Ingelheim in der Zeit des Nationalsozialismus
1933 bis 1945


Autor: Hartmut Geißler
(noch in Bearbeitung!)



Die Geschichte Ingelheims in den 12 Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft - ein noch kürzerer Zeitraum als der der "Weimarer Republik" - unterscheidet sich nicht wesentlich von der Geschichte anderer deutscher Orte zu jener Zeit.

Zur Quellenlage siehe die Angaben zur Literatur"! 

Eine Bearbeitung der beabsichtigten Themenseiten wird erst erfolgen, wenn die derzeit forschende Projektgruppe unter Prof. Kißener ihre Arbeit mit Publikationen abgeschlossen haben wird.


Folgendes lässt sich schon jetzt festhalten:

Auch in bzw. aus Ingelheim ...

- ergriffen die Nazis Anfang 1933 alle politische Macht, setzten bisherige
  Kommunalpolitiker ab, "schalteten" die Gemeindevertretungen "gleich" und formten
  sie
bis zur Bedeutungslosigkeit um;
- verfolgten sie politische Gegner bis zur Haft in KZs und bis zu ihrer Ermordung;
- "schalteten" sie das gesamte gesellschaftliche Leben, vor allem das Vereinsleben,
  "gleich";
- gestalteten sie die Landwirtschaft nach ihren Vorstellungen um, insbesondere
  durch das "Reichserbhofgesetz" vom 29.09.1933 und die Einrichtung des
  "Reichsnährstandes" vom 13.09.1933;
- wurden Juden zuerst diskriminiert, dann aus dem wirtschaftlichen Leben verdrängt,
  enteignet, ins Exil vertrieben und schließlich die letzten Verbliebenen am 20.09.1942 
  in die Vernichtungslager im Osten deportiert; damit wurde das erhebliche jüdische
  Gemeindeleben, das es seit Jahrhunderten in Ingelheim gegeben hatte, bis heute
  ausgelöscht;
- wurde die Synagoge (in Ober-Ingelheim) 1938 zerstört;
- wurden Sinti und Behinderte ermordet;
- wurden viele Kriegsgefangene, Fremdarbeiter und Zwangsarbeiter beschäftigt;
- erlitten viele Familien Verluste durch die Gefallenen des Krieges und die in
  Gefangenschaft Verstorbenen;
- gab es Opfer des Bombenkrieges, wenn auch nicht viele;
- litt die Bevölkerung ganz allgemein unter Diktatur und Krieg


Drei Ereignisse sind von nachhaltiger Bedeutung für Ingelheim gewesen:

1. Durch einen Erlass des "Reichsstatthalters" Jakob Sprenger wurden die beiden Ingelheim (und Frei-Weinheim) im Jahre 1938 sozusagen von oben zur "Stadt Ingelheim am Rhein" vereinigt. Rechtskräftig wurde die Vereinigung, um die seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder erfolglos gestritten worden war, zum 1. April 1939. Diese Vereinigung wurde durch den demokratisch gewählten Nachkriegsstadtrat am 15. Januar 1947 demokratisch bestätigt.

2. Durch das Eingreifen des Volkssturmkommandanten Hermann Berndes wurde eine an sich befohlene militärische Verteidigung Ingelheims gegen die vorrückenden US-Truppen im April 1945 nicht durchgeführt, so dass der Stadt wahrscheinlich größere Kampfhandlungen und Zerstörungen erspart blieben. 
Die Ingelheimer Bausubstanz blieb also weitestgehend erhalten, was die Voraussetzung dafür war, dass einige Professoren der 1946 von den Franzosen neu gegründeten Mainzer Universität, die im stark zerstörten Mainz selbst keine Wohnung fanden, nach Ingelheim zogen und dem Ingelheimer Nachkriegsleben ganz erhebliche kulturelle Impulse verliehen. Außerdem konnte die Ingelheimer Industrie, insbesondere die Firma Boehringer, aufgrund der nur geringen Zerstörungen nach dem Kriege weiter produzieren und damit Arbeitsplätze in Ingelheim erhalten bzw. neue schaffen.

3. Seit der Nazizeit gibt es keine Synagoge und kein jüdisches Gemeindeleben mehr in Ingelheim.





Gs, erstmals 08.03.08; Stand: 17.03.09

Themenseiten


Machtergreifung

Verfolgung politischer Gegner

Gleichschaltung

Umgestaltung der Landwirtschaft

Stadtwerdung

Verfolgung von Juden

Verfolgung von Sinti und Roma

Ermordung von Behinderten

Zwangsarbeit

Bombenkrieg

Eroberung und Befreiung Ingelheims

Hinweise zur Literatur und Quellenlage