung des Bismarckreiches hinterließen kaum unmittelbare Spuren im Alltag der Ingelheimer, allerdings mittelbare; denn der deutsche Sieg mit den Reparationszahlungen Frankreichs initiierte die „Gründerjahre". Die patriotische Begeisterung im Gefolge der Reichsgründung fand ihren sichtbaren Ausdruck im Bau des Bismarckturmes auf der Waldeck (fertiggestellt 1912).
um 1860 Beginn der Industrialisierung im Ingelheimer Raum: schon 1857 Errichtung einer Erzwäsche am Frei-Weinheimer Hafen
1863 „Cementfabrik Nieder-Ingelheim" von Karl Krebs
1863 „Düngemittelfabrik Kahn und Hermann"
1865 „Zellstofffabrik Hoyer und Pistor"
1866 „Brauerei und Malzfabrik Löwensberg"
1888 „Schwärze- und Farbenfabrik Neumühle" von Ott und Hennig
1899 „Chemische Fabrik Frei-Weinheim" („Bleiweiß") von Bopp und Odernheimer
1903 „Chemische Fabrik Rhenania" (Dachpappenproduktion) von Walter Funke
1907 „Fabrik für Spezial-Starkstrom-Installationsartikel und Beleuchtungskörper" von
           Maehler und Kaege.
 
Viele dieser Gründungen hatten allerdings keine lange Lebensdauer.
1885 Am 31. Juli Gründung von „Albert Boehringer – Chemische Fabrik Nieder-Ingelheim" (heute: C. H. Boehringer Sohn). Das Werk hat sich von seinen bescheidenen Anfängen als „kloan Fawrik" zum bedeutendsten industriellen Unternehmen der Gründerzeit Ingelheims entwickelt und besitzt heute als führendes pharmazeutisches Werk Weltgeltung. Es ist immer noch in Familienbesitz.
1877 Bau der Frei-Weinheimer Schule. 1908, 1950 und 1955 waren Erweiterungen erforderlich, die das rasche Wachstum des rheinufernahen Stadtteils anzeigen. 1977 wurde der Neubau der Brüder-Grimm-Schule in Dienst gestellt und das alte Schulgebäude an der Rheinstraße zum Bürgerhaus umgestaltet, das im Jahre 2004/5 durch einen Neubau ersetzt wurde.
1880 Bau der Pestalozzi-Schule in Nieder-Ingelheim. Dem ersten Bauabschnitt folgten Erweiterungs- und Ergänzungsbauten in den Jahren 1903, 1912/13 und in den 70er Jahren. Die Großturnhalle dient auch dem Sportbetrieb des Turnvereins 1847 Nieder-Ingelheim.
1883 Bau der Präsident-Mohr-Schule in Ober-Ingelheim. Hier wurden 1893 und 1958 Erweiterungen erforderlich.
1887 / 88 Am Südrand Groß-Winternheims entstand die neue evangelische Kirche im neoromanischen Stil, die im Volksmund Selztaldom genannt wird. Der Neubau löste die baufällig gewordene Kirche von 1747 ab, die man 1969 nach einer Grundrenovierung in ein Feuerwehrgerätehaus umgewidmet hat.
1900 / 01 Gründung und Bau der Nieder-Ingelheimer Winzergenossenschaft, deren Gebäude 1904 in Dienst genommen wurde.
1901 Gründung des Obst- und Gartenbauvereins Ingelheim, der sich bald in der Nieder-Ingelheimer Markthalle (1909, erweitert 1912) eine überdachte Vermarktungsfläche schafft. Aus diesem Anfang ging durch Fusionen der 60er Jahre einer der größten deutschen Obst- und Gemüsemärkte hervor, die „Vereinigten Großmärkte für Obst- und Gemüse Rheinhessen eG" (VOG) mit Sitz in Ingelheim.
1904 Die Selztalbahn („Zuckerlottchen") der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft, die die Selztalgemeinden von Partenheim ab mit der Eisenbahn in Ingelheim und dem Hafen Frei-Weinwein verband, verschaffte auch der Ingelheimer Industrie durch die Schienenverbindung zwischen dem neu errichteten Hafen und dem Bahnhof Ingelheim erhebliche Standortvorteile. Deshalb wurde diese Teilstrecke als Werksbahn Boehringer auch nach der Stillegung der Selztalbahn 1954 weiter in Betrieb gehalten und erst 1985 außer Dienst gestellt.
1909 Errichtung des mittlerweile mehrfach erweiterten Ingelheimer Krankenhauses auf der Basis der van Kriecken‘schen Stiftung (Kinderheim) und als Nachfolgeeinrichtung des Ludwigstiftes der Familie von Harder aus dem Jahr 1857, das von Anfang an Krankenhaus war.
