Autoren: Ernst Kähler/Hartmut Geißler
Fotos: Geißler und Hist. Verein
Schon in römischer Zeit war die Stelle, wo die Selz in
den Rhein mündet - ursprünglich westlich der Jungau! -, besiedelt, wie aus Grabfunden römischer Zeit
deutlich wird. Mit wachsender Bedeutung der Ingelheimer Kaiserpfalz
wurde auch (Frei-) Weinheim als Hafenort für die Pfalz wichtiger: Hohe
Gäste kamen hier im flachen Hafen des Ufergeländes an, Waren für die
Pfalz wurden hier umgeladen, Abgaben (Wein) für auswärtige Zehntherren
(z. B. Hersfeld, Würzburg) wurden hier verladen. Die Weinheimer waren
in Kurpfälzer Zeit zum Dienst in einer
Fährgenossenschaft verpflichtet.
Weil die Weinhandelskaufleute gewisse Freiheiten genossen, bürgerte
sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts die Vorsilbe "Frei-"
ein.
Auf der Informationstafel beim Frei-Weinheimer Bürgerhaus (Nr. 1)
lässt sich das enorme Wachstum
dieses kleinen Fischer- und Schifferörtchens an der Selzmündung
in den letzten beiden Jahrhunderten erkennen. Der historische
Rundgang mit seinen Stationsziffern markiert den alten Ortskern
(siehe auch Karte am Ende), das rosa
gefärbte Gebiet zeigt die heutige Bebauung (Stand: 2007) bis zur Einmündung
der Konrad- Adenauer-Straße in die Rheinstraße (unten).
Zwei alte Kartenansichten von Frei-Weinheim, auf zwei Rheingaukarten des 16. Jahrhunderts (im
Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden):
1. 1573 vom Rheingau auf
Ingelheim blickend, koloriert:
Links der Blick das Selztal hinauf
(stark überhöht) mit Ober-Ingelheim am Rand, überschrieben mit "Ingelheimer
Grund"; in der Mitte der Ingelheimer Galgen, rechts am Rand Gau-Algesheim.
Weinheim zeigt nur wenige Häuser und einen Schwimmkran!
2. Blick über "Frey-Weinhaim" hinweg zum Rheingau
nach Winkel und Mittelheim aus der Rheingau-Karte von 1575, schwarz-weiß:
Am unteren Rand die wenigen Häuser von
Frei-Weinheim; gegenüber: Johannisberg, Winkel(len), Mitteln (=Mittelheim) und
Östrich.
Im Rhein verschiedene Inseln ("Auen"), deren nach jedem
Hochwasser wechselnde Formen immer wieder
Anlass zu handfesten, bisweilen bewaffneten Streitigkeiten
zwischen den kurmainzischen und kurpfälzischen Anwohnern (Schiffern
und Fischern) auf beiden Seiten des Rheines gaben.
Ihre Zugehörigkeit in einer Schlichtungskommission zu klären,
war der Anlass beider Karten.
Auch wenn die geringe Häuserzahl beider Karten wohl eine
Vereinfachung darstellt, so fällt doch auf, dass es anscheinend zu
jener Zeit keinen festen Verlade-Kran an Land gegeben hat, sondern auf
beiden Karten wurde von verschiedenen Autoren stattdessen neben dem Fährnachen ein Schwimmkran (im
Bild oben beschriftet mit "Weinheimer Cran")
eingezeichnet, der sich
freilich den wechselnden Wasserständen an einem sehr flachen
Ufer besser anpassen konnte als ein ortsfester Kran.
Frei-Weinheim des Jahres 1824 aus der Karte des Rheinstromes
Die Selz mündete damals noch südlich der Jungau rechts neben der
heutigen Mole in den Rhein (rot umrandet), da wo heute die Fußwege von der
Rheinstraße auf das Gelände der Jungau führen. Ihre Mündung
wurde später nach Nordosten verlegt, so dass sie heute östlich
der Jungau mündet.
Im 19. Jahrhundert gab es wie schon im 18. keinen Kran in
Frei-Weinheim.