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5. Marktplatz mit altem Rathaus und verschiedenen Brunnen


Autor und Fotos: Hartmut Geißler

1827/28 an der Stelle eines Rathauses von 1608 in klassizistischem Stil errichtet (Architekt Friedrich Schneider), mit vorspringendem giebelgekrönten Mittelteil und Uhrturm als Dachreiter. Links und rechts Toreinfahrten mit Rundbögen. Rechts daneben stand das Wiegehäuschen der Ortswaage.

Bis zum Zusammenschluss von 1939 diente es als Rat- und Gerichtshaus für Ober-Ingelheim, heute als Kindertagesstätte.

Auf seinem Balkon wird alljährlich am letzten Samstag im September die neue Rotweinkönigin gekrönt und vom zahlreich erschienenen Volk bejubelt (es gibt Frei-Wein).

Der Marktplatz (früher mit einem Brunnen) bildete das zivile Ortszentrum. Von hier aus verlaufen strahlenförmig die alten und neuen Hauptstraßen: An der Burgkirche (Kirchgasse), Rinderbach(-gasse), Stiegelgasse, Hammergasse. Durch den Ausbau der Straße durch den Ingelheimer Grund (1832) kam der Neuweg verstärkt hinzu und nach dem Bau des Ingelheimer Bahnhofs 1876 die neue Bahnhofstraße.

Mit der Automobilisierung im 20. Jh. wuchs der Bedarf an Parkplätzen, sodass der Brunnen des Kriegerdenkmals für den Krieg 1870/71 in den Rosengarten versetzt wurde. Als Ersatz wurden 2009 die drei Brunnenfiguren von Benedikt Solga an den Beginn des Neuwegs gesetzt. Sie erinnern an Wein, Kirschen und Spargel.

Der stark angeschwollene Durchgangsverkehr wurde durch den Neubau der L 428 im Selztal verringert, sodass der Rathausplatz jetzt verkehrsberuhigt ist und sogar für Außenplätze von Gaststätten dienen kann.


Die historischen Straßen der Karte von 1800 prägen nach wie vor die wesentliche Siedlungsstruktur. Sie verlaufen strahlenförmig von hier aus in fünf Richtungen und schließen am Ende jeweils mit einer beeindruckenden Toranlage ab.
(Aus der Stationstafel von Ernst Kähler)

(Siehe Planausschnitt rechts)


Oben: Der gepflasterte Ober-Ingelheimer Marktplatz ca. 1910; links geht die Bahnhofstraße ab und rechts die Rinderbachstraße.


Zentral vor dan Häusern stand seit 1901 ein Brunnen, zugleich ein Denkmal für die Gefallenen des Krieges von 1870/71. Er ersetzte einen früheren Brunnen aus Kurpfälzer Zeit, das sog. "Löwchen". Dieser neue Denkmal-Brunnen musste seinerseits 1970 ersatzlos dem anschwellenden Autoverkehr und seinem Parkplatzbedarf weichen.

Links: Er steht heute, 2007 gründlich restauriert, im Rosengarten gegenüber der Burgkirche. Durch die lichte Umgestaltung des Rosengartens kommt er nun viel besser zur Wirkung.

Bilder: Historischer Verein/Geißler

 

 

Als Ersatz für den versetzten Marktbrunnen erinnern nun die drei lustigen Männerfiguren von benedikt Solga an die typischen Früchte der Ingelheimer Landwirtschaft, an Wein, Spargel und Kirschen (unten).


Dieses neue Brunnenkunstwerk des Wahl-Thüringers Solga, der zeitwesie in Ingelheim zur Schule ging, wurde nach langen Debatten über eine bisweilen geforderte Rekonstruktion des ehemaligen kurpfälzischen Brunnens auf dem Markt aus 21 Modellen eines ausgeschriebenen Wettbewerbs von Kulturausschuss und Stadtrat ausgewählt und am 5. Dezember 2009 eingeweiht.

Das Wasser des Brunnens stammt übrigens aus derselben Quelle, die den früheren Brunnen speiste. Es ist die sog. "Casinoquelle" auf dem Geländes des  Vereins Haus Burggarten, wo seit dem 19. Jahrhundert die Casino-Gesellschaft tagt. Nach: Hamann, Jahrbuch 2013, S. 104 ff.

 

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Gs, erstmals: 13.03.06; Stand: 19.10.20