1909 Beginn der Rauch‘schen Grabungen in der Saalkirche und auf dem Gelände der ehemaligen Kaiserpfalz
1910 Vollendung der Gustav-Adolf-Kirche in Frei-Weinheim
1918 bis 1923 An die Gefallenen des 1. Weltkrieges der beiden Ingelheimer Ortsgemeinden erinnern Kriegerdenkmäler. Nach dem Krieg waren französische Besatzungseinheiten in Ingelheim stationiert. Im Zusammenhang mit dem passiven Widerstand gegen die Ruhrbesetzung kam es auch in Ingelheim zu zahlreichen Ausweisungen.
1929 In der Ära der Bürgermeister Muntermann (Nieder-Ingelheim) und Bauer (Ober-Ingelheim) kam es zu ernsthaften, aber vergeblichen Zusammenschlussbestrebungen in den beiden Ingelheim.
1933 Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Absetzung der Ingelheimer Bürgermeister (darunter Dr. Georg Rückert, Ober-Ingelheim) und „Gleichschaltung" der Gemeindevertretungen. Durchdringung des gesamten öffentlichen Lebens durch die Nationalsozialisten.
1935, 1938, 1942 Diffamierung, Ausgrenzung, Drangsalierung und Verfolgung der Ingelheimer Juden. Zerstörung der Synagoge in Ober-Ingelheim in der sog. „Reichskristallnacht" . 1925 lebten in beiden Ingelheim zusammen 130 Juden, zum 31.12.1939 noch 76 und zum Jahresende 1939 noch 30. 
Am 20. September 1942 wurden die letzten 17 Juden in KZs deportiert, wo die meisten von ihnen umgebracht wurden. Ein Jude kehrte nach 1945 nach Ingelheim zurück.
1939 Zum 1. April wurde der Zusammenschluss der beiden Ingelheim mit Frei-Weinheim und Sporkenheim und ihre Erhebung zur Stadt „Ingelheim am Rhein" durch eine Verfügung des Reichsstatthalters und Gauleiters Jakob Sprenger angeordnet. Nach dem Kriege wurde unter Bürgermeister Dr. Rückert 1947 dieser Tatbestand in demokratischer Weise durch einen einstimmig gefassten Beschluss des ersten frei gewählten Stadtrates bestätigt.
1939 / 45 Am Ende des 2. Weltkrieges hatte Ingelheim rund 600 Gefallene zu beklagen, war aber ohne größere Schäden durch Bomben und Artilleriebeschuss noch glimpflich davongekommen. Es konnte und musste deswegen zahlreiche Ausgebombte und Flüchtlinge aufnehmen.
1945 Der Volkssturmkommandant Hermann Berndes ruft die Ingelheimer, besonders die Hitlerjugend, am 17.03. beim Anrücken der Amerikaner zum Niederlegen der Waffen auf. Für diese mutige Tat zur Rettung seiner Heimatstadt vor weiteren Zerstörungen wird er allerdings von fanatischen Nazis am 18.03. vor dem Nieder-Ingelheimer Rathaus erhängt. Am 20.03. wird die Stadt kampflos den Amerikanern übergeben.
1945 / 46 Am 10. Juni 1945 übernehmen französische Besatzungstruppen Ingelheim und üben eine strenge Kontrolle des gesamten öffentlichen Lebens aus.
Allmählicher Wiederbeginn eines demokratischen und kulturellen Lebens.
1946 Am 15. September Wahl des ersten demokratischen Stadtrates von Gesamt-Ingelheim. Von diesem wurde Dr. Georg Rückert (SPD) zum Bürgermeister gewählt.
1946 / 47 Einige Professoren der neuen Mainzer Universität, die in der zerbombten Stadt keine Wohnung fanden, zogen nach Ingelheim. Von ihnen gingen kräftige Impulse für ein reges kulturelles Leben im Nachkriegs-Ingelheim aus. Die bisherige „Höhere Bürgerschule", eine Realschule, wurde zum Gymnasium ausgebaut (ab 1951 durch Stadtratsbeschluss „Sebastian-Münster-Gymnasium"), 1947 entstand eine Volkshochschule, viele musikalischen und Theateraufführungen fanden statt.
1946 / 49 Erstaunlich in der elementaren Not der Nachkriegszeit: im Stadtteil Sporkenheim entstand fast ausschließlich in Eigenleistung der Bewohner die katholische Kirche "St. Marien".
