Frei-Weinheim: Historischer Rundgang

Autoren: Ernst Kähler/Hartmut Geißler
Fotos: Geißler und Hist. Verein



Schon in römischer Zeit war die Stelle, wo die Selz in den Rhein mündet - ursprünglich westlich der Jungau! -, besiedelt, wie aus Grabfunden römischer Zeit deutlich wird. Mit wachsender Bedeutung der Ingelheimer Kaiserpfalz wurde auch (Frei-) Weinheim als Hafenort für die Pfalz wichtiger: Hohe Gäste kamen hier im flachen Hafen des Ufergeländes an, Waren für die Pfalz wurden hier umgeladen, Abgaben (Wein) für auswärtige Zehntherren (z. B. Hersfeld, Würzburg) wurden hier verladen. Die Weinheimer waren in Kurpfälzer Zeit zum Dienst in einer Fährgenossenschaft verpflichtet. 
Weil die Weinhandelskaufleute gewisse Freiheiten genossen, bürgerte sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts die Vorsilbe "Frei-" ein.


Auf der Informationstafel beim Frei-Weinheimer Bürgerhaus (Nr. 1) lässt sich das enorme Wachstum dieses kleinen Fischer- und Schifferörtchens an der Selzmündung in den letzten beiden Jahrhunderten erkennen. Der historische Rundgang mit seinen Stationsziffern markiert den alten Ortskern (siehe auch Karte am Ende), das rosa gefärbte Gebiet zeigt die heutige Bebauung (Stand: 2007) bis zur Einmündung der Konrad- Adenauer-Straße in die Rheinstraße (unten). 


1. Bürgerhaus (= Standort der Informationsstele)
2. Evangelische Gustav-Adolf-Kirche (Jugendstil) 
3. Letzte ortstypische Fischer- und Schifferhäuser in der Schubertstraße
4. Katholische St. Michael-Kirche (Barock) 
5. Alte Backhausstraße
6. Bebauung entlang der Dammstraße
7. Traditionsreiche Gaststätte „Zur Pfalz“ -  mit Schaurer'scher Scheune
8. Historisches Kranfundament im Schatten der Napoleonseiche
9. Ehemaliger Selztalbahnhof/Lokschuppen

Zu Zusammenfassungen von Aufsätzen Alexander Burgers über die Geschichte des Frei-Weinheimer Krans
über die Fahrgemeinschaft und ihre Tätigkeiten 
sowie zum Leinpfad
zur Hafengeschichte im 19. und 20. Jahrhundert  
und zur Zusammenstellung der Weinheimer Schultheißen, Maires und Bürgermeister (aus Saalwächter, BIG 13, S. 224 - 234)



Zwei alte Kartenansichten von Frei-Weinheim, auf zwei Rheingaukarten des 16. Jahrhunderts (im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden):

1. 1573 vom Rheingau auf Ingelheim blickend, koloriert:


Links der Blick das Selztal hinauf (stark überhöht) mit Ober-Ingelheim am Rand, überschrieben mit "Ingelheimer Grund"; in der Mitte der Ingelheimer Galgen, rechts am Rand Gau-Algesheim. 
Weinheim zeigt nur wenige Häuser und einen Schwimmkran!


2. Blick über "Frey-Weinhaim" hinweg zum Rheingau nach Winkel und Mittelheim aus der Rheingau-Karte von 1575, schwarz-weiß:


Am unteren Rand die wenigen Häuser von Frei-Weinheim; gegenüber: Johannisberg, Winkel(len), Mitteln (=Mittelheim) und Östrich. 

Im Rhein verschiedene Inseln ("Auen"), deren nach jedem Hochwasser wechselnde Formen immer wieder Anlass zu handfesten, bisweilen bewaffneten Streitigkeiten zwischen den kurmainzischen und kurpfälzischen Anwohnern (Schiffern und Fischern) auf beiden Seiten des Rheines gaben.

Ihre Zugehörigkeit in einer Schlichtungskommission zu klären, war der Anlass beider Karten.

Auch wenn die geringe Häuserzahl beider Karten wohl eine Vereinfachung darstellt, so fällt doch auf, dass es anscheinend zu jener Zeit keinen festen Verlade-Kran an Land gegeben hat, sondern auf beiden Karten wurde von verschiedenen Autoren stattdessen neben dem Fährnachen ein Schwimmkran (im Bild oben beschriftet mit "Weinheimer Cran") eingezeichnet, der sich freilich den wechselnden Wasserständen an einem sehr flachen Ufer besser anpassen konnte als ein ortsfester Kran.


Frei-Weinheim des Jahres 1824
aus der Karte des Rheinstromes


 

Die Selz mündete damals noch südlich der Jungau rechts neben der heutigen Mole in den Rhein (rot umrandet), da wo heute die Fußwege von der Rheinstraße auf das Gelände der Jungau führen. Ihre Mündung wurde später nach Nordosten verlegt, so dass sie heute östlich der Jungau mündet. 
Im 19. Jahrhundert gab es wie schon im 18. keinen Kran in Frei-Weinheim.





Gs, erstmalig: 14.03.06; Stand:
07.08.10