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Ober-Ingelheim Autor: Ernst Kähler (mit Ergänzungen von Hartmut Geißler)
Die ältesten dörflichen Siedlungsspuren Ober-Ingelheims gehen zurück auf die Zeit der fränkischen Landnahme und die sich daran anschließende christliche Missionierung. Mit dem 11. Jahrhundert erlangten hier im Dienste des Nieder-Ingelheimer Herrscherpalastes stehende freie Königsmannen umfangreiche Begüterung. Deren privilegierte, bis in den Grafenstand aufgestiegene Geschlechter gaben dem geschlossenen mittelalterlichen Ortsbild seine noch heute in wesentlichen Strukturen zwischen Mainzer Berg und Selzbach nachvollziehbar prägende Gestalt. Umgeben von einer damals vergleichsweise imposanten, steinernen Befestigungsmauer mit sechs Toren und zahlreichen Vorlagetürmen, befand sich im Zentrum ein brunnenbestückter Marktplatz, auf den strahlenartig die ursprünglichen Gassen zuliefen. Kern der Verteidigungsanlage war jedoch die östlich am Hang aufragende "Burgkirche" mit doppeltem Zwinger- und Grabensystem. Die Außengestalt dieses Sakralbaues spiegelt sehr markant alle architektonischen Erweiterungen von der frühen Romanik bis zur späten Gotik wider. Ihr kostbar ausgestatteter Innenraum diente bis zur Französischen Revolution als stolze Grablege für den ritterlichen Adel. Der schützende Turm barg das Urkundenarchiv des sogenannten Oberhofes, einer überregionalen Gerichtsinstanz, deren lange erhaltene Aktenbände zusammen mit den Haderbüchern (Stichworte zu den Zivilstreitigkeiten vor den Ortsgerichten) inzwischen eine herausragende Stellung in der deutschen Rechtsforschung einnehmen. (= Text der Informationsstele an der Burgkirche, leicht überarbeitet) Der Ortsname "Ober-Ingelheim" erscheint zum ersten Mal im Jahre 1053 als "in Inglinheim superiori" unter Heinrich III. in der Abschrift einer Bestätigung einer Urkunde Karls des Großen (vor 800), in der - zusätzlich zu weiteren Schenkungen - schon früherer Besitz des Klosters bestätigt wurde, der dem Kloster möglicherweise bei seiner Gründung (769) durch den Mainzer Erzbischof Lullus übertragen worden war. Die Urkunde Karls selbst ist nicht mehr erhalten. Mit jener Schenkung verbunden war die Übertragung von 2 Hufen (ca. 60 Morgen) und 4 Mansen (Landarbeiterhöfe) in Ober-Ingelheim an das Hersfelder Kloster. Wenn diese Abschrift einer Bestätigung aus dem 11. Jahrhundert wirklich originalgetreu ist, dann hat es schon im 8. Jahrhundert zwei Ingelheim gegeben, ein so genanntes "Ober-Ingelheim" und dementsprechend auch ein "Nieder-Ingelheim".
Schon im Mittelalter wohnten in Ober-Ingelheim neben den adligen Familien und ihrem Gesinde auch viele nichtadlige Freie, "Bürger" oder lateinisch "cives" genannt. Es waren vor allem Bauern, Winzer, Handwerker und Händler. Zu einigen demographischen Daten aus der frühen Neuzeit Ober-Ingelheims! Am Ende des 19. Jahrhunderts und besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchsen aufgrund des starken Bevölkerungswachstums und der Industrialisierung Nieder-Ingelheims beide Orte durch Neubaugebiete zwischen Selz (Selztalstraße) und Mainzer Berg (Rotweinstraße) aufeinander zu, so dass sie heute "fugenlos" ineinander über gehen, ohne dass die ehemalige Gemarkungsgrenze noch zu erkennen ist.
Literatur
zur Ober-Ingelheimer Geschichte (hier klicken!)
Gs, erstmals: 08.03.06; Stand: 08.02.10 |

Themenseiten
1. Burgkirche
2. Zwingergelände, Malakoffturm,
Friedhof
3. Geismarscher Hof
4. Barocke Bürgerhäuser
(frühere Kirchgasse)
5. Marktplatz mit altem Rathaus
6. Uffhubtor (am ehem. E-Werk /
Hesselweg)
7. u. 8. Zwei Vorlagetürme und
Mauerabschnitte (Burgunder-Straße)
9. Stiegelgässer Tor / Stiegelpforte
10. Adlige Gutshöfe (Stiegelgasse /
Edelgasse)
11. Ohrenbrücker Tor und Kloster
Engelthal
12. u. 13. Mauerreste und Vorlageturm
(Unterer Zwerchweg)
14. Spitzkegelturm (an der heutigen
Bahnhofstraße)
15. Rinderbach mit St. Jodokus-Spital
16. Partie der Wehrbefestigung am
Seufzerpfad
17. Kath. Pfarrkirche St. Michael
(Neuweg) und das alte hessische Amtsgericht
18. Synagogenplatz mit Gedenkstele
Zur "Uffhub"
bzw. "Aufhofstraße"
Zu den
Wehrmauern in Ober-Ingelheim allgemein
Zur
Bahnhofstraße
Demographische Daten
Ober-Ingelheimer
Adelsnamen