1950 / 60 Großer Nachholbedarf im Kanalisations- und Straßenbau war zu bewältigen. Die Eingliederung zahlreicher Ostvertriebener regte Gewerbe und Wohnungsbau an. Neubau-Gebiete entstehen (Ingelheim-West und die Erweiterung Frei-Weinheims).
1957 Bau des "Fridtjof-Nansen-Hauses" für die Volkshochschule, die sich zur Keimzelle des Ingelheimer Weiterbildungszentrums (WBZ) entwickelte. Von 2002 bis 2004 wurden ihre Gebäude grundsaniert, erweitert und z. T. neu errichtet.
1960 / 64 Erweiterung der Saalkirche auf die alten ottonischen Abmessungen durch Wiedererrichtung des Langhauses. Vorherige Grabungen in Kirche und Kaiserpfalz brachten die Erkenntnis, dass das Gotteshaus aus der 2. Hälfte des 10. Jhs. stammt.
1960 Umzug des Sebastian-Münster-Gymnasiums aus dem alten Bau der „Höheren Bürgerschule" in Ober-Ingelheim von 1890 in einen Volksschulneubau „in der Dörrwies". 1972 Beginn des Baues der Staatlichen Kaiserpfalz-Realschule in unmittelbarer Nachbarschaft (Schulzentrum). Beide Schulen mussten mehrfach erweitert werden.
1960 bekam auch die Berufsbildende Schule an der Wilhelm-Leuschner-Straße ihr eigenes, mittlerweile auch mehrfach erweitertes Haus.
1964 Die Einweihung der evangelischen "Versöhnungskirche" markierte den Entstehungsbeginn des neuen Stadtteiles Ingelheim West. Sein südlicher Schwerpunkt bildet die Hundert-Morgen-Siedlung. Ihr folgte der Bau eines katholischen Gemeindezentrums „St. Paulus".
1966 Einweihung des Hallen- und Freibades auf dem Gelände der einstigen Kahn’schen Düngemittelfabrik. In seiner unmittelbarer Nähe entstand nach und nach das Sportzentrum im „Blumengarten".
Baubeginn der "Kurt-Schumacher-Schule", aus der die Ingelheimer Integrierte Gesamtschule hervorging, und die Ausgliederung der Grundschulstufe in den Neubau der "Theodor-Heuss-Schule" lassen das rasche Wachstum des jungen Stadtteils Ingelheim West erkennen.
1967 / 68 Bau des riesigen, stadtbildbeherrschenden Zentrallagers von C. H. Boehringer Sohn, sehr zum Unwillen der Einwohner der sich entwickelnden Hundert-Morgen-Siedlung.
1970 Ein sog. Jahrhunderthochwasser bedrohte im März des Jahres Frei-Weinheim. Der Sommerdamm vor Sporkenheim brach. Der Hauptdeich konnte nur mit Mühe und dem Einsatz von Hubschraubern gehalten werden. Der Beginn einer grundlegender Modernisierung des Hafens, der Verbreiterung und Erhöhung der Mole wurden dadurch aber nur kurzzeitig verzögert.
Bau der Bundesautobahn A 60 durch die Ingelheimer Gemarkung: Ingelheim bekommt zwei Autobahnanschlüsse
1972 Am 23. April: Eingemeindung Groß-Winternheims; der Ort bekommt einen eigenen Ortsbeirat und Ortsvorsteher.
1981 Weihe der katholischen "St. Pauluskirche" in Ingelheim West am 29. November durch Kardinal Volk. Der Stadtteil „West" ist mittlerweile der zweitstärkste hinsichtlich der Anzahl seiner Bewohner geworden.
1982 In-Dienst-Stellung des neuen Rathauses (29. Oktober); „Kunst am Bau" ist die den Ingelheimer Partnerschaften gewidmete Bronzeskulptur auf dem neuen Marktplatz (im Volksmund „Bohnemihlche").
1983 Verleihung der Europafahne durch das Europaparlament in Straßburg in Anerkennung der Partnerschaften mit anderen Gemeinden; 
Partnerschaften bestehen mit Autun (1963), Stevenage (1963), Berlin- (Friedrichshain-) Kreuzberg (1971), Limbach-Oberfrohna (1990), San Pietro in Cariano (1984) und Neiße (Nyssa) (2002).

Aufnahme des Schulbetriebes der Sonderschule für Lernbehinderte im Neubau der "Albert-Schweitzer-Schule" in Frei-Weinheim
1984 Im Oktober wird das neue große Feuerwehrgerätehaus am Nieder-Ingelheimer Friedhof in Dienst gestellt. Die freiwilligen Feuerwehren von Nieder- und Ober-Ingelheim konnten darin zusammengefasst werden (OB Anno Vey).
