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23. St. Michael


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
nach Andreas Saalwächter, Baugeschichte 1919, S. 162 ff. und
Wilhelm A. Schönherr und Peter Schicke: Kirchengeschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

links: St. Michael aus dem 18. Jh. und noch vor dem Umbau des 20. Jh., nach einer Zeichnung von W. A. Schönherr


Weil bei der Pfälzer Kirchenteilung 1705-1707 die heutige Burgkirche den Reformierten zugefallen war, musste sich die kleine katholische Gemeinde eine neue Kirche bauen. Sie wurde von 1721 an etappenweise errichtet und eingerichtet bis zur Weihe 1767.

Die Gemeinde hatte große Finanzierungsschwierigkeiten, auch wenn der Herr von Geismar den Bau förderte; für einen Glockenturm reichte das Geld nicht aus, es langte nur zu einem kleinen Dachreiter. Auch als das Gebäude selbst vollendet war, blieb es noch lange unverputzt, und die Innenausstattung konnte erst nach und nach beschafft werden.

Der Hochaltar, gestiftet von Marsilius von Nagel, gefertigt von einem Mainzer Schreinermeister, konnte erst 1747 aufgestellt werden. Die Seitenaltäre zeigen links die Mutter Gottes und rechts den Kirchenpatron, den hl. Michael. Für diesen Michaelsaltar stifteten die Grafen von Ingelheim eine Michaelsstatue mit einem Wappenschild in der Hand, das das Wappen deren von Ingelheim zeigte. Die Figur ging verloren. Weitere Spender: Gottfried von Langwerth, Weihbischof zu Regensburg, Anna Elisabeth Charlotte geb. v. Mosbach zu Lindenfels, Oberschultheiß Biebesheimer. Eine Orgel wurde 1758 eingebaut.

Am 8. Oktober 1767 wurde die Kirche schließlich geweiht, 46 Jahre nach der Grundsteinlegung, in einer gemeinsamen Aktion mit St. Remigius in Nieder-Ingelheim und St. Michael in Frei-Weinheim durch den Mainzer Weihbischof Christoph Nebel.

St. Michael nach der Turmrenovierung 2020; Foto: H. G.

Die Kirche wurde wegen des starken Anwachsens der katholischen Gemeinde bei einem Umbau 1963/64 verlängert und erhielt einen damals modernen Glockenturm, entworfen von Caumanns und Grasnitz, Mainz. Er besteht überwiegend aus Mauerwerk, nur der Teil des Glockenstuhles ist aus Beton. Dieser Teil erwies sich im Jahre 2014 als so stark verwittert, dass er 2018/19 aufwändig saniert werden musste. Er ist jetzt im Glockenbereich dezent mit Holz verkleidet.
Gut zu erkennen ist die Verlängerung des Kirchenschiffs zwischen Glockenturm und Dachreiter.

 

 

Innen befindet sich auch eine Nachbildung eines Crucifixus dolorosus, eines "Pestkreuzes" aus dem 14. Jh. (Original im Mainzer Dommuseum, Herkunft unklar).

 

Ihr "Titel" der Kirche war ursprünglich "Zur heiligen Dreifaltigkeit", ihr "Patron" aber wurde - wie in Frei-Weinheim - "St. Michael".

 

Gs, erstmals: 15.03.06; Stand: 23.10.20