1984 / 85 Verbreiterung und Erhöhung der Hochwasserdämme als Folge der Erfahrungen von 1970
1984 Die Ingelheimer Rennruderer Michael Dürsch und Albert Hedderich kehren als Olympiasieger aus den USA zurück.
1990 Nach langer schwieriger Bauzeit wird die Konrad-Adenauer-Straße fertig, die vom Zentrum unter der Eisenbahn hindurch in großem Bogen um das Boehringer-Gelände zur Rheinstraße führt. An ihr liegt ein neues Gewerbegebiet.
1991 / 92 Nach jahrelangen Planungen und vielen Einsprüchen wird ein großes Gebiet im Osten von Nieder-Ingelheim allmählich bebaut, das Baugebiet „Im Herstel"/„Am Grauen Stein", das bis 2005 auf ca. 3000 Einwohner angewachsen ist.
1993 Beginn der jüngsten archäologischen Grabungen im Pfalzgebiet unter der Leitung von Holger Grewe MA. Außer vielen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen sie zu einer vertieften touristischen Erschließung und einer historisch-informativen Umgestaltung des Pfalzareals, die 2008 noch nicht abgeschlossen ist.
1995 Der Neubau der Kreisverwaltung des Landkreises Mainz-Bingen wird in Ingelheim seiner Bestimmung übergeben; Ingelheim ist damit Kreisstadt.
2000 bzw. 2002 Das Weltunternehmen C. H. Boehringer Sohn baut in Ingelheim ein neues gläsernes Konzern-Verwaltungsgebäude und ein hoch aufragendes Wirkstoffproduktionsgebäude. Zusammen mit der weitläufigen Hochleistungskläranlage dominieren diese Gebäude unübersehbar das Stadtbild, zeigen aber auch das Vertrauen des Unternehmens in den Produktionsstandort Ingelheim.
2004 Nach langwierigen Um- und Erweiterungsbauten an der ehemaligen Nieder-Ingelheimer Feuerwache kann das Museum bei der Kaiserpfalz in einer ersten Ausbaustufe eröffnet werden. Es dient zugleich als Besucherzentrum für den Saal mit der Kaiserpfalz.
Im Juni wird das umgebaute und erweiterte Weiterbildungszentrum wieder eröffnet.
2005 Ingelheim hat ca. 26 000 Einwohner.
Bei C. H. Boehringer Sohn sind weltweit 36 000 Mitarbeiter beschäftigt.
Im April wird das neugebaute Frei-Weinheimer Bürgerhaus an der Rheinstraße seiner Bestimmung übergeben.
Neueröffnung des Freibades im Blumengarten, nachdem das marode Hallenbad abgerissen worden war. Im Dezember Eröffnung des neuen Regionalbades „Rheinwelle" (Hallenbad), das auf Gau-Algesheimer Boden in gemeinsamer Trägerschaft von Bingen und Ingelheim errichtet wurde.

Intensive Diskussionen um den weiteren Ausbau des neuen Stadtzentrums um die untere Bahnhofstraße; Beginn des Baus einer großen Tiefgarage an der Friedrich-Ebert-Straße.
Nach der neuen L 428 im Selztal wird als zweite Entlastungsstraße für dieses Gebiet die Griesmühlenverbindung fertig gestellt und über die Hans-Fluck-Straße durch einen Kreisel an Bahnhofstraße und Gartenfeldstraße angebunden.
Eine Nord-Ost-Umfahrung Ingelheims, die die Eisenbahn überquert und einen großen Teil des Verkehrs aus der Binger Straße herausnehmen soll, ist in Planung.
2007 Ebenfalls in Planung, aber heftig umstritten ist die Überbauung des gesamten Geländes zwischen Bahnhof, Kreisverwaltung und Rückert-Straße, das "Ergänzungszentrum", das einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung von Ingelheims neuem Stadtzentrum liefern soll. 
Ein Bürgerbegehren, das die Erhaltung des dadurch vom Abriss bedrohten "Hauses der Jugend" anstrebte, scheiterte nur knapp. Die große Mehrheit des Stadtrates hält an dem Plan der Bebauung durch einen Großinvestor fest; erneute Ausschreibung.
2008 Gymnasium und Realschule erhalten eine Mensa, die dem Ganztagsschulbetrieb dienen soll.
Beschluss von Kreis- und Stadtverwaltung, am Gänsberg neben dem neuen Haus der Jugend eine neue "Realschule plus" zu bauen; Beginn der Baumaßnahmen.

                          

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Gs, erstmals: 23.07.05; Stand: 16.09.09